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Technologie & IT

Online-Plattform aufbauen: Was Gründer wissen müssen

Eine erfolgreiche Online-Plattform entsteht nicht durch ein hübsches Frontend allein. Sie braucht zwei funktionierende Marktseiten, klare Prozesse, Vertrauen, Liquidität und ein Produkt, das klein genug startet, um nicht am eigenen Anspruch zu zerbrechen. Das Interview mit Shopboostr zeigt, warum Plattform-Projekte so oft scheitern.


online-Plattform-Probleme
Die größten Probleme bei der Erstellung einer Online Plattform. Bild: www.shopboostr.de

Wenn Sie schon einmal eine Wohnung gesucht haben, ist die Chance hoch, dass Sie bei ImmobilienScout24 gelandet sind. Bei Reisen denken viele an Airbnb, beim Lernen an Udemy, beim Handel an Marktplätze. Online-Plattformen sind bequem, weil sie Angebot und Nachfrage bündeln. Genau deshalb wirken sie von außen oft einfacher, als sie in Wahrheit sind.

Das Interesse an Plattformmodellen ist groß. Immer mehr Gründende und Unternehmen wollen eine eigene Plattform aufbauen. Die Realität ist härter: Eine Online-Plattform ist komplexer als ein klassischer Onlineshop, weil sie mehrere Nutzergruppen gleichzeitig bedienen muss. Wer nur die technische Oberfläche plant, übersieht Matching, Vertrauen, Zahlungslogik, Moderation, Akquise und Support.

Dimitri Haußmann, Geschäftsführer von Shopboostr, kennt diese Bruchstellen aus Projekten mit Matching-Plattformen, Jobplattformen, Lernplattformen und Marktplätzen. Sein Team hat nach eigenen Angaben über 100 Plattformen umgesetzt. Wir bei digital-magazin.de haben das Interview deshalb neu eingeordnet: Nicht als reine Agenturvorstellung, sondern als praktische Checkliste für Plattform-Projekte.

Online-Plattform Workflow mit Produktdaten und Content-Prozessen
Plattform-Projekte brauchen saubere Workflows auf Anbieter- und Nachfrageseite. (Symbolbild)

Der Markt hat sich seit dem ursprünglichen Interview weitergedreht. Nutzerinnen und Nutzer erwarten schnelle Suche, sichere Zahlungen, klare Bewertungen und mobile Bedienung. Gleichzeitig wachsen Anforderungen an Datenschutz, Barrierefreiheit und Compliance. Wer heute eine Plattform startet, muss deshalb Produkt, Recht, Marketing und Betrieb gemeinsam planen.

https://digital-magazin.de/ecommerce-content-workflow-ki-bildgenerierung/

Dimitri Haußmann von Shopboostr im Interview

Dimitri, wir begrüßen dich herzlich und freuen uns auf das Interview. Wie habt Ihr es geschafft Shopboostr als eine der führenden Agenturen für die Entwicklung von Online Plattformen auf dem Markt zu etablieren? Online Agenturen gibt es in Deutschland ja bereits viele. Wieso habt ihr euch dazu entschieden in diesen Bereich einzusteigen?

Wir haben als ein kleines Start-Up in Berlin angefangen. Bereits von Anfang an wussten wir wie wichtig es ist eine geeignete Nische zu wählen – daher haben wir uns ausschließlich auf die Entwicklung von Online Plattformen spezialisiert. Während andere Agenturen viele unterschiedliche Projekte angehen, wie die Entwicklung von Webseiten, Onlineshops, Apps & Co. – haben wir uns von Anfang an nur auf eine Nische spezialisiert.

Dafür haben wir auch zahlreiche Auszeichnungen erhalten, wie etwa den Telekom Innovation Award, den Volksbank Gründer Award, oder den Innovationspreis BPW. Eine für unseren heutigen Erfolg wesentliche Entscheidung war es, uns eng auf die Entwicklung von Online Plattformen und Marktplätzen zu fokussieren anstatt mit den vielen etablierten Marktführern in allen Bereichen zu konkurrieren.

Die Tatsache dass wir uns eng auf Plattformen fokussiert haben hat uns erlaubt, eine tiefgehende Expertise in der Entwicklung zu gewinnen, über welche die Mehrheit von Webagenturen nicht verfügt. Das spiegelt sich tatsächlich auch im Endergebnis unserer Projekte wieder – unsere Erfolgsquote liegt überdurchschnittlich höher als bei anderen Agenturen mit einem breiten Fokus. Der Grund dafür ist unsere bewährte Vorgehensweise, welche uns erlaubt, häufige Fehler bei der Konzeption und technischen Entwicklung zu vermeiden und letztendlich auch ein besseres Endergebnis zu erzielen.

Was sind denn die Unterschiede zwischen der Entwicklung einer Online Plattform und eines Onlineshops?

Die Unterschiede sind vielfältig. Fangen wir erstmal mit den technischen Besonderheiten an. Zum Einen sind die Programmiersprachen und das ganze technische Fundament für die Entwicklung einer Plattform anders als für einen Onlineshop oder einer einfachen Webseite. Der größte Unterschied liegt jedoch in den Funktionalität. Online Plattformen verbinden Anbieter und Nachfrager, welche eine gegenseitige Transaktion ausführen möchten. Hierzu sind verschiedene Funktionalitäten für jede Zielgruppe erforderlich, um eine bestmögliche Nutzererfahrung sicherzustellen.

Die Nutzererfahrung auf der Online Plattform ist ein weiterer Aspekt, der auch etwas anders angegangen werden sollte. Weil Online Plattformen viel mehr Funktionen im Vergleich zu Onlineshops oder normalen Webseiten aufweisen, ist die Gestaltung einer flüssigen Nutzererfahrung eine schwierige Aufgabe. Wie immer mit Online Plattformen der Fall, ist hier die Arbeit fast doppelt so groß, weil das Ganze sowohl aus Sicht der Anbieter als auch der Nachfrager realisiert werden sollte.

Genau hier liegt der Unterschied zum E-Commerce. Ein Shop verkauft eigene oder kuratierte Produkte. Eine Plattform orchestriert Beziehungen. Anbieter müssen Angebote einstellen, Nachfragende müssen vergleichen, das System muss passende Treffer liefern und im Streitfall einen belastbaren Prozess haben. Unser Beitrag zur Checkout-Compliance im E-Commerce zeigt, wie stark selbst klassische Kaufprozesse inzwischen reguliert sind. Bei Plattformen kommt eine weitere Ebene hinzu.

https://digital-magazin.de/checkout-compliance-2026/

Warum scheitern viele Online Plattformen bereits vor dem Start? Gibt es einen eindeutigen Grund dafür?

Eine der häufigsten Gründe ist die Auswahl einer Agentur oder eines Programmierers, welche nicht genug Erfahrung mit der Konzeption, Entwicklung und Vermarktung von Online Plattformen mitbringen. Der Mangel an Erfahrung und eine bewährte Strategie resultiert in höheren Kosten für das Unternehmen, was ein empfindliches Thema für alle neuen Gründungen ist. Viele Unternehmer glauben, dass die Erstellung von Online Plattformen auch sehr teuer und zeitaufwendig ist, was auch in ihren Augen die verlangten hohen Preise seitens der Agenturen begründen.

Das muss nicht immer der Fall sein. Eine Online Plattform sollte erstmal klein anfangen, indem sie die grundlegenden Funktionalitäten für die Deckung des gegenseitiges Bedarfs von mindestens zwei Zielgruppen zur Verfügung stellt. Danach folgt der kontinuierliche Ausbau und Skalierung.

Aus redaktioneller Sicht ist das der Kern: Plattformen scheitern selten an einer einzelnen Funktion. Sie scheitern an einer falschen Startlogik. Zu viele Features, zu wenig Nachfrage, keine klare Nische, kein Plan für die erste kritische Masse. Wer beide Marktseiten gleichzeitig gewinnen muss, braucht eine Go-to-Market-Strategie, nicht nur ein Ticketsystem für die Entwicklung.

Praktisch hilft ein MVP mit harten Grenzen. Eine Region statt ganz Deutschland. Eine Branche statt zehn Branchen. Ein klarer Transaktionstyp statt eines offenen Marktplatzes für alles. So können Teams lernen, ob Matching, Preise, Vertrauen und Support funktionieren. Erst danach lohnt sich der Ausbau.

Wie sieht der Prozess der Entwicklung einer Online Plattform aus? Wie geht ihr normalerweise vor?

Im ersten Schritt muss jeder potenzielle Kunde unseren Fragebogen ausfüllen. Nachdem wir die Informationen zum Projektvorhaben zur Verfügung haben, führen wir eine ausführliche Analyse persönlich mit dem Kunden durch. Ziel dieser Analyse ist es, so viel wie möglich über seine Idee für eine Online Plattform zu erfahren. Anschließend kommt die Ausarbeitung der Strategie, die sich auf diesen Informationen bezieht.

Dann geht es zur Projektentwicklung. Wir fangen nämlich mit der Konzeptionsphase an und definieren die Funktionalitäten, welche in die Plattform eingebaut werden sollten. Dieser Prozess ist mitunter der wichtigste und gleichzeitig einer der schwierigsten, weil man eine genaue Vorstellung über die endgültige Form der Online Plattform sowie ihre langfristige Ziele haben sollte. Zudem sollten die Wettbewerber in Betracht gezogen und dementsprechend Wettbewerbsvorteile mittels neuen oder verbesserten Funktionalitäten geschafft werden. In der Konzeptionsphase wird auch das erste Design der Online Plattform erstellt und mit den Kunden besprochen, sodass es an die Bedürfnisse und Kundenwünsche angepasst werden kann.

Im nächsten Schritt wird das endgültige Design für ein modernes und nutzerfreundliches Aussehen aller Unterseiten erstellt. Danach wird die Plattform technisch umgesetzt und ausführlich getestet. Diese beiden Phasen dauern in der Regel zwischen 2 und 3 Monate.

Abschließend geht es zum Marketing. Diese Phase ist auf keinen bestimmtes Zeitraum begrenzt. Vielmehr geht es hier darum, die ersten Anbieter und Nachfrager auf die Plattform zu bringen und eine Strategie für die langfristige Ausdehnung der Benutzerbasis zu erstellen.

Für Plattformteams ist außerdem Datenqualität entscheidend. Kategorien, Suchfilter, Anbieterprofile, Verfügbarkeiten, Preise und Bewertungen müssen konsistent sein. Sonst entsteht ein Marktplatz, der viel verspricht, aber schlechte Treffer liefert. Moderne E-Commerce-Teams kennen dieses Problem aus Produktdaten-Prozessen; die Marktplatz-Integration im E-Commerce zeigt, wie schnell Schnittstellen und Datenmodelle zum Engpass werden.

https://digital-magazin.de/marktplatz-integration-e-commerce/

Wie kann man mit euch zusammenarbeiten?

Wegen der hohen Anzahl an Anfragen die wir erhalten, arbeiten wir nur mit Projekten zusammen, die aus unserer Sicht über ein ausgeprägtes Marktpotenzial verfügen und mit langfristigen Absichten seitens des Projektteams unterstützt werden.

Der erste Schritt ist, wie gesagt, ein Beratungsgespräch zu vereinbaren. In diesem Gespräch diskutieren wir die Ziele des Projektes und dessen Besonderheiten. Anschließend folgen wir dem Prozess und den Abläufen welche wir bereits beschrieben haben und erarbeiten zusammen mit dem Kunden ein erstes Konzept für die Plattform. Das Konzept betrachtet jeden Bereich der Projektentwicklung und geht auch auf die technischen Besonderheiten und die Vermarktung ein.

Was Plattform-Gründende vor dem Start prüfen sollten

Eine Plattform braucht vor dem ersten Code drei Antworten. Erstens: Warum sollten Anbieter genau hier ihr Angebot einstellen? Zweitens: Warum sollten Nachfragende genau hier suchen? Drittens: Welche Transaktion soll am Anfang besonders gut funktionieren? Wer diese Fragen nicht präzise beantworten kann, wird später mit Features kaschieren, dass das Modell noch unscharf ist.

Hinzu kommt Vertrauen. Bewertungen, Verifizierung, transparente Gebühren, sichere Kommunikation und saubere Zahlungsprozesse sind keine Extras. Sie entscheiden darüber, ob fremde Menschen miteinander Geschäfte machen. Die Plattform muss Reibung reduzieren, ohne Kontrolle komplett aufzugeben. Gerade bei Marktplätzen ist das ein Balanceakt.

Rechtlich sollten Teams früh prüfen, ob sie Vermittler, Händler, Zahlungsdienst-nahe Stelle oder Datenverarbeiter sind. Dazu kommen AGB, Widerruf, Datenschutz, Barrierefreiheit und je nach Branche Spezialregeln. Die BMWK-Informationen zur digitalen Wirtschaft in Deutschland zeigen, wie breit der politische Rahmen für digitale Geschäftsmodelle inzwischen ist.

https://digital-magazin.de/subscription-ecommerce-mode-beauty/

Für Teams mit Handelsbezug lohnt außerdem der Blick auf digitale Erfolgsfaktoren im Autoteile-Handel. Dort zeigt sich sehr konkret, wie Sortiment, Suche, Vertrauen und Logistik zusammenspielen. Plattformen sind anspruchsvoller, aber die Grundfrage bleibt ähnlich: Finden Menschen schnell das richtige Angebot und trauen sie dem Prozess?

Der praktische Punkt

Plattformen sehen nach Skalierung aus, bevor sie überhaupt funktionieren. Das ist gefährlich. Die bessere Reihenfolge lautet: Nische, Matching, Vertrauen, Liquidität, Betrieb, Skalierung. Wer diese Reihenfolge einhält, kann später wachsen, ohne ständig das Fundament neu zu gießen.

Das Interview mit Shopboostr bleibt deshalb nützlich, auch wenn Plattformmärkte reifer geworden sind. Es erinnert daran, dass Online-Plattformen keine normalen Websites sind. Sie sind kleine Märkte mit Regeln, Teilnehmenden und Konflikten. Technik ist nur die sichtbare Schicht.

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