Corona durch die Digitalisierung erträglich – eine Dorf-App zeigt, wie es geht

Die Corona-Krise hat viele Menschen während des Lockdowns getrennt und das private, soziale und berufliche Leben ordentlich durcheinandergewirbelt. Dank der digitalen Möglichkeiten ist diese schwierige Zeit zumindest erträglich gewesen. In einem Dorf in Nordrhein-Westfalen hat die Digitalisierung das gesellschaftliche Miteinander sogar gestärkt. Hierfür ist eine App verantwortlich, die während der Kontaktbeschränkungen ein Miteinander zumindest digital möglich gemacht hat.

Wie sähe die Krise ohne die Digitalisierung aus?

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Man mag sich kaum vorstellen, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf ein nicht-digitalisiertes Deutschland gehabt hätte. Die Menschen hätten ihre Arbeit nicht ins Home Office verlagern können, sondern hätten zwangsweise pausieren oder sich dem Risiko einer Ansteckung aussetzen müssen. Großeltern hätten nicht via Skype und Messenger kontaktiert werden können, sondern man allenfalls mittels Telefonieren hätte Kontakt halten können. Streaming, Handyspiele und die Erstellung digitaler Fotogalerien zum Teilen mit Freunden und Verwandten wäre nicht möglich gewesen.

Corona hat den Menschen vor Augen geführt, wie nützlich und angenehm digitale Technologien und Kanäle im täglichen Leben sind beziehungsweise sein können. Gleichzeitig hat die Krise schonungslos offengelegt, an welchen Punkten es bei der Digitalisierung unserer Lebenswelt noch hakt. Denn viele Betriebe mussten sich auf die neuen Formen des Arbeitens erst einstellen und die Menschen lernen, wie sie im Home Office am besten zurechtkommen.

Ein Dorf in Nordrhein-Westfalen blüht dank der Digitalisierung auf

Das Dorf Ovenhausen in Nordrhein-Westfalen nutzt seit der Corona-Krise eine Messenger-App, die sich im Dorf großer Beliebtheit erfreut. Die DorfFunk-App erlaubt es, sich mit anderen Menschen im Dorf auszutauschen, Kontakt zu halten und die Zeit der Isolation besser zu überstehen. Gleichzeitig setzen die Menschen die App ein, um sich gegenseitig Hilfe anzubieten beziehungsweise nach Unterstützung bei Alltagsproblemen zu suchen. Die Gemeindeverwaltung ist mit im Boot und bietet über die App einen schnellen, unbürokratischen Kontakt an. Die Applikation wurde vom Frauenhofer-Institut entwickelt und hat eine lokale Reichweite, berichtet rnd.de. Es ist aber durchaus möglich, zu Nachbargemeinden Kontakt aufzunehmen.

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Die App kommt bei den Dorfbewohnern gut an. Mittlerweile haben sie etwa 500 der 1030 Dorfbewohner auf ihrem Smartphone installiert. Hans-Werner Gorzolka von der örtlichen Kirchengemeinde ist davon überzeugt, dass jeder Haushalt im Dorf über die App kontaktiert werden kann. Dies sei besonders wichtig, um Vereinsamung und Unglück entgegenzuwirken. Das finde unter der Überschrift „Sorgendes Dorf“ statt. Aber auch im gesamten Bundesgebiet wird die App rege genutzt. Derzeit haben sie deutschlandweit etwa 50.000 Menschen heruntergeladen und im Einsatz.

Das Ehrenamt gewinnt durch die App an Bedeutung

Stimmen aus Ovenhausen legen nahe, dass sich die App äußerst positiv auf das Gemeindeleben auswirkt. So ist beispielsweise Agnes Klocke begeistert, dass sie dank der App bei allen Sorgen, Fragen und Nöten jemanden hat, bei dem sie um Hilfe bitten kann. Außerdem ist sie davon überzeugt, dass die App das Ehrenamt in ihrem Dorf gestärkt hat. Bis zur Krise wären ehrenamtliche Tätigkeiten eher die Ausnahme gewesen und jeder hätte sich eher um seine eigenen Angelegenheiten gekümmert. In der Krise habe sich nun aber gezeigt, dass es sich bei Ovenhausen um eine wirkliche Dorfgemeinschaft handelt und jeder für jeden da ist. Vor allem das Vereinsleben habe hiervon profitiert.

Martina Voss von der Caritas bestätigt diesen Eindruck. Die Menschen nehmen die digitalen Angebote dankend an und helfen sich aktiv bei Schwierigkeiten. Bundespräsident Steinmeier sagte auf dem ersten bundesweiten Digitaltag, dass die Digitalisierung die Corona-Krise erträglicher gemacht habe. Gleichzeitig habe die Krise die digitalen Defizite aufgedeckt, die es in Deutschland nach wie vor gibt. Diese betreffen beispielsweise die Schulen und die Verwaltung. Aber auch die digitale Grundversorgung ist nicht überall in Deutschland gegeben. Bis zu einer vollständigen und gerechten Nutzung der Digitalisierung ist es daher noch ein weiter Weg.

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