Viele Verlage nehmen die Digitalisierung nicht ernst genug

Die Zahl der Kleinverlage geht schon seit längerer Zeit kontinuierlich zurück. Diese Entwicklung könnte durch die Digitalisierung noch verschärft werden. Umso seltsamer ist es, dass die Verlage kaum eine digitale Transformation durchlaufen und die Digitalisierung nicht als Bedrohung wahrnehmen. Das könnte für sie existenzbedrohend werden. Denn nur ein professioneller und zielgerichteter Umgang mit der Digitalisierung stellt sicher, dass die Verlage auch in Zukunft wettbewerbsfähig sind.

Zahl der Kleinverlage geht schon seit Längerem zurück

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2013 gab es noch 2.019 kleine Verlage, während es 2017 nur noch 1.850 waren. Ein solcher Rückgang von 8% ist massiv und zeigt, dass das Geschäftsmodell der kleinen Verlage nur noch bedingt funktioniert. Dennoch sind sie davon überzeugt, für die Kultur in Deutschland unverzichtbar zu sein und einen wichtigen Beitrag zur literarischen Vielfalt zu leisten. Ob dies genügt, um in Zukunft relevant und überlebensfähig zu sein, ist mehr als fraglich.

Eine aktuelle Studie der Hochschule für Technik Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK-Leipzig) sieht nämlich große Defizite bei der digitalen Transformation von Verlagen. Die Studie wurde im Frühjahr 2020 durchgeführt. Von den 1700 angeschriebenen Verlagen nahmen 89 Teil. Aus der Befragung ergaben sich 61 auswertbare Ergebnisse, von denen 36 in eine Clusteranalyse übertragen werden konnten. Somit sind die einzelnen Verlage in bestimmte Cluster eingeteilt und können so gezielt analysiert werden.

Verlage sehen die Digitalisierung (fälschlicherweise) nicht als Bedrohung

In der Studie wurde untersucht, wie groß die Risiken für Verlage in den einzelnen Verlagsclustern sind. Hieraus ergab sich, dass viele Verlage stark gefährdet sind. Rund 75% empfinden die Digitalisierung allerdings nicht als Bedrohung und sehen daher keine Notwendigkeit, darauf zu reagieren. Sie konzentrieren sich auf ihre bisherigen Kernkompetenzen im Buchmarkt und richten ihre Unternehmensstrategie auf den stationären Handel aus. Das bedeutet unter anderem, dass sie weiter vorrangig gedruckte Bücher verkaufen wollen und sich auf die digitalen Möglichkeiten des Buchmarkts, wie eBooks, gar nicht einlassen.

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Die Studie verdeutlicht, dass diese Strategie langfristig zum Scheitern verurteilt ist. Wer sich nicht auf die digitalen Möglichkeiten einlässt und analysiert, wie sich hierdurch das Leseverhalten der Zielgruppe verändert, wird am Markt keinen Bestand haben. Außerdem müssen sich die Verlage immer stärker gegen andere Angebote wie Streaming-Dienste durchsetzen, was ihre Arbeit zusätzlich erschwert. Schon jetzt zeigt sich, dass kleine Verlage, die eine digitale Nische besetzt haben, große Vorteile gegenüber der Konkurrenz genießen. Wer als Verlag dauerhaft erfolgreich sein möchte, sollte sich an solchen Vorreitern orientieren.

Mit der Digitalisierung richtig umgehen

Anhand der Studie wird deutlich, dass ein Umdenken bei den kleinen Verlagen dringend erforderlich ist. Sie müssen erkennen, dass die Digitalisierung keine Modeerscheinung ist, sondern den gesamten Buchmarkt umkrempelt. Diese disruptiven Kräfte werden auch das Verlagswesen verändern und erfordern neue Konzepte von Verlagen aller Größen. Erst wenn dieses neue Bewusstsein in den Köpfen der Entscheider in den Verlagen verankert ist, können geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die einzelnen Häuser zukunftssicher zu machen.

Hierfür wäre es erforderlich, individuelle Digitalisierungsstrategien zu entwickeln, die der aktuellen Marktsituation gerecht werden. Außerdem müssten die einzelnen Verlage untereinander kooperieren und eine Wissensvermittlung über digitale Technologien und Möglichkeiten zur Durchführung einer digitalen Transformation organisieren. Die Studie lobt verschiedene Initiativen wie den deutschen Verlagspreis, einzelne Förderprogramme und das vom Bundeswirtschaftsministerium in die Wege geleitete Projekt „Digital jetzt“. Solche guten Ansätze müssten ausgebaut werden, um den Verlagen unter die Arme zu greifen und ihnen den Schritt hin zu einer digitalen Arbeitsweise zu erleichtern.

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