Gefahren der Digitalisierung – wie naiv dürfen Anwender noch sein?

Der aktuelle Datenskandal zeigt die Gefahren der Digitalisierung einmal mehr in aller Deutlichkeit auf. Wieder einmal ist es notwendig, Nutzer auf die Gefahren unsicherer Passwörter und der Veröffentlichung privater Informationen aufmerksam zu machen. Doch kann hierfür tatsächlich die Digitalisierung verantwortlich gemacht werden? Oder ist es nicht langsam an der Zeit, sich aktiv mit der digitalen Transformation auseinanderzusetzen und mündig zu werden?

Die Gefahren der Digitalisierung sollten mittlerweile bekannt sein

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„Das Internet ist für uns alle Neuland“ sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni 2013 und warnte vor den Gefahren dieser Technologie. Zu diesem Zeitpunkt war der erste grafikfähige Webbrowser jedoch bereits 20 Jahre, eBay 18 Jahre, Google 16 Jahre, Facebook 9 Jahre, Youtube 8 Jahre und Twitter 7 Jahre alt. Was für die 2013 amtierende Bundeskanzlerin also „Neuland“ war, gehörte für die meisten Bundesbürger bereits zu ihrer alltäglichen Lebenswirklichkeit. Und dass die Kanzlerin vor den Gefahren des Internets warnte, zeigt auch, dass sie sich offenbar erst damals über Sicherheitsmaßnahmen Gedanken machte, die für die meisten Deutschen eine Selbstverständlichkeit sind.

Seitdem hat sich wenig getan. Noch immer sind Politiker offensichtlich sehr naiv, was ihren Umgang mit dem Internet und der Digitalisierung betrifft. Das zeigt der aktuelle Datenskandal, bei dem Unmengen persönlicher Daten von Politikern im Internet veröffentlicht wurden. Jetzt mahnt die noch amtierende Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff zu mehr Aufmerksamkeit im Umgang mit privaten Daten. Mit der Digitalisierung müsse „ein hohes Maß an Sicherheit einhergehen“. Diese Worte erinnern doch stark an die Rede der Bundeskanzlerin vor nunmehr 6 Jahren. Da stellt sich recht schnell die Frage: Wie naiv darf man im Jahr 2019 in Bezug auf die Digitalisierung noch sein?

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Wer ist für die Sicherheit personenbezogener Daten verantwortlich?

Muss ich einen achtzehnjährigen Menschen vor den Gefahren der Schere warnen, wenn er oder sie etwas ausschneiden möchte? Oder darf ich bei mündigen Erwachsenen davon ausgehen, dass diese mit der Benutzung einer Schere und den damit verbundenen Risiken vertraut sind? Warum ist das bei der Digitalisierung anders? Hier laufen viele Menschen – um im Bild zu bleiben – mit einer Schere in der Hand und ausgestreckter Klinge durch die Welt und wundern sich, wenn sie sich und anderen ein Auge ausstechen. Muss ich den Menschen heutzutage wirklich noch sagen, dass das Passwort „Passwort“ extrem unsicher ist? Oder darf und muss hier nicht sogar auf den gesunden Menschenverstand gesetzt werden?

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Natürlich ist es die Aufgabe von Firmen und Organisationen, ihre IT sicher zu gestalten und zu erhalten. Doch die beste Sicherheit hilft wenig, wenn die Anwender E-Mails von nigerianischen Prinzen öffnen und die darin enthaltenen Anhänge mit seltsamen Dateiendungen herunterladen und aufrufen. Ein System kann noch so viel Schutz vor Angriffen bieten, wenn die Nutzer durch das Passwort „1234“ Angreifern Tür und Tor öffnen bringt das herzlich wenig. Viele Gefahren sind komplizierter und schwerer zu verhindern. Und die aktuellen Daten wurden nicht ausschließlich aufgrund individuellen Fehlverhaltens gestohlen. Wenn allerdings eine Bundesministerin vor den Gefahren der Digitalisierung warnen muss, weil ihre Chefin das Internet für „Neuland“ hält, läuft grundsätzlich etwas schief.

Personenbezogene Daten müssen geschützt werden (muss ich diesen Abschnitt tatsächlich im Jahr 2019 noch schreiben?)

Personenbezogene Daten müssen besonders geschützt werden. Das gilt für private Informationen wie Adressen, Telefonnummern und Kreditkartennummern ebenso wie für Geschäftsdaten und Korrespondenz des Bundestages. Dass das nicht allen klar ist, zeigt das Vorgehen der Hacker im aktuellen Datenskandal. So wurden die Daten (Stand heute) wohl nicht aus einem offiziellen Netzwerk des Bundestags abgezogen. Vielmehr stammen sie aus privaten Accounts in sozialen Netzwerken und aus Mailprogrammen der Nutzer. Diese haben somit nicht nur sensible Daten ins Internet gestellt (sehr riskant!), sondern diese nicht ausreichend geschützt.

Deswegen scheint es auch im Jahr 2019 noch notwendig zu sein, auf die Gefahren des Internets aufmerksam zu machen. Es ist wichtig, geeignete Passwörter, Firewalls und Virenschutzprogramme zu nutzen und regelmäßig zu verändern beziehungsweise zu aktualisieren. Sensible Daten sollten wie bares Geld behandelt werden. Dieses lässt ja auch niemand auf der Fensterbank liegen, damit andere es bewundern können und seien es nur die eigenen Freunde. Nicht die Digitalisierung ist die Gefahr, sondern ein zu leichtfertiger Umgang mit ihr. Ebenso wenig, wie man Messer und Feuerzeuge für Unfälle und Angriffe verantwortlich machen kann, ist die Digitalisierung für die Gefährdung von Daten und Nutzern verantwortlich zu machen.

#hackerangriff #bundestag #datenschutz

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