Corona-App – notwendiger Schutz oder datenschutzrechtlicher Wahnsinn?

Ein Zusammenschluss aus Wissenschaftlern und IT-Experten hat eine Technologie für eine App entwickelt, mit der Infektionsketten nachvollzogen werden können. Auf diese Weise könnten Personen informiert werden, die längere Zeit Kontakt zu einem mit Corona Infizierten gehabt haben. Die App arbeitet mit Distanzmessungen und schützt die Daten der Nutzer bestmöglich. Das ist auch nötig, da sie nur funktioniert, wenn möglichst viele Menschen die App nutzen. Eine Alternative zum Lockdown ist die App zwar nicht, sie verbessert jedoch den Kampf gegen das Virus. Prinzipiell wäre auf Grundlage dieser Corona-App eine europäische Zusammenarbeit zur Eindämmung der Pandemie möglich.

Die Idee hinter der Corona-App

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Die Corona-App verfolgt das Ziel, Infektionsketten sichtbar zu machen. Das bedeutet, dass auf einem Blick ersichtlich wäre, mit welchen Personen ein Infizierter Kontakt gehabt hat. Diese betroffenen Personen würden dann eine Information auf ihr Smartphone erhalten und könnten sich selbst testen lassen. Die Hoffnung besteht, dass durch eine solche schnelle Reaktion weitere Infektionen vermieden werden könnten.

Insgesamt haben 130 Wissenschaftler und IT-Experten an der App mitgearbeitet. Unter anderem ist das Robert-Koch-Institut (RKI) an der Entwicklung beteiligt, berichtet Miriam Schröder in einem Beitrag auf tagesspiegel.de. Hierbei wurde bewusst auf eine digitale Lösung gesetzt, da sich hierdurch Daten schneller sammeln und Betroffene unmittelbar warnen lassen. Noch steht lediglich die Technologie zur Verfügung, auf deren Grundlage soll aber in den kommenden Wochen eine funktionsfähige App entwickelt und getestet werden.

So funktioniert die Corona-App

Die für die App entwickelte Technologie arbeitet mit Bluetooth. Wenn sich zwei Personen für mehrere Minuten in einer kritischen Distanz zueinander befinden, tauschen ihre Smartphones Informationen aus. Hierbei werden verschlüsselte Nachrichten übermittelt, die lediglich die Information enthalten, dass ein Kontakt stattgefunden hat. Weiterführende Informationen wie die Telefonnummer oder persönliche Daten werden nicht mit übermittelt. Die Kontaktinformationen werden dann für 21 Tage verschlüsselt auf den jeweiligen Smartphones gespeichert.

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Sobald eine Person positiv auf Covid-19 getestet wird, erhält sie von den Gesundheitsämtern einen Code. Sie kann sich dann freiwillig entscheiden, ob sie diesen Code in ihr Smartphone eingibt. Tut sie dies, werden die Kontaktdaten auf einen verschlüsselten Server weitergeleitet. Von diesem aus erfolgt dann eine Mitteilung an alle Personen, die mit dem Smartphone der infizierten Personen Kontakt hatten. Diese haben dann die Möglichkeit, sich selbst testen zu lassen. Auf diese Weise werden Infektionsketten sichtbar und die Betroffenen können schnellstmöglich reagieren. Die Hoffnung besteht, dass somit Neuinfektionen verhindert werden, die nur entstehen, weil die Betroffenen nicht wissen, dass sie infiziert sind. Immerhin kann die Krankheit bis zu zwei Wochen symptomfrei verlaufen, bevor sie endgültig ausbricht.

Werden die Bürgerinnen und Bürger durch die Corona-App gläsern?

Viele Bürgerinnen und Bürger fürchten, durch eine solche Corona-App gläsern zu werden. Viele haben bei diesem Thema China vor Augen, das nicht gerade behutsam mit den persönlichen Daten und Freiheitsrechten seiner Bevölkerung umgeht. Es ist aber wichtig, dass möglichst viele Menschen die App nutzen, damit sie funktionieren kann. Deswegen setzen die Wissenschaftler und IT-Fachleute alles daran, um die App so sicher und vertraulich wie möglich zu machen.

Das wird unter anderem dadurch erreicht, dass keinerlei personenbezogene Daten von der App gesammelt und gespeichert werden. Weder teilen die Smartphones ihre Mobilfunknummern noch werden die jeweiligen Aufenthaltsorte gespeichert. Es ist auf Grundlage der App also nicht möglich, Bewegungsprofile von den Anwendern zu erstellen. Außerdem ist es ausgehend von den gespeicherten Daten nicht möglich, Rückschlüsse auf eine Person zu ziehen und diese zu identifizieren. Auch die Übermittlung an den Server, nachdem der Code eingegeben wurde, erfolgt verschlüsselt und sicher. Die Mitteilung an die Eventuell Betroffenen ist neutral gehalten und enthält ebenfalls keine personenbezogenen Daten. Durch diese Fokussierung auf den Datenschutz soll die Akzeptanz der App in der Bevölkerung erhöht werden.

Die App funktioniert nur, wenn möglichst viele mitmachen

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Die App hat nur dann eine Chance, zu funktionieren, wenn möglichst viele Menschen mitmachen. Die Entwickler gehen davon aus, das eine Nutzungsrate von 60 % erreicht werden sollte. In Oxford gab es bereits einige Studien, die gezeigt haben, dass bei einer solchen Verbreitungsrate positive Effekte durch die App erzielt werden. Diese liegen auch bei geringeren Verbreitungsraten bereits vor, sind allerdings deutlich geringer.

Die Entwickler haben deswegen großen Wert darauf gelegt, dass die App unabhängig vom Smartphone-Typen funktioniert und über möglichst alle Grenzen hinweg einsetzbar ist. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn es keine Reisebeschränkungen mehr gibt und die Menschen wieder länderübergreifend miteinander in Kontakt treten. Je mehr Nutzer in Europa und der ganzen Welt eine solche App verwenden, desto besser lassen sich Infektionsketten nachvollziehen und Neuerkrankungen vermeiden.

Wäre die Corona-App eine Alternative zum Lockdown?

In nahezu allen Ländern steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus exponentiell an. Das lässt sich auch über eine Smartphone-App nicht verhindern. Mit ihr ist es allerdings möglich, die Zahl von Neuinfektionen einzudämmen. Deswegen wird es auch nach der Entwicklung der Corona-App nicht sofort zur Lockerung der Ausgangsbeschränkungen kommen. Diese sind zwingend erforderlich, um eine zu schnelle Ausbreitung des Virus und eine damit einhergehende Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Es ist aber dennoch sinnvoll, die Corona-App zu entwickeln und zu nutzen. Für einen effektiven Kampf gegen das Virus ist es nämlich wichtig, Krisenherde zu erkennen und Infektionen möglichst frühzeitig festzustellen. Je länger eine Person symptomfrei und unidentifiziert mit dem Erreger herumläuft und Kontakte zu anderen Personen hat, desto leichter kann sich die Krankheit ausbreiten. Die App muss somit als Ergänzung zu den bisher getroffenen Maßnahmen verstanden werden, sie kann diese aber keinesfalls ersetzen.

Die Corona-App bietet die Chance auf eine europäische Zusammenarbeit

Schon heute ist die Corona-App ein europäisches Projekt. Insgesamt haben 130 Fachleute aus 8 europäischen Ländern an der für die App notwendigen Technologie mitgearbeitet. in Zukunft haben alle Länder der Welt, die ein Interesse an einer solchen App haben, die Möglichkeit, auf Grundlage der vorhandenen Technologie eigene Apps zu entwickeln. Die Entwickler hatten keinen konkreten Auftrag zur Realisierung einer solchen App, sondern haben das aus der Überzeugung heraus getan, dass eine Corona-App für den Kampf gegen das Virus nötig und sinnvoll ist. Hierbei spielte die europäische Idee von einem gemeinsamen Europa mit europäischen Werten eine große Rolle. Es könnte also durchaus sein, dass die Corona-App zu einem verbindenden Element im Kampf aller europäischen Länder gegen das Virus wird.

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