Wie mutig stellt sich die Kirche der digitalen Transformation?

Wenn die Kirche im dritten Jahrtausend noch von Relevanz sein möchte, muss sie sich den Menschen zuwenden und diese ins Zentrum allen Redens und Handelns stellen. Gerade die digitale Transformation bietet hierfür reichlich Gelegenheit. Die Kirche muss das Alte bewahren, ohne das Neue zu verteufeln, wenn sie sich nicht selbst überflüssig machen möchte. Aktuell diskutieren viele Kirchenvertreter darüber, wie mit der Digitalisierung und ihren Auswirkungen auf die Menschheit umzugehen ist.

Die Kirche muss klar Stellung beziehen

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Erfahrungsgemäß tut sich die Kirche mit Wandel und Veränderungen sehr schwer. Sie versteht sich als Bewahrerin der reinen Lehre Gottes, die nicht durch Modernismen beeinträchtigt oder verfälscht werden darf. Gleichzeitig sieht sie sich als allumfassende Institution, die allen Menschen das Heil bringen möchte. Das funktioniert aber nur, wenn sie sich den Menschen zuwendet und sich mit den Dingen auseinandersetzt, die diese beschäftigen. Gerade junge Menschen wollen das Neue nutzen und daran mitwirken, ohne gleichzeitig das Alte zu verleugnen oder abzulegen. Damit das möglich ist, muss sich die Kirche neuen Trends und Entwicklungen widmen und eine klare Haltung zu diesen beziehen. Das „erschaffen“ eines Segenroboters namens BlessU-2, reicht dabei nicht aus!

Genau das ist im Rahmen der digitalen Transformation möglich. Mit künstlicher Intelligenz (KI), autonomem Fahren, lernenden Algorithmen und vielem mehr hat die Kirche genug Themen, zu denen sie Stellung beziehen muss. Das bedeutet einerseits, die wirtschaftlichen Chancen und ethischen Risiken abzuwägen und eine für die Menschen sinnvolle Entscheidung zu treffen. Ist KI ein Segen für die Menschheit, der Probleme löst und Heil bringt? Oder lenkt sie die Menschen vom Wesentlichen ab und gefährdet ihr Menschsein? Es gibt genug Handlungsbedarf für die Kirche. Doch wird sie diesem gerecht?

In der Kirche sind ganz unterschiedliche Meinungen zur Digitalisierung vertreten

Wie so oft herrscht auch in der Kirche nicht DIE eine Meinung vor. Überall dort, wo verschiedene Menschen in Kontakt treten, entstehen vielfältige Meinungen und treffen teils unvereinbare Ansichten aufeinander. So sind einige Kirchenvertreter der Meinung, dass ihre Institution in Sachen Digitalisierung bereits heute als Vorreiter fungiert und aufpassen müsse, ihre eigentliche Lehre nicht zu verwässern. Andere sehen die Kirche gerade erst am Anfang eines langen Weges und raten zu einem proaktiven Umgang mit der Digitalisierung.

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Eckart Schultz-Berg, der Dekan von Bad Cannstatt, sieht die Kirche beispielsweise in der Orientierungsphase, wie er der Stuttgarter Zeitung mitteilte der Stuttgarter Zeitung mitteilte. Noch seien viele Aspekte der digitalen Transformation gar nicht bedacht und auf die Vereinbarkeit mit der Lehre Jesu hin geprüft worden. Außerdem sei es gerade mit jungen Menschen wichtig, ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Hierbei könne beispielsweise ein kirchliches Café am Hauptbahnhof dienen. Wichtig für die Kirche ist, dass sie nicht meint, alle Antworten bereits zu kennen. Fragen zu stellen, auf die Menschen zuzugehen und die eigene Art zu denken immer wieder zu hinterfragen, sind wichtige Aufgaben der nahen und fernen Zukunft.

Das Ziel muss lauten: Skepsis überwinden

Viele Kirchenvertreter stehen dieser neuen Art zu denken kritisch gegenüber. Sie können die Aussage von Professor Klaus Henning vom Institut für Unternehmenskybernetik Aachen, die KI sei eine Gabe Gottes, die er beim dritten Digitalforum der evangelischen Landeskirche äußerte, nicht ohne Weiteres unterschreiben. Auch Aussagen wie, dass die Kirche die größte Revolution seit Gutenberg verantwortlich gestalten müsse und dass das bisherige Geschäftsmodell der Kirche falsch sei, stößt vielen sauer auf. Zu stark ist das Gefühl, dass hier jemand auf Werten herumtrampelt, die der Kirche heilig sind.

Diese Skepsis zu überwinden ist jedoch eine große Aufgabe der Kirche. Vielleicht gelingt dies, indem nicht eine neue Art zu denken gesucht, sondern die bisherige Denkweise wieder stärker an Jesus und seinem Vorbild ausgerichtet wird. Die Kirche darf die Hände nicht in den Schoß legen und andere die digitale Transformation umsetzen lassen. Sie muss sich aktiv beteiligen und daran mitwirken. Das geht aber nur im Gespräch und indem man sich auf die Menschen allgemein und das Gegenüber im Speziellen einlässt. Fähigkeiten, von denen die Kirche selbst meint, dass sie gut darin sei.

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