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    Wer ist für die Digitalisierung in Deutschland verantwortlich?

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    Die Digitalisierung in Deutschland steckt seit Jahren in den Startlöchern, so recht loslaufen möchte sie aber scheinbar nicht. Doch woran liegt das? Einige sagen, dass die digitale Infrastruktur fehlt, um die digitale Transformation voranzutreiben. Andere sehen den Staat in der Pflicht, für eine attraktive Digitalumgebung zu sorgen, in der sich junge, moderne Unternehmen gerne ansiedeln. Wieder andere beklagen, dass die Unternehmen selbst zu wenig für die Digitalisierung täten. Wer ist nun also dafür verantwortlich, die digitale Transformation in Deutschland zum Erfolg zu führen?

    Die Schaffung der digitalen Infrastruktur

    In zu vielen Regionen Deutschlands hat man nur dann Zugang zum Internet, wenn man zum Wetterhahn auf die Kirchturmspitze klettert. Der Rest des Dorfes ist hingegen in einem Funkloch gefangen. Was nach einer maßlosen Übertreibung klingt, ist in vielen Kommunen leider bittere Realität. Hier warten Nutzerinnen und Nutzer oft minutenlang, bis sich eine Seite lädt und von einer digitalen Kommunikation per Messenger sind sie weit entfernt. Die Rechte für 5G und damit die Grundlage für schnelles Internet überall wurden erst kürzlich verkauft. Doch in vielen Regionen wären die Menschen schon für 4G unendlich dankbar.

    Die Telekommunikationsunternehmen stehen hier in der Pflicht. Sie haben sich der Aufgabe verschrieben, die digitale Kommunikation zwischen Menschen zu ermöglichen, also müssen sie dieser Verpflichtung auch nachkommen. Es besteht ein großer Bedarf an neuen Leitungen und Sendemasten. Es ist also dringend an der Zeit, dass die Telekommunikationsunternehmen mit dem Verbuddeln von Glasfaserkabeln und dem Aufstellen solcher Masten vorankommen. Denn nur mit der richtigen digitalen Infrastruktur sind Projekte wie Smart Homes, Smart Cities und autonomes Fahren überhaupt denkbar.

    Wie viel Staat darf bei der Digitalisierung sein?

    Der Staat hat eine Vorbildfunktion. Wenn er das Thema Digitalisierung nicht mit Nachdruck verfolgt, wie kann er es von den deutschen Unternehmen erwarten? Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wo der Staat aktiv werden und digitale Technologien nutzen könnte. Das reicht von der Kommunikation mit den Bürgerämtern über die digitale Verwaltung von Akten und Daten bis hin zum Ausbau eines Netzes für E-Mobilität und autonomes Fahren. Aktuell verlangen viele Bürgerämter aber ein persönliches Erscheinen, Akten und Ordner werden digitalen Speichermedien vorgezogen und Ladestationen für E-Autos sind deutschlandweit noch Mangelware. Es gibt also für den Staat in Sachen digitaler Transformation viel zu tun.

    Deswegen ist der Vorstoß von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop sehr zweischneidig. Sie möchte gerne ein Landesunternehmen namens „Digitalagentur“ ins Leben rufen, berichtet Dominik Bath auf morgenpost.de. Dieses soll junge Unternehmen dann bei der digitalen Transformation unterstützen. Allerdings ist nicht klar, ob eine solche Digitalagentur hierfür der richtige Kanal ist. Zum anderen ist fraglich, ob der Staat angesichts der sehr analogen Verwaltung tatsächlich kompetent ist, um der Wirtschaft gute Ratschläge zu geben. Natürlich ist es wichtig, dass der Staat Signale setzt und die Digitalisierung aktiv vorantreibt. Es wäre aber glaubwürdiger, wenn er hierfür erst einmal mit seinen eigenen Prozessen und Tätigkeitsfeldern beginnen würde.

    Welche Verantwortung haben die Unternehmen selbst?

    Die Unternehmen selbst haben sich in Sachen Digitalisierung ebenfalls noch nicht mit Ruhm bekleckert. Es gibt einige Vorzeigeunternehmen wie Zalando, die gerade durch die Fokussierung auf den Onlinebereich sehr erfolgreich geworden sind. Allerdings sind solche positiven Beispiele eher die Ausnahme. Die meisten Firmen haben noch sehr analoge Unternehmensprozesse und schöpfen ihr digitales Potenzial nicht aus. Erfreulich ist, dass ein Großteil der Betriebe mittlerweile eine eigene Digitalagenda hat. Die Bedeutung des Themas ist also bei den Unternehmen angekommen. Allerdings verfolgt gerade einmal ein Bruchteil der Firmen diese Agenda aktiv und mit Nachdruck.

    Bei einigen Betrieben ist es schlicht und ergreifend der Personalmangel, aus dem die digitale Transformation ins Stocken gerät. Sie haben einfach nicht genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um jemanden abzustellen, der ausschließlich für digitale Aufgaben zuständig ist. Allerdings fehlt es teilweise auch am Willen, sich auf Neues einzulassen. Die „Das haben wir immer schon so gemacht“-Mentalität ist in vielen Firmen leider nach wie vor verbreitet und verhindert eine erfolgreiche Digitalisierung. Hier wäre es wünschenswert, dass die Firmen mutiger und neugieriger werden und an verschiedenen Stellen digitale Technologien einmal ausprobierten.

    Fazit: Bei der Digitalisierung sollte sich jeder an die eigene Nase fassen

    Aktuell gibt es in Deutschland sehr viele digitale Baustellen. Aus diesem Grund hat sich eine Angewohnheit verbreitet, die Schuld immer bei den anderen zu sehen. Wir würden ja digitalisieren, wenn der Staat mehr machen würde, sagen die Unternehmen. Wir würden ja den Netzausbau vorantreiben, wenn die Nachfrage größer wäre, sagen die Telekommunikationsunternehmen. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Unternehmen zu sagen, wie sie sich zu digitalisieren haben, sagt der Staat. Jeder scheint irgendwie darauf zu hoffen, dass andere die Digitalisierung voranbringen und man selbst irgendwie mitschwimmt.

    Es wird sich aber niemals etwas ändern, wenn alle nur auf der Stelle stehen und warten. Viel besser wäre es, selbst aktiv zu werden. Deswegen sollten sich alle Beteiligten bei digitalen Herausforderungen zunächst mit sich selbst beschäftigen und sich fragen: „Was kann ich konkret tun?“ Wenn das alle so machen würden, wäre die Digitalisierung in Deutschland heute schon viel weiter, als das aktuell der Fall ist.

    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Online Marketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.

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