Digitalisierung als Fremdsprache: viele Deutsche kennen zentrale Begriffe nicht

Trotz ihrer großen Bedeutung für die deutsche Wirtschaft ist die Digitalisierung noch immer nicht in der Lebenswirklichkeit der Menschen angekommen. Diese Annahme legt zumindest eine aktuelle You-Gov-Studie nahe. Diese hat untersucht, wie gut sich die Deutschen ab 18 Jahren mit Begriffen der Digitalisierung auskennen. Das erschreckende Ergebnis: Viele Begriffe sind weder bekannt noch spielen sie im (Arbeits-)Alltag eine Rolle. Die Bereitschaft der Menschen, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen muss dringend steigen. Nur dann hat die Digitalisierung eine Chance, in Deutschland zum Erfolgsprojekt zu werden.

So ging die YouGov-Studie vor

An der YouGov-Studie „Die Skepsis der Deutschen gegenüber neuen Technologien“ nahmen 2.000 Menschen teil, sodass ein repräsentatives Ergebnis für Menschen ab 18 Jahren erzielt wurde. Die Teilnehmer sollten zu 10 Begriffen aus der Welt der Digitalisierung sagen, ob sie sie kennen. Wenn ja, sollte eingeschätzt werden, welche Bedeutung dieser Begriff für ihren persönlichen Berufsalltag hat. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov führte die Befragung im Auftrag der Kommunikationsagentur Maisberger durch.

Die Begriffe, nach denen in der Untersuchung gefragt wurde, waren Augmented Reality, Big Data, Blockchain, Cloud Computing, Immersive Media, Internet of Things, Machine Vision, Semantic Web, Social Bots und Software-defined Manufacturing. Die Studienteilnehmer konnten sagen, ob sie einen Begriff noch nie gehört hatten, vom Hörensagen her kannten oder tatsächlich kannten. Die Leitfrage, unter der die Untersuchung durchgeführt wurde, lautete „Lässt sich die Skepsis gegenüber der Digitalisierung auf mangelndes Wissen zurückführen?“.

Viele Begriffe sind den Studienteilnehmern gänzlich unbekannt

Die Leitfrage der Studie beschreibt, dass es möglich wäre, dass die Deutschen Begriffe aus der Welt der Digitalisierung kennen, ihnen aber das nötige Hintergrundwissen dazu fehlt. Das Ergebnis zeigt aber: Die meisten Begriffe sind einer Vielzahl von Deutschen komplett unbekannt. So konnten im Schnitt 70% der Studienteilnehmer mit den in der Untersuchung abgefragten Begriffen zur Digitalisierung nichts anfangen. Und das, obwohl ein Großteil der deutschen Unternehmen aktiv eine digitale Transformation vorantreibt oder zumindest die Bedeutung digitaler Technologien erkannt hat.

Die Skepsis der Deutschen gegenüber neuen Technologien
Die Deutschen haben keine Ahnung von Digitalisierung / Repräsentative Maisberger-Umfrage: Ein Großteil der Bevölkerung kennt zukunftsweisende Hightech nicht einmal vom Hörensagen / Big Data, Blockchain & Co sind den Deutschen kaum bekannt. Grafik: obs/Maisberger GmbH

Am bekanntesten sind die Begriffe „Cloud Computing“ (36%) und Big Data (33%). Das bedeutet aber dennoch, dass 64% beziehungsweise 67% der Befragten diese Begriffe nicht oder nur vom Hörensagen kennen. Das ist ein Armutszeugnis angesichts der Relevanz von Cloud-Diensten für die deutschen Unternehmen. Aber auch im privaten Umfeld werden Clouds immer häufiger verwendet, um zum Beispiel Fotos abzuspeichern oder mit Freunden und Verwandten zu teilen. Angesichts solcher Entwicklungen sind die Studienergebnisse erstaunlich.

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Zu den am wenigsten bekannten Begriffen gehören „Machine Vision“ (7%), „Immersive Media“ (6%) und „Semantic Web“ (6%). Auch das ist erstaunlich, da die meisten Prozesse im Internet heutzutage ohne „Semantic Web“ nicht mehr vorstellbar wären. Hierbei wird einzelnen Begriffen eine konkrete Bedeutung zugewiesen, an der sich Algorithmen orientieren. Die Funktionsweise von Suchmaschinen wie Google & Co. wäre ohne „Semantic Web“ also nicht vorstellbar.

Digitale Begriffe spielen im Berufsalltag kaum eine Rolle

Aktuell gibt es für die meisten der Studienteilnehmer kaum oder keine Berührungspunkte mit modernen Technologien in ihrem Berufsleben. Gerade einmal 38% gaben an, die in der Studie abgefragten Begriffe bewusst zu verwenden. Für 56% spielen sie hingegen in ihrem Alltag keine Rolle. So kommt es, dass viele Begriffe vom Hörensagen bekannt sind, dass die Befragten aber nicht genau sagen können, was es damit auf sich hat.

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Diejenigen, die aktiv mit den Begriffen zu tun haben, verwenden vor allem den Begriff „Cloud Computing“ (48%) gefolgt von Immersive Media (45%) und „Semantic Web (44%). Am wenigsten Verwendung finden hingegen die Begriffe „Blockchain“ (37%) und „Social Bots“ (38%). Für die Zukunft wird mit einem steigenden Bekanntheitsgrad der einzelnen Begriffe gerechnet. Aber auch dann werden noch deutlich über 50% nichts von den einzelnen Schlagworten gehört haben.

Die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der Digitalisierung muss wachsen

Die Studie zeigt deutlich, dass kein sonderlich großes Interesse bei den Deutschen besteht, sich mit digitalen Technologien näher zu befassen. Einige Begriffe sind zwar vom Hörensagen bekannt, doch ein Großteil kennt die einzelnen Themen nicht einmal mit Namen. Zwar nimmt die Nutzung digitaler Technologien im Beruf und in der Freizeit zu, allerdings werden häufig Programme und Anwendung lediglich genutzt, ohne sich nähere Gedanken zu deren Funktionsweise zu machen. Gerade angesichts der immensen Nutzung von Smartphones im Privatalltag ist das bedenklich.

Es ist durchaus so, dass von außen kaum Impulse kommen, um diese Situation zu verändern. Wer sich in digitalen Welten aufhält, muss diese nicht verstehen, um sie nutzen zu können. Im Gegenteil sind viele Dienstleister ganz dankbar dafür, dass ihre Geschäftsmodelle und Technologien nicht verstanden werden. Und die Betriebe wollen einfach nur, dass vorhandene Technologien richtig genutzt werden und die Produktivität steigt. Ob die Mitarbeiter die verwendeten Tools begreifen oder nicht, ist hierbei nur zweitrangig, solange sie sie richtig anwenden.

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Das allein ist jedoch nicht die Ursache für die fehlenden Kenntnisse der Deutschen zur Digitalisierung. Es liegt auch in den Menschen selbst keine sonderlich große Motivation vor, sich mit den neuen Technologien zu befassen und über den (beruflichen) Tellerrand hinauszublicken. Das ist recht kurzsichtig gedacht, da die Relevanz von digitalen Technologien in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer weiter zunehmen dürfte. Wer da nur mitläuft, ohne Neugier und Anpassungsfähigkeit zu beweisen, läuft Gefahr, irgendwann gar nicht mehr mitzukommen.

Zur Pressemitteilung: https://www.presseportal.de/pm/34401/4525459

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Patrick Tarkowski
Patrick Tarkowski
Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Online Marketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.
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