Softwaremonetarisierung & SaaS – Haben On-Premise-Lösungen ausgedient?

Ein Gastbeitrag von Nicole Segerer, VP of Product Management & Marketing bei Revenera

Cloud und Saas gehören zur digitalen Transformation wie die Butter aufs Brot. On-Premise Lösungen, die auf einen Rechner installiert und nur von dort aus genutzt werden können, wirken da fast schon wie aus einer anderen Epoche. Doch hat On-Premise Software als Geschäftsmodell tatsächlich ausgedient?

Wer als Softwareanbieter wettbewerbsfähig bleiben will, muss nicht nur innovative Lösungen haben, sondern diese auch auf eine Art bereitstellen, die für Kunden attraktiv ist. Das hat die Corona-Pandemie im letzten Jahr deutlich gezeigt. Technologieunternehmen reagierten hier schnell und passten Services, Preise und Zahlungskonditionen den neuen Arbeitsbedingungen rund um Home-Office und Remote Workspace an. Der Trend zu cloudbasierten Anwendungen ist seitdem ungebrochen. In einer Umfrage zur Softwaremonetarisierung erklärten 67% der befragten Produktverantwortlichen, dass SaaS in den nächsten eineinhalb Jahren weiter zulegen wird.

Steht On-Premise damit tatsächlich vor dem Aus? Definitiv nicht. Es gibt Kategorien von Software, für die das On-Premise-Modell schlichtweg die bessere Wahl ist. Dazu gehören beispielweise Lösungen im High-Performance-Computing. Zudem gibt es noch immer viele Anwendungen und Systeme, die offline laufen sollen bzw. müssen, z. B. in Industrieanlagen und Fabriken. Auch wenn es gilt, hohe Datenschutzanforderungen und Sicherheitsauflagen zu erfüllen, sind viele Daten und Prozesse besser im eignen Haus aufgehoben statt in extern gehosteten Servern.

Wirft man einen Blick auf das Portfolio von Software-Anbietern zeigt sich, dass das Angebot an On-Premise-Lösungen nach wie vor groß ist. Tatsächlich scheint die Mehrheit der Anbieter in Zukunft eine Vielzahl von Bereitstellungsmodellen, einschließlich SaaS (34%), On-Premise (48%) und Embedded (32%)  zu nutzen. Dieser Mix hat seine Berechtigung und spiegelt letztendlich nur die Nachfrage auf Kundenseite wider.

Hybrid vs. SaaS vs. On-Premise

Hybrid-Ansatz für mehr Flexibilität

On-Premise Software wird also vorerst nicht von der IT-Bildfläche verschwinden. Um die Anforderungen der Kunden nach mehr Flexibilität dennoch zu erfüllen, setzen Anbieter auf sogenannte Hybrid-Ansätze. Dabei kombinieren sie neuere Monetarisierungsmodelle („Wie werden die Kosten abgerechnet?“) mit etablierten Bereitstellungsmodellen („Wo läuft die Anwendung?“). In der Praxis laufen die On-Premise-Anwendungen dann zum Beispiel auf lokalen Rechnern, werden jedoch als Abo verrechnet.

Ein gutes Beispiel für einen solchen Hybrid-Ansatz ist Adobe Creative Cloud. Das Abo-Modell von Adobe umfasst mehr als 20 mobile und Desktop-Anwendungen aus dem Bereich Fotobearbeitung, Videobearbeitung, Grafikdesign und Webentwicklung. Trotz des „Cloud” im Namen, werden die Lösungen in den meisten Fällen noch lokal auf den Rechnern installiert. Lediglich das Lizenz- und Berechtigungsmanagement wandert in die Cloud. Mit diesem Ansatz kann Adobe neue Features schnell und einfach bereitzustellen und dabei ein nutzungszentrierte Preisgestaltung umzusetzen. Die hohe Flexibilität kommt auch den Kunden zugute: Ein Grafikdesigner beispielsweise kann die Suite im vollem Umfang für unter 1.000 Euro pro Jahr nutzen. Fürs Bearbeiten von Urlaubsfotos hingegen reicht dem Hobby-Fotografen die Photoshop-App für rund 20 € pro Monat. Für Schüler, Studierende, Azubis, Lehrkräfte und Dozenten gibt es wieder andere Angebote und Rabatte.

SaaS vs. On-Premise

Für Produktverantwortliche ist die Frage also weniger, ob On-Premise bleibt, sondern wann und für welche Anwendungen welche Bereitstellung Sinn ergibt. Obwohl SaaS klar im Trend liegt, gibt es von Branche zu Branche durchaus Unterschiede. Viel hängt vom Einsatzgebiet der Software ab, den entsprechenden spezifischen Anforderung und Industrie-Standards. Generell punktet SaaS überall dort, wo eine standortübergreifende Zusammenarbeit nötig ist. Büroanwendungen wie Microsoft Office 365 sind hier das wohl beste Beispiel.

In anderen Bereichen ist die Abkehr von On-Premise weniger einfach zu bewältigen. Bestimmte Anwendungen laufen lokal einfach besser. Computer Aided Design und Engineering Software zum Beispiel benötigt in der Regel höhere Rechenleistung als die von Latenzen beeinträchtigte SaaS-Umgebung bieten kann. Auch Embedded Software in smarten Geräten zählt zu dieser Kategorie: In sicherheitskritischen Umgebungen, zum Beispiel im Gesundheitswesen, sind diese Systeme meist offline und nicht mit Cloud oder Internet verbunden.

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Auswirkungen auf das Unternehmensgeschäft

Bevor Software-Anbieter ihr Geschäftsmodell an die digitale Transformation anpassen, sollten sie einige grundsätzliche Aspekte berücksichtigen. Neben der Frage, welche Lösungen zukünftig als SaaS oder als Hybrid-Lösung angeboten werden sollen, gilt es auch unternehmensinterne Prozesse anzupassen. SaaS wird in erster Linie als Abo-Modell vertrieben, d.h. Anwender zahlen (monatlich oder auf Jahresbasis) die Nutzung ihrer Geräte sowie weiterer Services einschließlich Wartung und Support. Das kann zu höheren Betriebskosten beim Software-Anbieter führen. In manchen Fällen kommt es sogar zu einem kurzfristigen Einbruch der Umsätze. Unterm Strich jedoch freut sich die Finanzabteilung über die wiederkehrenden Umsätze des Abos, da sie so in der Lage ist besser und langfristiger zu planen.

Mit SaaS und Abo-Modell rückt zudem die Kundenzufriedenheit und der Kundensupport stärker denn je in den Vordergrund. Um neue Umsatzströme zu generieren, gilt es kontinuierlich das Servicelevel zu verbessern, Features an die Bedürfnisse von Anwendern anzupassen und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis zu schaffen. Pay-per-Use (PPU) Modelle, bei denen nur die tatsächliche Nutzung einer Software bezahlt werden muss, spornen Hersteller und Dienstleister zusätzlich an, Kunden einen echten Mehrwert zu bieten. Denn schließlich ist das Produkt nur dann profitabel, wenn es beim Anwender auch oft und lange zum Einsatz kommt.

Einblick in die Nutzungsdaten

Eine Schlüsselrolle nimmt in diesem Zusammenhang Software Usage Analytics (Produktnutzungsanalyse). Damit ist die Fähigkeit gemeint, die Nutzung eines Softwareprodukts zu erfassen, zu aggregieren und zu analysieren. Welche Features werden am häufigsten genutzt? Wie bewegt sich ein User innerhalb einer Anwendung? Welche Aufgaben werden mit der Software erledigt? Wie gut wird eine neue Funktion angenommen? Und auf welcher Plattform läuft die Anwendung?

Die Nutzungsdaten zeigen, worin der Mehrwert bzw. Geschäftswert eines Produkts tatsächlich liegt. Sie hilft Produktmanagern ihre Roadmap strategisch auszurichten, Monetarisierungs- und Bereitstellungsmodelle an die Bedürfnisse einzelner Anwender sowie spezifischer Nutzergruppen anzupassen, Metriken für nutzungsbasierte Modelle zu bestimmen und Upsell- und Cross-Sell-Möglichkeiten auszuloten.

Auch bei der Entscheidung zwischen SaaS, On-Premise oder Hybrid ist die umfassende Usage Intelligence für Software-Anbieter unentbehrlich. So verrät der Blick auf die Nutzungsdaten von bestehenden On-Premise-Lösungen Daten bereits viel über die Erfolgsaussichten einer entsprechenden Cloud-Alternative. Ein weitere Grund, warum On-Premise noch lange nicht am Ende ist.

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