Krisenbewältigung in der Onlinewelt – die Telefonseelsorge arbeitet digital

In Zeiten des digitalen Wandels verändern sich nahezu alle Lebensbereiche. Das betrifft selbstverständlich auch die Beziehungsebene. Menschen lernen einander online kennen, nutzen digitale Medien bei der Beziehungspflege und trennen sich häufig genug über das Internet. Neuerdings besteht zudem die Möglichkeit, sich digitale Hilfe bei Beziehungsproblemen und Lebenskrisen zu holen. Denn die österreichische Telefonseelsorge bietet längst mehr als Beratungen am Telefon.

Beziehungsthemen und Einsamkeit kommen besonders oft zur Sprache

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Evolutionsbiologisch ist der Mensch ein soziales Wesen. Es war schon immer leichter, in der Gruppe auf Nahrungssuche zu gehen, Feinde abzuwehren und sich vor den Naturgewalten zu schützen. Diese Ursehnsucht nach Gruppenzugehörigkeit und Partnerschaft wohnt auch den modernen Menschen noch inne. Deswegen stellt es für die meisten eine echte Sinn- und Lebenskrise dar, wenn eine Beziehung scheitert oder durch den Tod des Partners oder der Partnerin abrupt beendet wird.

Bei der Telefonseelsorge geht es deswegen sehr häufig um Beziehungsfragen. Die Menschen wollen verstehen, warum sie verlassen wurden, warum jemand sterben musste oder warum die aktuelle Beziehung einfach nicht mehr so schön ist, wie sie einmal war. Sie haben das Gefühl, mit der Situation nur dann umgehen zu können, wenn sie sie verstehen und ihr einen Sinn abgewinnen können. Gerade im Gespräch mit Suizidgefährdeten ist es daher wichtig, ein hohes Einfühlungsvermögen zu zeigen und bei genau dieser Sinnsuche eine Hilfe zu sein.

Die Hemmschwelle in der digitalen Welt ist geringer

Wie dioezese-linz.at berichtet, hat die österreichische Telefonseelsorge mittlerweile verschiedene digitale Kanäle im Programm, über die sich Hilfesuchende an erfahrene Beraterinnen und Berater mit hoher Empathie wenden können. Beispielsweise gibt es eine Chatfunktion und auch eine Beratung per e-mail ist mittlerweile möglich. Diese Angebote werden von vielen Menschen gerne genutzt. Denn gerade ängstliche Menschen, deren Selbstwertgefühl durch das Ende einer Beziehung angeknackst ist, haben eine hohe Hemmschwelle, sich direkt an einen Menschen zu wenden, um sich Hilfe zu holen. Die digitalen Medien schaffen eine Art Distanz, die es den Betroffenen erlaubt, sich erst einmal mit den Beraterinnen und Beratern bekannt zu machen, ohne gleich zu viel von sich preisgeben zu müssen.

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Erfahrungsgemäß nutzen suizidale Menschen verstärkt die digitalen Kanäle der Telefonseelsorge, auf der Suche nach Hilfe. Ihre Angst vor den eigenen Gedanken und vor der bedrohlichen Möglichkeit, die ein Selbstmord darstellt, hindert sie oft daran, sich einem direkten Gespräch mit einem Menschen zu stellen. Über die digitalen Medien fällt es ihnen aber leichter, über ihre Selbstmordgedanken zu sprechen und ehrlich mit den eigenen Empfindungen umzugehen. Dieses Konzept scheint erfolgreich zu sein. Denn die Selbstmordraten gehen dankenswerterweise in den letzten Jahren zurück.

Die digitalen Angebote genau prüfen

Die Telefonseelsorge sieht sich nicht als alleinige Heilsbringerin bei Lebenskrisen und der Suche nach Sinn. Ihr ist durchaus bewusst, dass es noch andere hilfreiche Anlaufstellen gibt, wenn Menschen nach einem Gespräch, nach Nähe oder nach Unterstützung suchen. Sie empfiehlt aber ausdrücklich, die vielfältigen Angebote in der digitalen Welt genau zu prüfen. Eine Website, die Vorschläge für einen möglichst schmerzfreien Suizid macht und verschiedene Selbstmordmethoden vorstellt, dürfte bei der Krisenbewältigung keine große Hilfe sein.

Ebenso sei es wichtig, die Interessen derjenigen zu prüfen, die ihre Hilfe anbieten. Die Telefonseelsorge hat keine Profitinteressen und ist lediglich daran interessiert, Menschen zu helfen. Es gibt jedoch vermeintliche Unterstützerinnen und Unterstützer im Netz, die aus der Notlage von Menschen Kapital schlagen und sich bereichern möchten. Wieder andere wollen die Notleidenden für die eigene Religion, Ideologie oder Gruppierung gewinnen. Sie bieten vermeintlich Gemeinschaft, Schutz und Hilfe, stellen sich aber langfristig als Bedrohung heraus. Deswegen kommt es darauf an, genau zu prüfen, wo man sich Hilfe besorgt.

Das empfiehlt die Telefonseelsorge bei Lebenskrisen

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Die Telefonseelsorge hat einige Verhaltensweisen zusammengestellt, die sich bei der Bewältigung von Lebenskrisen als effektiv erwiesen haben. Diese legt sie sowohl den Nutzerinnen und Nutzern des eigenen Angebots als auch den Beraterinnen und Beratern ans Herz. In Krisensituationen ist es wichtig, sich nicht in die eigene Traurigkeit zurückzuziehen, sondern auch Abwechslung und die schönen Seiten des Lebens an sich heranzulassen. Das geht nur, indem man die Blase verlässt, in die man sich nach dem Scheitern der Beziehung zurückgezogen hat, und den Kontakt mit Menschen sucht. Denn nachweislich ist nichts so hilfreich im Umgang mit Lebenskrisen wie ein ehrliches, offenes, vertrauensvolles Gespräch.

Im Umgang mit Menschen in Seinskrisen ist es wichtig, empathisch zu sein und genau zuzuhören. Manche Menschen sind gar nicht auf der Suche nach guten Ratschlägen, sondern wollen einfach nur ihre Geschichte erzählen und sich akzeptiert fühlen. Eine wichtige Kompetenz von Beraterinnen und Beratern besteht deshalb darin, zu erkennen, wann es Zeit ist, zu reden, und wann Zuhören die bessere Alternative ist. Außerdem ist es wichtig, kanaloffen zu bleiben und mit Menschen auf unterschiedliche Weise zu kommunizieren. Einige Dinge lassen sich gut per Chat oder E-Mail klären, andere erfordern ein persönliches Gespräch. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, den passenden Kommunikationskanal zu finden und zu nutzen.

Eine weitere wichtige Empfehlung der Telefonseelsorge besteht darin, Qualität vor Quantität zu setzen. Es ist niemandem damit gedient, wenn sich Seelsorgerinnen und Seelsorger einer riesigen Zahl von Hilfesuchenden zuwenden, aber für keinen von ihnen so richtig Zeit haben. Es ist nützlicher, wenigen Menschen konkret zu helfen, als vielen nur oberflächlich. Nicht zuletzt spielt der Datenschutz bei allen Kommunikationsformen eine wichtige Rolle. Menschen wenden sich nur dann hilfesuchend an andere Menschen, wenn sie diesen Vertrauen und glauben, dass ihre Informationen und Daten nicht missbraucht oder an andere weitergegeben werden. Vertraulichkeit ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Helfen in Krisensituationen.

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