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Finanzen & FinTech

Volksbank KI-Agenten, Kreditprozess Automatisierung

Ein KI-Agent liest Bilanzen, sortiert Belege, stellt Rückfragen an Kunden – und ein Kreditsachbearbeiter unterschreibt am Ende trotzdem noch von Hand. Genau darum geht es…

Volksbank KI-Agenten, Kreditprozess Automatisierung, Mittelstandsfinanzierung –
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Ein KI-Agent liest Bilanzen, sortiert Belege, stellt Rückfragen an Kunden – und ein Kreditsachbearbeiter unterschreibt am Ende trotzdem noch von Hand. Genau darum geht es aktuell im deutschen Kreditgeschäft, konkret bei mehreren Volksbanken, die gemeinsam mit einem FinTech-Partner die automatisierte Vorprüfung im Mittelstandsbanking testen. Klingt nach Revolution. Ist aber, seien wir ehrlich, erst mal etwas anderes: eine sehr pragmatische Aufräumaktion in einem Prozess, der seit Jahrzehnten an Papierstapeln erstickt.

Der Hype um KI-Agenten in der Kreditvergabe

Sobald das Wort „KI-Agent“ fällt, ist die Fantasie schneller als die Fakten. Viele lesen aus der Meldung heraus: Die Bank lässt jetzt eine Maschine über Kredite entscheiden. Das ist falsch, und es ist auch nicht das, was Fachhäuser wie Deloitte für den Kreditprozess beschreiben. Dort geht es um Systeme, die entlang der Wertschöpfungskette Aufgaben übernehmen: Dokumente prüfen und strukturieren, Daten validieren, Auffälligkeiten markieren, Kreditentscheidungen transparent vorbereiten. Das ist Unterstützung, keine Autonomie.

Die Deloitte-Analyse zu KI-Agenten im Bankensektor macht das explizit klar: Die Systeme sollen nicht vollständig automatisieren, sondern als Entscheidungsunterstützung in bestehende Kreditprozesse eingebettet werden. Die Verantwortung für die eigentliche Entscheidung bleibt beim Menschen. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Marketing-Sprache und Bankpraxis.

Klartext: Wer jetzt Schlagzeilen liest über „KI-Agenten im Kreditprozess“ und daraus eine vollautomatisierte Kreditvergabe konstruiert, hat die Meldung nicht verstanden. Oder wollte sie nicht verstehen, weil Panik besser klickt.

Was Vorprüfung und Dokumenten-Workflows wirklich bedeuten

Was passiert also konkret, wenn ein Mittelstandsunternehmen einen Kredit beantragt und der Prozess KI-gestützt läuft? Die Agenten sammeln Finanzdaten aus vorhandenen Unterlagen, prüfen Vollständigkeit und Plausibilität, erstellen ein erstes Rating und koordinieren offene Rückfragen direkt mit der Kundschaft. Erst danach landet ein vollständiges Dossier beim menschlichen Kreditentscheider.

Diese Reihenfolge ist kein Zufall. Genau diese Schritte – digitale Dokumentenaufnahme, Identitäts- und Risikoprüfung, strukturierte Entscheidungsvorbereitung, Monitoring während der Laufzeit – nennt Deloitte als typische Einstiegsfelder für KI-Agenten im Kredit. Es sind die Aufgaben, bei denen Menschen am meisten Zeit verlieren und am wenigsten kreatives Urteilsvermögen brauchen. Ein Agent, der erkennt, dass eine Bilanz aus dem Vorjahr fehlt, muss nicht klug sein. Er muss nur zuverlässig sein.

Für Mittelstandsunternehmen bedeutet das in der Praxis: weniger Pingpong per E-Mail, weniger „bitte senden Sie uns noch“. Rückfragen werden gebündelt statt scheibchenweise gestellt, weil ein System den gesamten Datensatz auf einmal durchleuchtet, statt Dokument für Dokument abzuarbeiten. Das ist banal. Und genau deshalb funktioniert es. Wer bereits in anderen Bereichen wie dem Mahnwesen auf Softwarelösungen für Unternehmen setzt, kennt diesen Effekt: Standardisierte Prozesse laufen schneller, wenn sie nicht bei jedem Schritt menschliches Urteil erfordern.

Mythos Nummer eins: Die Maschine entscheidet

Nein.

Genau das ist der Punkt, an dem Aufklärung nötig ist. Die PwC-Studie „KI im Finanzsektor 2025″ nennt Kreditvergabeprozesse und Kreditwürdigkeitsprüfung zwar explizit als zentrale KI-Einsatzfelder zur Risikoreduktion – aber als Prozessoptimierung, nicht als Entscheidungsersatz. Die PwC-Studie zum Finanzsektor beschreibt das Bild einer Bank, die KI in ihren Kernprozessen nutzt, um Anträge schneller zu bearbeiten, nicht um Entscheidungen zu delegieren.

Auch der Verband öffentlicher Banken zählt automatisierte Kreditvergabe, Bonitätsprüfung und Risikomanagement zu den relevanten Feldern, ordnet sie aber in den Rahmen der EU-KI-Verordnung ein. Kredit-Scoring gilt dort je nach Ausgestaltung als Hochrisiko-Anwendung. Wer glaubt, eine Bank könne sich aus regulatorischer Sicht einfach eine Maschine über Kreditentscheidungen setzen, hat die Aufsicht nicht kennengelernt.

Die harte Wahrheit: Vollautomatisierte Kreditentscheidungen wären für eine Bank ein regulatorisches Himmelfahrtskommando. Zu hohes Risiko, zu wenig Nachvollziehbarkeit, zu viel Angriffsfläche für Aufsichtsbehörden. Deshalb bleibt der Mensch am Ende der Kette. Nicht aus Sentimentalität. Aus Notwendigkeit.

Wer wirklich entscheidet

Der Kreditentscheider bekommt ein fertiges Dossier, geprüft, validiert, mit einem ersten Rating versehen. Er trifft die Entscheidung – schneller, weil die Vorarbeit erledigt ist, aber nicht automatisierter im Sinne von „ohne menschliche Beteiligung“. Genau diese Rollenverteilung ist es, die auch bei anderen Instituten im deutschen Bankensektor zu beobachten ist, etwa wenn Deutsche Bank oder Commerzbank ihre eigenen KI-Agenten-Projekte vorstellen: Assistenz für Berater, keine Ersetzung von Kreditentscheidern.

Mittelstandsfinanzierung: Wo die Zeitersparnis wirklich entsteht

Warum ausgerechnet der Mittelstand? Weil Mittelstandskredite besonders dokumentenintensiv sind. Bilanzen, Planungsrechnungen, Sicherheitenverzeichnisse, oft mehrere Gesellschaften in einer Unternehmensgruppe – da braucht klassische Bearbeitung viel Zeit, bevor überhaupt ein Berater inhaltlich urteilen kann.

Genau hier setzt Kreditprozess-Automatisierung an: Sie verkürzt nicht die Entscheidung, sie verkürzt die Vorlaufzeit bis zur Entscheidung. Für ein Unternehmen, das eine Investition finanzieren will, ist das kein Detail. Wochen können zu Tagen werden, wenn Dokumentenprüfung und erste Ratingerstellung parallel statt sequenziell laufen.

Ich halte das für einen der wenigen KI-Anwendungsfälle im Banking, bei denen der Nutzen tatsächlich beim Kunden ankommt, nicht nur bei der Kostenstruktur der Bank. Das ist selten genug, um es positiv zu erwähnen. Gerade weil Banken aktuell massiv unter Margendruck stehen, suchen viele Institute nach Wegen, mit KI dem Kostendruck zu begegnen, ohne dabei die Servicequalität für Firmenkunden zu opfern.

Trotzdem: Schnellere Vorprüfung bedeutet nicht automatisch bessere Konditionen oder höhere Bewilligungsquote. Ein Agent, der Unterlagen sauber aufbereitet, ändert nichts an der eigentlichen Bonität eines Unternehmens. Wer schlecht aufgestellt ist, bleibt schlecht aufgestellt – nur eben schneller diagnostiziert.

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Compliance ist keine Kür, sondern Pflicht

Ein KI-Agent, der Finanzdaten verarbeitet und Ratings vorbereitet, bewegt sich in einem regulatorisch dichten Umfeld. Die BaFin verlangt für KI-Systeme im Risikomanagement klare Governance-Strukturen: Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, Kontrollmechanismen, dokumentierte Verantwortlichkeiten. Wer das nicht mitdenkt, baut kein KI-Projekt, sondern ein Aufsichtsrisiko.

Die EU-KI-Verordnung verschärft das zusätzlich. Sie setzt einen risikobasierten Rahmen: Hochrisiko-Anwendungen wie bestimmte Formen des Kredit-Scorings werden reguliert, manche Praktiken sind schlicht verboten, Systeme mit geringerem Risiko brauchen zumindest Transparenzpflichten. Die Einordnung des Verbands öffentlicher Banken zur KI-Regulierung macht deutlich, wie eng dieser Korridor für Banken tatsächlich ist.

Das ist auch der Grund, warum „automatisierte Vorprüfung“ in Bankprojekten fast immer mit dem Wort „dokumentiert“ zusammen auftaucht. Dokumentierte Compliance ist keine Marketingfloskel, sondern die Bedingung, unter der ein solches System überhaupt produktiv gehen darf. Jeder Schritt, den ein Agent macht, muss im Nachhinein erklärbar sein – wem er welche Daten warum vorgelegt hat, welche Auffälligkeit er markiert hat und weshalb. Wer sich mit den aktuellen Anforderungen der Aufsicht beschäftigt, findet in der BaFin-Orientierungshilfe zum Risikomanagement im Bankensektor konkrete Anhaltspunkte, wie Institute diese Dokumentationspflichten in der Praxis umsetzen können.

Der Genossenschaftssektor tickt anders

Volksbanken und Raiffeisenbanken sind keine Konzernbank mit zentraler IT-Abteilung, die einfach ein System ausrollt. Sie sind ein Verbund selbstständiger Institute, die auf eine gemeinsame IT-Infrastruktur zurückgreifen. Der zentrale IT-Dienstleister der Genossenschaftlichen FinanzGruppe, Atruvia, beschreibt in diesem Zusammenhang „KI-Assistenten“ als vorkonfigurierte Systeme mit definierter Rolle und festem Wissen – im Unterschied zu einfachem Prompting, bei dem jede Sitzung von null beginnt.

Diese Differenzierung ist wichtig, weil sie erklärt, warum genossenschaftliche Institute beim Thema KI-Agenten oft vorsichtiger kommunizieren als große Privatbanken. Ein Verbundmodell bedeutet: Was eine Bank pilotiert, muss theoretisch für Hunderte ähnliche, aber eigenständige Institute skalierbar sein. Das bremst Tempo, erhöht aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rollout, wenn er kommt, wirklich durchdacht ist und nicht nur eine Pressemitteilung wert.

Schluss damit, alles, was aus dem genossenschaftlichen Sektor kommt, als „langsam“ abzutun. Vorsicht bei sensiblen Finanzdaten ist kein Standortnachteil. Es ist der Preis für Vertrauen, das eine Regionalbank sich über Jahrzehnte aufgebaut hat.

Die technische Integration: Warum das Betriebssystem entscheidet

Was in Pressemeldungen oft untergeht, ist die schmutzige Realität der IT-Integration. Ein KI-Agent, der Bilanzen lesen und strukturieren soll, muss an bestehende Kernbanksysteme angedockt werden – und die sind in vielen Instituten alles andere als modern. Legacy-Systeme, gewachsene Datenbankstrukturen, proprietäre Schnittstellen: Wer schon einmal versucht hat, eine neue Software in eine 20 Jahre alte Bank-IT zu integrieren, ahnt, warum KI-Projekte im Finanzsektor oft länger brauchen als in anderen Branchen.

Die technische Architektur solcher Agenten folgt meist einem ähnlichen Muster: Eine Dokumentenaufnahme-Schicht extrahiert Daten aus PDFs, Scans und strukturierten Dateien. Eine Validierungsschicht prüft Plausibilität und Vollständigkeit gegen definierte Regeln. Eine Orchestrierungsschicht koordiniert die nächsten Schritte – ob automatisierte Rückfrage an den Kunden oder Weiterleitung an den Sachbearbeiter. Jede dieser Schichten muss für sich genommen auditierbar sein, und das Zusammenspiel muss unter Last stabil bleiben.

Hier liegt auch der Grund, warum Pilotprojekte oft mit überschaubaren Fallzahlen starten. Ein KI-Agent, der bei 50 Kreditanträgen im Testbetrieb zuverlässig funktioniert, muss bei 5.000 Anträgen im Produktivbetrieb nicht dieselbe Performance zeigen. Skalierung ist im Banking kein rein technisches Problem – sie ist ein Compliance-Problem, weil jeder einzelne Vorgang dokumentiert und nachvollziehbar bleiben muss.

Auswirkungen auf Bankmitarbeiter: Weiterbildung statt Entlassung

Die Angst vor Jobverlust durch KI ist im Bankensektor allgegenwärtig, aber im konkreten Fall der Kreditvorprüfung weitgehend unbegründet. Was sich ändert, ist das Aufgabenprofil. Kreditsachbearbeiter, die heute einen Großteil ihrer Zeit mit Dokumentensichtung und Datenzusammenstellung verbringen, werden diese Zeit künftig für inhaltliche Prüfung und Kundenberatung nutzen können – oder müssen.

Das bedeutet: Die Anforderungen an die qualitative Urteilsfähigkeit steigen, während repetitive Aufgaben wegfallen. Ein Sachbearbeiter, der gelernt hat, Bilanzen manuell zu lesen und Auffälligkeiten zu erkennen, muss diese Kompetenz nicht verlernen – aber er muss lernen, mit einem System zu arbeiten, das ihm vorbereitete Dossiers liefert. Die Kunst liegt darin, die Vorarbeit des KI-Agenten kritisch zu prüfen, statt sie blind zu übernehmen.

Banken, die diesen Wandel ernst nehmen, investieren in Weiterbildung. Nicht in Prompt-Engineering-Kurse für Kreditentscheider, sondern in Schulungen zu datengestützter Urteilsbildung, zu Grenzen automatisierter Systeme und zum Umgang mit KI-generierten Empfehlungen. Das ist weniger sexy als „Wir ersetzen Menschen durch KI“, aber es ist die realistische Perspektive für die nächsten Jahre.

Die Grenzen: Was öffentlich noch nicht belegt ist

Hier kommt die unangenehme Wahrheit für alle, die auf einen fertigen, konzernweiten Rollout gewartet haben: Ein flächendeckender, produktiver Einsatz von KI-Agenten mit voll dokumentierten Details zu Vorprüfung und Dossier-Weiterleitung im Mittelstandskreditprozess ist bislang nicht in belastbarer Detailtiefe öffentlich dokumentiert. Was existiert, sind konzeptionelle Bausteine, Pilotansätze und Plattform-Initiativen einzelner Institute und ihrer IT-Partner.

Das heißt nicht, dass an dem Thema nicht gearbeitet wird. Es heißt, dass zwischen Pilotprojekt und flächendeckendem Standardprozess in einer föderalen Bankengruppe oft mehr Zeit liegt, als eine Pressemeldung suggeriert. Wer als Unternehmerin oder Unternehmer jetzt erwartet, dass die nächste Kreditanfrage komplett KI-gestützt in zwei Tagen durchläuft, wird enttäuscht.

Meine persönliche Einschätzung: Genau diese Lücke zwischen Ankündigung und Alltagspraxis ist typisch für die Bankenbranche insgesamt. Viele Institute testen KI-Agenten in Sandkästen, bevor sie sie in den echten Kreditbetrieb entlassen – und das ist, anders als es klingt, kein Zeichen von Zögerlichkeit, sondern von Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kundengeldern und Aufsichtsrecht.

Was Mittelstandsunternehmen jetzt tun sollten

Wer als Firmenkunde einer Volksbank in den kommenden Monaten eine Finanzierung plant, sollte sich nicht auf Presseankündigungen verlassen, sondern konkret bei der Hausbank nachfragen: Läuft die Vorprüfung bereits digital gestützt? Welche Unterlagen werden in welcher Form erwartet? Wer klare, digitalisierte Buchhaltungsdaten liefert, profitiert von automatisierter Vorprüfung fast immer stärker als jemand mit Zettelwirtschaft.

Konkrete Schritte, die sich lohnen:

  • Jahresabschlüsse und Planungsrechnungen frühzeitig in digitaler, strukturierter Form bereithalten, nicht erst auf Anforderung scannen.
  • Bei der Bank aktiv nachfragen, ob und wie KI-gestützte Vorprüfung im eigenen Fall zum Einsatz kommt, statt es einfach zu vermuten.
  • Interne Prozesse für Rückfragen der Bank klar zuordnen, damit ein Dossier nicht an internen Zuständigkeiten scheitert.
  • Datenschutz- und Compliance-Fragen zur Datenverarbeitung offen ansprechen, gerade bei sensiblen Bilanzdaten.

Diese Punkte klingen unspektakulär. Sind sie auch. Aber genau daran entscheidet sich, ob Kreditprozess-Automatisierung im eigenen Fall Zeit spart oder nur eine zusätzliche Fehlerquelle einbaut.

Was bleibt?

Was bleibt von der Meldung, Volksbanken würden KI-Agenten im Kreditprozess einsetzen? Ein realistischer Kern: Dokumentenprüfung und Vorprüfung werden schrittweise automatisiert, die eigentliche Kreditentscheidung bleibt Menschensache, und Compliance ist die eigentliche Baustelle hinter der schönen Technik-Story. Ob daraus in der Fläche ein spürbar schnellerer Mittelstandskredit wird oder nur ein weiteres Pilotprojekt mit guter Presse, entscheidet sich nicht an der Ankündigung, sondern am Alltag der nächsten Kreditanträge. Fragen Sie bei Ihrer Hausbank einfach mal nach, wie weit der eigene Kreditprozess wirklich schon ist – die Antwort dürfte ehrlicher sein als jede Pressemitteilung.

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