Industrie 4.0:  Die Schlüsselfaktoren für den Erfolg

Ein Gastbeitrag von Michael Finkler, Geschäftsführer bei proALPHA für digital-magazin.de

industrie 4.0 als Teilbereich der Digitalisierung ist in der Praxis angekommen. Vielerorts verändert sich bereits die Geschäftstätigkeit, zahlreiche Unternehmen verfolgen schon eigene Industrie 4.0-Strategien. Laut der PAC-Studie „Digitalisierung im deutschen Mittelstand“ nehmen die befragten Firmen aus der Fertigungsbranche die Digitalisierung größtenteils als Chance wahr, um neue Produkte und Services anzubieten oder neue Marktsegmente zu erschließen. Dabei stehen die herkömmlichen Geschäftsmodelle der Fertiger auf dem Prüfstand. Denn eine erfolgreiche digitale Transformation ist kein Selbstläufer, sondern stark von internen Erfolgsfaktoren abhängig. Welche Schlüsselfaktoren sind entscheidend und welche Handlungsempfehlungen ergeben sich daraus?

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Abb. 1: Die Chancen der Digitalisierung werden viel positiver bewertet als die Risiken. Quelle: ERP-Modernisierung für Industrie 4.0 – ein Ratgeber von PAC in Zusammenarbeit mit proALPHA

Industrie 4.0 strategisch angehen

Eine aktuelle Befragung im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom bestätigt, wie Industrie 4.0 die Geschäftstätigkeit in vielen Unternehmen verändert. Insgesamt 65 Prozent der befragten Industrieunternehmen sehen einen starken Einfluss dieser Technologien auf ihr Geschäftsmodell. Schon 46 Prozent geben an, dass sie komplett neue Dienstleistungen und Produkte entwickeln oder planen. Die große Mehrheit der von Bitkom Befragten verfolgt eine eigene Industrie 4.0-Strategie, die entweder für einzelne Bereiche oder das gesamte Unternehmen entwickelt wurde. Fast immer wird diese Strategie von den eigenen Mitarbeitern, etwa einem Chief Digital Officer, erstellt. 44 Prozent setzen dafür auch auf eine Kooperation mit mittelständischen oder großen IT-Unternehmen als kompetente Partner.  

Technologische Basis für eine erfolgreiche Digitalisierung

Mit dem Einzug von Industrie 4.0 verändern sich Abläufe und Prozesse. Die vernetzte Fabrik ist dabei kein reines Produktionsthema mehr: Logistik, Montage, Entwicklung, Verwaltung sowie Instandhaltung und Service profitieren gleichermaßen von der Vernetzung der Systeme und der Automatisierung von Prozessen. IT-Plattformen, Automatisierung und ein ERP als Schaltzentrale sind ohne Zweifel der Grundstock für das „Industrial Internet of Things“ – und inzwischen gibt es bereits zahlreiche praxistaugliche Anwendungsszenarien mit dem ERP als „Herzstück“. Mittelständische Unternehmen arbeiten enger mit ihren Kunden zusammen und bestehende Prozesse werden durch die Digitalisierung optimiert – mitunter entstehen sogar Services rund um bestehende Produkte, die als zusätzlicher Umsatzträger vermarktet werden. Einmal mit Industrie 4.0 gestartet, entdecken Unternehmen immer mehr Möglichkeiten. 

Weitere Erfolgsfaktoren

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Der Versuch, allein mit Automation und ERP aus einer schlechten Organisation eine gute zu machen, führt jedoch letztlich zu einer schlechten Organisation und höheren Kosten. Zusätzlich zum technischen Unterbau muss ein erfolgreiches Smart-Factory-Projekt auch eine Reihe von internen Voraussetzungen erfüllen. Aus unserer Erfahrung heraus beeinflussen vier zentrale organisatorische Schlüsselfaktoren den Erfolg in der Industrie 4.0: 

  • Effiziente, prozessorientierte Unternehmensorganisation: Silo- und Abteilungsdenken führen regelmäßig zu Schranken und Blockaden. Nur in einer durchlässigen Unternehmensorganisation können wichtige Informationen frei fließen. Und reibungs- und nahtlose Abläufe wiederum stellen die Grundvoraussetzung für die Automatisierung dar. Flache Hierarchien sorgen zudem für kurze Entscheidungswege und ermöglichen schnelles Handeln. Dabei dürfen die Prozesse aber nicht nur die eigene Effizienz im Fokus haben. Erfolgsentscheidend ist vielmehr, dass sich im Unternehmen ein kundenzentriertes Denken etabliert und Abläufe auf den Kunden ausgerichtet werden.
  • Funktionierendes StammdatenManagement: Daten sind das Gold des digitalen Zeitalters. Wie das Edelmetall entfalten auch sie ihren besonderen Wert erst mit fachgerechter Verarbeitung. Wer erwartet, nur mit dem Anhäufen von Datenbergen Mehrwert zu generieren, landet zwangsläufig in einer Sackgasse. Die Abläufe in der Smarten Fabrik sind nur so werthaltig wie die Informationen, die sie transportieren. Sind Daten und daraus abgeleitete Informationen unvollständig oder gar fehlerhaft, kommen selbst reibungslos designte Prozesse ins Stocken.
  • Modularisierte, standardisierte Produkte: Kundenspezifische Produkte bis Losgröße 1 auf der einen, hochautomatisierte Fertigung auf der anderen Seite: Industrie 4.0 kann hier alte Gegensätze überwinden und neue Brücken bauen. Denn der Weg zum zufriedenen Kunden führt heute über kosteneffizient gefertigte Produkte in vielen Varianten. Dies gelingt nur, wenn diese Variationsvielfalt klar definiert ist. Für die effiziente Orderabwicklung und Fertigungsvorbereitung sorgen dann in ein ERP-System integrierte Produktkonfiguratoren. Sie prüfen eine gewählte Kombination auf technische Machbarkeit. Zudem erstellen sie auf Knopfdruck Angebote inklusive zuverlässiger Lieferterminzusage, die nötigen Stücklisten sowie alle Arbeitsaufträge. Design und Fertigung arbeiten hierbei Hand in Hand und tragen so zu einer wirtschaftlichen Produktion selbst von Kleinserien und Einzelaufträgen bei.
  • Gut ausgebildete Mitarbeiter auf allen Ebenen: Je enger die Taktung der Aufträge ist, umso schneller geraten Liefertermintreue und Kundenbeziehungen bei einer Störung in Gefahr. Deshalb müssen Mitarbeiter in der Lage sein, Probleme frühzeitig zu erkennen. Die Mitarbeiter von morgen sind weniger „Macher“ und mehr „Entscheider“: Sie überwachen automatisierte Abläufe und greifen nur dort ein, wo es nötig ist. Dies wiederum erfordert nicht nur eine umfassende, fachliche Expertise. Genauso wichtig ist ein profundes Verständnis aller relevanten Prozesse. Laut der eingangs erwähnten PAC-Studie zählt zu den Top 5 Herausforderungen für jeden dritten Betrieb auch das ERP-Fachwissen ihrer Mitarbeiter dazu.

Fazit

Gut ausgebildete Mitarbeiter sind damit neben weiteren internen organisatorischen Grundvoraussetzungen ein wesentliches Standbein für die Digitalisierung. Zusammen mit gepflegten Daten, nahtlosen Prozessen und modularen Produkten – und im Zusammenspiel mit vernetzten Systemen – tragen sie wesentlich zum Erfolg eines jeden Transformations-Projekts bei. Der deutsche Mittelstand hat dies bereits erkannt: Denn für die im Rahmen der PAC-Studie befragten Unternehmen sind weitere Erfolgsfaktoren wie etwa die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit (89%), die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern (82%) sowie die Unterstützung des Top-Managements (82%) von hoher Relevanz. Obwohl also moderne software und flexible IT-Systeme zweifelsohne sehr wichtig sind, ist es nicht nur die Technik, die über Erfolg oder Misserfolg von Industrie 4.0-Vorhaben entscheidet.

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