Brandbuilding bei Amazon – eigene Marke: ja, eigener Onlineshop: nein

Am Beispiel von „The friendly Swede“ lässt sich zeigen, wie erfolgreiches Brandbuilding bei Amazon funktioniert. Es geht darum, ein individuelles Kundenerlebnis zu schaffen und ein hochwertiges Produkt anzubieten, das sich von der Konkurrenz abhebt. Hierfür kann es sinnvoll sein, eine enge Partnerschaft mit dem Onlineriesen einzugehen und gewisse Abhängigkeiten in Kauf zu nehmen.

Erst Fuß fassen, dann spezialisieren

John Lundquist, der Gründer von „The friendly Swede“ hat zunächst alle Produkte, die er finden konnte, eingekauft und bei Amazon weiterverkauft. So sammelte er Erfahrungen auf dem Onlinemarktplatz, machte sich einen Namen und lernte, was funktioniert und was nicht.

Später folgte eine Spezialisierung auf Sport- und Outdoorprodukte, die auf der Website des Unternehmens direkt mit Amazon verlinkt sind. Alle verfügbaren Produkte werden von „The friendly Swede“ selbst entwickelt, nach Kundenwünschen designt und bei Amazon verkauft. Die drei Standbeine des Unternehmens sind die sozialen Medien, auf denen Kundennähe gesucht wird, die eigene Website, die über Produkte informiert und Tutorials für Survivalkits, Angelsets und Fahrradlampen bietet und Amazon, wo der eigentliche Verkauf stattfindet. Mit diesem Konzept erreicht das Unternehmen mittlerweile einen Jahresumsatz von 8 Millionen Euro.

Drei Schritte zum erfolgreichen Brandbuilding bei Amazon

Mit diesen drei Schritten hat es „The friendly Swede“ geschafft, erfolgreiches Brandbuilding zu betreiben, ohne einen eigenen Onlineshop zu führen:

  1. Professioneller als die Konkurrenz sein

Das Unternehmen setzt nicht darauf, die Welt der Sport- und Outdoorartikel zu revolutionieren. Stattdessen werden vorhandene Artikel so verbessert und erweitert, dass sie der Konkurrenz überlegen sind und individuelle Kundenwünsche erfüllen. Zu diesem Zweck wird jede Kundenrezension gelesen, beantwortet und ernst genommen. Die Produkte werden so angepasst, dass sie zum Beispiel einer bestimmten Anforderung gerecht werden, die ein Kunde in seiner Amazonbewertung artikuliert hat. Doch auch Markt- und Produktforschung sind wichtige Werkzeuge, um zu ermitteln, welches Verbesserungspotential in einem bestimmten Produkt steckt.

  1. Fokus auf das Kundenerlebnis

Wie der Unternehmensname schon andeutet, geht es bei „The friendly Swede“ insbesondere um einen persönlichen und erstklassigen Kundenservice. So wird jeder Kunde nach einem Kauf via Amazon angeschrieben und gefragt, ob mit dem Produkt, dem Versand und dem Service alles in Ordnung war. Zudem werden einige Tipps für den Einsatz des jeweiligen Artikels angeboten. Um das in der jeweiligen Landessprache tun zu können, setzt das Unternehmen auf ein internationales Team.

  1. Mit der Verpackung eine Werbebotschaft vermitteln

Amazon bietet nur eingeschränkte Möglichkeiten, sich als Marke zu präsentieren und sich optisch von der Konkurrenz abzuheben. Das liegt unter anderem an fest vorgeschriebenen Bildformaten und Regeln beim Produktlisting. Deswegen setzt das Unternehmen auf eine individuelle, professionell designte Verpackung, um als Marke präsent zu sein. Jeder Lieferung wird ein kleines Goodie beigelegt, das bei den Kunden sehr gut ankommt. Deutlich wird aber auch, dass wiederkehrende Kunden gerade einmal 15% des Gesamtumsatzes von „The friendly Swede“ ausmachen. Der Fokus liegt daher immer auf dem aktuellen Kunden und das Ziel ist stets eine positive Kundenbewertung.

Ist es gut, sich von Amazon abhängig zu machen?

Wenn sich ein Unternehmen komplett auf Amazon verlässt und auf einen eigenen Onlineshop verzichtet, bringt das natürlich gewisse Abhängigkeiten mit sich. So werden zum Beispiel Abgaben fällig und es gibt quasi keine Möglichkeiten, Werbemittel zu platzieren und das eigene Unternehmen als Marke zu präsentieren. Solche Abhängigkeiten sind in der Geschäftswelt allerdings üblich und werden für viele von den Vorteilen einer solchen Strategie überwogen.

So finden Onlinehändler auf dem Marktplatz ein bekanntes, erprobtes und beliebtes Verkaufsumfeld vor und müssen sich nicht um technische Fragen und die Suchmaschinenoptimierung kümmern. Außerdem ist Amazon in sehr vielen Ländern der Welt vertreten, sodass von Beginn an die Internationalisierung Teil des Unternehmenskonzepts sein kann. Hinzu kommt, dass weitere Aktivitäten auf anderen Marktplätzen mit einem deutlichen Mehraufwand bei der Planung verbunden wäre. So müsste ein eigenes eBay-Team aufgebaut werden, das den Verkauf auf dieser Plattform voranbringt, ohne Kräfte und Energien aus dem Amazon-Projekt zu ziehen.

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Patrick Tarkowski
Patrick Tarkowski
Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Online Marketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.
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