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    Kinder- und Jugendschutz im Internet: Kinderdaten sollen nicht zu Werbezwecken genutzt werden

    Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist eine elementare Aufgabe der Politik. Gerade in der digitalen Welt sehen sich junge Menschen zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Einige sind klar erkennbar, andere eher subtil. So erkennen viele die Risiken, die sich aus einer Profilbildung und der Sammlung sensibler Daten ergeben nicht. Deswegen fordern immer mehr Stimmen, einen effizienten Kinder- und Jugendschutz im Internet durchzusetzen. Hierbei kann die DSGVO nur ein erster Schritt sein. Eine weitere Möglichkeit besteht in einem eigenen Schulfach „digitale Kompetenz“, um Heranwachsende für die Risiken der digitalen Welt zu sensibilisieren.

    Kinder sind immer früher im Internet aktiv

    Eine Umfrage des Digitalverbands BITKOM hat ergeben, dass Kinder heutzutage schon mit sechs oder sieben Jahren ihre ersten Erfahrungen mit der digitalen Welt und dem Internet machen. Vor allem durch Videos und interaktive Spiele geraten sie in Kontakt mit der Digitalisierung und der Welt des Internets. Die Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär, geht sogar noch weiter und sagt, dass viele Kinder und Jugendliche das Internet „als Testgebiet für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit“ nutzten.

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    Je älter die Kinder und Jugendlichen werden, desto größer ist die Bedeutung der digitalen Welt für ihr Leben. Neben Spielen und Recherchemöglichkeiten nutzen sie das Internet vor allem für die Kommunikation. Auch hier sind zahlreiche Risiken vorhanden, die vom Mobbing über Selbstzweifel bis hin zu Triebtätern reichen. Hier für einen bestmöglichen Schutz der Heranwachsenden zu sorgen, muss eine Zielsetzung mit hoher Priorität sein.

    Die Gefahren der Profilbildung

    Die intensive Nutzung digitaler Medien durch Kinder und Jugendliche ist ein gewisses Problem, da Menschen in diesem Alter, die Gefahren der digitalen Welt noch gar nicht bewusst sind und bewusst sein können. Selbst Erwachsene haben Schwierigkeiten, nachzuvollziehen, wer ihre Daten im Internet zu welchen Zwecken erhebt, auswertet und weiterverwendet. Das von Kindern und Jugendlichen zu fordern, ist daher ein Ding der Unmöglichkeit. Deswegen ist es notwendig, Kinder und Jugendliche unter einem bestimmten Schutz zu stellen und sie von den Gefahren der digitalen Welt weitestgehend abzukapseln.

    Eine sehr subtile Gefahr, die von der digitalen Welt ausgeht, ist die Profilbildung. Das liegt daran, dass Nutzerinnen und Nutzer diese Gefahr selten mitbekommen und sich über ihre Folgen nicht im Klaren sind. Unternehmen haben ein Interesse daran, die persönlichen Daten ihrer Anwenderinnen und Anwender zu sammeln, auszuwerten und zu nutzen. Gerade Werbezwecke stehen hierbei im Vordergrund. Je genauer eine bestimmte Person bekannt ist, desto besser kann sie profiliert und in eine bestimmte Schublade gesteckt werden. Es ist deshalb wichtig, zu verhindern, dass aus Kindern und Jugendlichen gläserne Menschen werden, über die alles bekannt ist und deren Daten im Internet gesammelt werden.

    Stimmen nach einem besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen werden laut

    Viele verschiedene Stimmen fordern aktuell, den Kinder- und Jugendschutz im Internet zu einer Hauptaufgabe der Politik zu machen. So fordert beispielsweise Dorothee Bär ein Verbot der Nutzung „von persönlichen Daten von Kindern und Jugendlichen zu Werbezwecken oder für die Erstellung von Persönlichkeits- und Nutzerprofilen“, berichtet Dietmar Neuerer in seinem Beitrag auf handelsblatt.com. Sie ist bei diesem Thema also auf einer Linie mit Verbraucher- und Datenschützern, die ebenfalls die informationelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen gefährdet sehen.

    Der Digitalexperte bei Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Florian Glatzner, fordert ebenfalls einen besseren Datenschutz im Internet. Er sieht hierbei besonders kritisch, dass Kinder und Jugendlichen den im Web verfügbaren Angeboten sehr unkritisch gegenüber eingestellt seien. Auch er verlangt daher, dass Persönlichkeits- und Nutzerprofile von Kindern verboten werden sollten. Marit Hansen, Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, fordert sogar „trackingfreie Zonen und einen Schutz vor Werbung und Profilbildung“ für Kinder und Jugendliche ein.

    Was leistet die DSGVO?

    Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) beschäftigt sich unter anderem auch mit dem Schutz von Daten von Kindern und Jugendlichen im Internet. Sie hat eine gewisse Schutzfunktion eingebaut, indem sie bei Leistungen im Internet fordert, dass die Eltern einwilligen müssen, dass ihre Kinder diese Angebote nutzen dürfen. Die DSGVO schreibt vor, dass eine solche Einwilligung der Eltern immer vorliegen muss, wenn Minderjährige unter 16 Jahren einen bestimmten Dienst in Anspruch nehmen wollen. In einigen Mitgliedstaaten liegt die Altersgrenze jedoch bereits bei 14 Jahren.

    Ein Problem bei dieser Regelung der DSGVO besteht darin, dass sich ihre Einhaltung nur sehr schwer kontrollieren lässt. Im Gegenteil wird immer häufiger festgestellt, dass auch von Kindern und Jugendlichen sehr sensible Daten abgefragt werden, wenn diese zum Beispiel an einem Online-Gewinnspiel teilnehmen wollen. Der VZBV fordert daher, dass das „besondere Schutzbedürfnis von Kindern“ beim Thema Datenschutz stärker in den Blick genommen werden soll. Der Verband kritisiert, dass die Maßnahmen der DSGVO nicht weit genug gingen und daher nur bedingt in der Lage seien, Kinder und Jugendliche tatsächlich und effizient zu schützen.

    Forderungen nach einem Schulfach „Digitale Kompetenz“

    Neben den Verboten der Nutzung von sensiblen Daten von Kindern und Jugendlichen zu Werbezwecken gibt es noch andere Ansätze zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Diesen schlägt beispielsweise der Digitalverband Bitkom vor. Er sagt, dass es dringend an der Zeit sei, die Vermittlung von Medienkompetenz stärker in den Blick zu nehmen. Kinder und Jugendliche nutzen Smartphones, daran ließe sich nichts ändern. Wichtig sei es deshalb, sie in der Nutzung solcher Geräte zu schulen und ihnen beizubringen, welche Informationen preisgegeben werden dürfen und welche in der digitalen Welt nichts zu suchen hätten.

    Eine besonders wichtige Aufgabe käme hier bei den Eltern zu. Sie müssten mit ihren Kindern über die Gefahren des Internets und der Digitalisierung sprechen. Nur wenn die Kinder von zu Hause aus für das Thema sensibilisiert würden, könnten auch schulische und andere Maßnahmen greifen. Die FDP sieht das ähnlich und hält nichts von Verboten im Internet. Auch sie betont die Wichtigkeit einer digitalen Bildung von Kindern und Jugendlichen. Deswegen fordert die Partei ein Schulfach „Digitale Kompetenz“. Nur so ließen sich die Gefahren des Internets in den Griff bekommen und Ausweichbewegungen der Unternehmen in Bezug auf den Datenschutz verhindern.

    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski
    Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Online Marketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.
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