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    Dating-Apps: wie Algorithmen unsere Partnersuche beeinflussen

    Die Liebe wird digital. Immer mehr verlassen wir uns bei der Partnersuche auf Algorithmen. Diese sollen uns selbst analysieren, um so Männer und Frauen ausfindig machen zu können, die zu uns passen. Zunehmend wird die Liebe berechenbar und wissenschaftlich. Ob Partnerschaften hierdurch erfolgreicher werden und länger halten, muss sich erst noch zeigen. Fakt ist aber: Immer mehr Menschen nutzen Dating-Apps, in der Hoffnung, von einem kurzen Flirt bis zur Liebe des Lebens alles zu finden, was sie sich erträumen.

    Algorithmen dringen in immer mehr Lebensbereiche vor

    Immer häufiger treffen Algorithmen Entscheidungen darüber, womit wir uns in unserem Leben beschäftigen. Welche Filme sehen wir bei Netflix? Welche Nachrichten werden uns in den sozialen Netzwerken präsentiert? Welche Werbebotschaften bekommen wir angezeigt? Bei der Beantwortung all dieser Fragen spielen Algorithmen eine Rolle. Diese analysieren unser Nutzerverhalten und leiten davon Themen und Inhalte ab, die uns interessieren könnten.

    Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis sich die Algorithmen des urmenschlichsten aller Themen bemächtigten: der Liebe. Heutzutage vertrauen zahlreiche Menschen darauf, dass KI und Algorithmen ihnen bei der Partnersuche helfen. Sie füllen auf Partnerbörsen Masken aus, die nach vielen und teils intimen Dingen Fragen. Die Hoffnung: Ausgehend von diesen Daten lassen sich Partnerinnen und Partner finden, die perfekt zu einem passen.

    Diese Hoffnung basiert auf einem eigentümlichen Verständnis von Liebe. Die Nutzerinnen und Nutzer gehen davon aus, dass die Liebe ein mathematisch-chemischer Prozess ist, der sich exakt bestimmen, analysieren und beeinflussen lässt. Wenn nur die perfekte Mischung aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden gefunden wird, steht einer glücklichen Partnerschaft nichts mehr im Weg. Um die Masken ausfüllen und die Profile potenzieller Partnerinnen und Partner durchzusehen, setzen die Suchenden häufig Dating-Apps ein.

    Partnerbörsen haben einen regen Zulauf

    Dass Dating-Apps bei den Nutzerinnen und Nutzern einen Nerv treffen, zeigt sich an dem regen Zulauf, den Partnerbörsen zu verzeichnen haben. Der Branchenprimus Parship verzeichnet beispielsweise jährlich einen Zuwachs von 1,8 Millionen neuen Mitgliedern und macht bereits heute einen Umsatz von rund 143 Millionen Euro, führt Catrin Bialek in ihrem Beitrag auf handelsbaltt.com an. Bei Gründung des Unternehmens stand noch der Laptop als vorrangig genutztes Medium im Mittelpunkt. Heutzutage steuern die meisten Nutzerinnen und Nutzer die Plattform mit dem Smartphone an. Entsprechend groß ist der Bedarf an professionellen Dating-Apps.

    Die verschiedenen Partnerbörsen haben jeweils andere Schwerpunkte. Einige versprechen Hilfe bei der Suche nach dem Partner fürs Lebens, andere vermitteln eher Dates und unverbindliche Treffen. Wieder andere fokussieren sich auf rein sexuelle Kontakte und vermitteln somit One-Night-Stands. Die verschiedenen Dating-Apps werden diesen unterschiedlichen Ansätzen gerecht und bieten jeweils andere Funktionen und Möglichkeiten.

    Dating-Apps machen die Partnersuche besonders bequem

    Ein Grund für die wachsende Popularität von Dating-Apps ist deren einfache Handhabung. Es braucht nur eine kurze Eingewöhnungszeit und schon können die Profile potenzieller Partnerinnen und Partner durchstöbert werden. Das ist unterwegs und zu Hause gleichermaßen möglich und wird nahezu überall rege genutzt. Den Menschen ist es längst nicht mehr peinlich, dass sie sich über Partnerbörsen im Internet kennengelernt haben. Zu populär sind diese Plattformen und zu angenehm sind die Vorteile, die eine Beziehung mit einem passenden Partner oder einer Partnerin mit sich bringt.

    Man geht mittlerweile davon aus, dass es heutzutage bereits rund 120.000 Parship-Babys gibt, also Kinder, deren Eltern sich bei Parship kennengelernt haben. Viele von diesen sind dankbar für das Familienglück, das sie durch die Partnerbörse erfahren haben, und teilen Fotos von ihrer Hochzeit oder den Kindern mit dem Büro des Unternehmens.

    Kritik am Einfluss von Algorithmen

    Algorithmen haben zweifellos ihre Vorteile, wenn wir uns in der digitalen Welt bewegen. Sie filtern Suchen nach Kriterien, die bestmöglich auf uns und unsere Wünsche und Haltungen zugeschnitten sind. Das erspart uns eine Menge Arbeit, da wir uns nicht mit uninteressanten Themen auseinandersetzen müssen. Diese Vorsortierung birgt jedoch Gefahren. So kann es durch Algorithmen schnell passieren, dass wir uns nur in unserer eigenen kleinen Blase aufhalten. Wir lesen nur Artikel, die unsere Meinung bestätigen, und unterhalten uns nur mit Menschen, die genauso denken wie wir. Das ist angenehm, fördert aber die eigene Entwicklung nicht. Diese geht gerade in der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden vonstatten. Auf diese Weise wird eine Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben, durch die sich jeder nur noch in seinen eigenen Kreisen bewegt.

    Zudem ist es fraglich, ob die Liebe tatsächlich ein mathematisches Phänomen ist, das sich berechnen und analysieren lässt. Sind unsere Gefühle für einen Menschen wirklich vorrangig die Summe unserer gemeinsamen Interessen und der Unterschiede, die uns neue Horizonte eröffnen? Oder geht es nicht ebenso sehr darum, dass man gemeinsame Erlebnisse teilt und einen vergleichbaren Lebensrhythmus hat? Spielen chemische Prozesse und körperliche Anziehung nicht ebenso eine große Rolle? Algorithmen können zu diesen Themen wenig sagen.

    Es ist durchaus möglich, dass ich vor allem mit Menschen glücklich bin, die anders sind als ich selbst. Vielleicht ist es gerade die große Andersartigkeit, die eine Beziehung erst so richtig glücklich macht. Auch Dating-Apps bringen die Gefahr mit sich, dass man sich durch sie nur noch in einem bestimmten Personenkreis aufhält. Ich lerne ausschließlich Menschen kennen, von denen die KI meint, dass sie zu mir passen. Offensichtlich ist dieses Rezept für viele erfolgversprechend und tatsächlich haben sich zahlreiche Paare über Dating-Apps kennengelernt. In vielen Fällen ist es aber vermutlich auch so, dass große Lieben nicht zustande kommen, weil eine Person bei einem Algorithmus durch das Raster gefallen ist. Der Umgang mit Dating-Apps sollte daher realistisch sein. Sie können viel, haben aber auch ihre Grenzen.

    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Online Marketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.
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