Smart Home soll Energie sparen – aber braucht es selbst Strom. Wie viel fressen Hubs, Sensoren und dauerhaft lauschende Geräte? Und wann kippt die Bilanz?
Eine Frage, die ich mir irgendwann selbst gestellt habe, nachdem mein Smart Home auf über 30 Geräte angewachsen war: Was verbraucht das alles eigentlich selbst? Der HomePod mini, der Apple TV, der Raspberry Pi mit Home Assistant, die 15 smarten Steckdosen, die Zigbee-Sensoren – alles läuft rund um die Uhr.
Das Ergebnis der Messung war ernüchternd und beruhigend gleichzeitig. Ernüchternd, weil die Summe mehr war als gedacht. Beruhigend, weil die Einsparungen an anderer Stelle deutlich höher waren.
Fangen wir mit den Zahlen an. Messdaten aus einem realen Smart-Home-Setup mit 32 Geräten:
Gesamtverbrauch dieses Setups: ca. 180-230 kWh pro Jahr. Bei einem deutschen Strompreis von ca. 30 Cent/kWh: ca. 55-70 Euro Stromkosten pro Jahr für den Smart-Home-Betrieb selbst.
Ist das viel? Kommt drauf an. Ein alter Kühlschrank verbraucht 400-600 kWh pro Jahr. Das Smart Home ist bei 180-230 kWh weniger als die Hälfte davon. Und anders als der Kühlschrank hilft das Smart Home, woanders zu sparen.

Die Gegenseite der Rechnung: Was spart das Smart Home?
Heizungssteuerung: Smarte Thermostate mit Anwesenheitserkennung sparen je nach Ausgangssituation 10-30 Prozent der Heizenergie. Bei durchschnittlichen Heizkosten von 1.500-2.500 Euro pro Jahr: 150-750 Euro Einsparung. Selbst wenn nur 150 Euro gespart werden, überwiegt das die 55-70 Euro Smart-Home-Eigenverbrauch deutlich.
Standby-Abschaltung: Smarte Steckdosen, die Standby-Geräte (TV, AV-Receiver, Drucker) abschalten, wenn niemand zuhause ist oder wenn es Nacht wird, sparen 15-40 Watt dauerhaft. Im Jahr: 130-350 kWh. Bei 30 Cent/kWh: 40-105 Euro.
Beleuchtungsautomation: Licht, das automatisch ausgeht, wenn kein Mensch im Raum ist, spart je nach Haushalt 10-50 Prozent der Beleuchtungsenergie. Bei einem Durchschnittshaushalt mit 300 kWh Beleuchtungsverbrauch: 30-150 kWh Einsparung. Das sind 9-45 Euro im Jahr – kein dramatischer Betrag, aber kontinuierlich.
Wer bei digital-magazin.de nach praktischen Tipps zum Energiesparen mit Smart-Home-Geräten sucht, findet dort ausführliche Anleitungen.
Sprachassistenten sind energiehungrige Teilnehmer im Smart Home. Der Amazon Echo Dot (5. Generation) verbraucht im Standby ca. 1,4 Watt – dauerhaft, 24/7. Das macht 12 kWh pro Jahr oder ca. 3,60 Euro. Klingt wenig, summiert sich aber mit jedem zusätzlichen Gerät.
Drei Echo-Geräte (Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer): ca. 36 kWh pro Jahr nur für den Standby. Das Gerät im Schlafzimmer wird nachts kaum genutzt – man könnte es per Automation abschalten und morgens wieder aktivieren. Einsparung: ca. 6 kWh pro Gerät und Jahr.
Auch Netzwerkequipment ist relevant. Ein einfacher WLAN-Router verbraucht 5-15 Watt. Ein Mesh-System mit drei Knoten kann 20-40 Watt dauerhaft ziehen. Im Jahr: 175-350 kWh. Allein das Netzwerk-Equipment verursacht in manchen Haushalten mehr Stromkosten als das gesamte Smart-Home-Equipment zusammen.
Das Fazit, das unser Team bei digital-magazin.de nach eigenen Messungen zieht: Bevor man sich über den Eigenverbrauch der Smart-Home-Geräte Gedanken macht, sollte man das Netzwerk-Equipment optimieren. Dort liegt oft das größere Einsparpotenzial.
Thread-native Zigbee-Geräte mit niedrigem Eigenverbrauch sind langfristig die bessere Wahl als WLAN-basierte Geräte mit dauerhafter Netzwerkverbindung.
Ein Zigbee-Sensor verbraucht so wenig, dass er auf einer Knopfbatterie zwei bis vier Jahre läuft. Ein WLAN-basierter Sensor, der dauerhaft in 2,4 GHz eingeloggt ist, verbraucht je nach Implementierung 1-5 Watt dauerhaft – und braucht ein Netzteil.
Für Aktoren (Steckdosen, Relais, Schalter) mit Netzteil ist der Eigenverbrauch relevant. Smarte Steckdosen haben oft einen Standby-Verbrauch von 0,3-2 Watt. Bei 10 Steckdosen: 3-20 Watt dauerhaft. Das summiert sich auf 26-175 kWh pro Jahr.
Besser: Geräte kaufen, die ihren Eigenverbrauch auf der Verpackung angeben. Viele tun das inzwischen. Shelly gibt die Leistungsaufnahme seiner Relais transparent an (oft unter 1 Watt). Eve erklärt auf seinem Blog detailliert, warum Thread-native Geräte energieeffizienter als WLAN-Alternativen sind.
Wer ein Balkonkraftwerk betreibt (oder plant), kann Smart-Home-Automatisierung gezielt nutzen, um energieintensive Geräte dann zu starten, wenn die Sonne scheint.
Das funktioniert mit Home Assistant und einer Energiemonitoring-Integration: Wenn das Balkonkraftwerk mehr als X Watt produziert, schalte die Waschmaschine frei. Wenn die Produktion unter Y Watt fällt, stoppe nicht-kritische Lasten.
Die Logik ist einfach; die Umsetzung erfordert ein Smart Plug mit Schalter und Home Assistant mit dem Energiemonitoring-Dashboard. Das Smart Home-System selbst verbraucht dabei ca. 5-10 Watt – eine verschwindend geringe Last im Vergleich zu dem, was durch intelligente Steuerung optimiert werden kann.
Für alle, die tiefer in das Thema einsteigen wollen: Die Kombination aus Matter-Geräten und Home Assistant bietet hier die größten Möglichkeiten.
Eine ehrliche Berechnung für einen typischen Haushalt (4 Personen, 150 qm Einfamilienhaus):
Das ist ein positives Ergebnis – aber kein dramatisches. Smart Home lohnt sich energetisch, aber es ist kein Wundermittel. Die größten Einsparungen entstehen bei der Heizungsoptimierung, nicht bei der Beleuchtung oder dem Standby-Management.
Smart Home frisst Strom – weniger als man denkt, wenn man es effizient aufbaut. Und es spart Strom – mehr als es verbraucht, wenn es richtig genutzt wird.
Die Zauberformel: Energieeffiziente Geräte wählen (Thread statt WLAN, batteriegetriebene Sensoren statt Netzteile), intelligente Abschaltungen für Standby-Geräte einrichten und den Fokus auf Heizungsoptimierung legen. Dann ist die energetische Bilanz klar positiv.
Ein wichtiger, aber selten diskutierter Aspekt: Der Eigenstromverbrauch von Smart-Home-Geräten variiert stark je nach Protokoll.
WLAN-basierte Smart-Plugs oder Schalter halten dauerhaft eine WLAN-Verbindung aufrecht. Das kostet Energie: Je nach Chip-Generation 0,5 bis 3 Watt dauerhaft. Bei zehn WLAN-Smart-Plugs summiert sich das auf 5-30 Watt – im Jahr 44-260 kWh.
Zigbee-basierte Steckdosen mit Energiemessung (Sonoff S31 Zigbee, IKEA TRETAKT) haben einen deutlich geringeren Eigenverbrauch: 0,3-1 Watt. Bei zehn Geräten: 3-10 Watt. Im Jahr: 26-88 kWh.
Thread-native Steckdosen (Eve Energy) liegen ähnlich wie Zigbee: Thread ist für niedrigen Stromverbrauch optimiert. Der Unterschied zwischen Zigbee und Thread im Eigenverbrauch ist minimal.
Batteriebetriebene Sensoren (Zigbee, Thread, Z-Wave) verbrauchen im Schlafmodus so wenig Energie, dass sie auf Knopfzellen jahrelang laufen. Das ist vernachlässigbar im Kontext des Haushaltsverbrauchs. Thread und Matter sind auch im Hinblick auf Energieeffizienz die bessere Wahl gegenüber WLAN-basierten Lösungen.
Strom ist nicht gleich Strom: Der CO2-Fußabdruck einer Kilowattstunde hängt vom deutschen Strommix ab. Im Jahr 2024 lag der durchschnittliche CO2-Faktor bei ca. 380 g/kWh. Tendenziell sinkend, weil erneuerbare Energien wachsen.
Das Smart Home mit 200 kWh Eigenverbrauch verursacht also ca. 76 kg CO2 pro Jahr – vergleichbar mit einer kurzen Autofahrt. Die Einsparungen durch Heizungsoptimierung und Standby-Abschaltung (250-400 kWh) überwiegen das deutlich: Netto-CO2-Einsparung von 57-124 kg pro Jahr.
Das ist kein heroischer Klimabeitrag. Aber es ist positiv. Und mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien im deutschen Strommix verbessert sich die Bilanz automatisch – ohne dass das Smart Home angepasst werden muss.
Wer seinen ökologischen Fußabdruck des Smart Homes weiter senken will: Geräte mit langer Lebensdauer bevorzugen (Hersteller mit gutem Firmware-Support), Reparierbarkeit beachten (Shelly-Geräte sind leicht reparierbar), und auf Cloud-Dienste verzichten, die unnötig Serverenergie verbrauchen. Matter-Geräte sind durch ihre Langlebigkeit und Plattformunabhängigkeit die nachhaltigere Wahl.
Ein Thema, das 2025/2026 an Bedeutung gewinnt: Smart Charging für Elektrofahrzeuge und Vehicle-to-Home (V2H) – die Möglichkeit, das Elektroauto als Haushaltsspeicher zu nutzen.
Smart Charging bedeutet: Das Elektroauto lädt dann, wenn Strom günstig ist (nachts bei Windstrom, tagsüber beim Balkonkraftwerk). Das Wallbox-Management (Juice Booster, KEBA, Heidelberg) integriert sich zunehmend in Smart-Home-Systeme. Home Assistant hat Integrationen für die meisten namhaften Wallboxen.
V2H ist noch Zukunft in Deutschland – die notwendigen Netztechnologien (bidirektionales Laden, entsprechende Netztarife) sind noch nicht flächendeckend verfügbar. Aber die technische Grundlage ist gelegt: Fahrzeuge wie der Volkswagen ID.4 und Nissan Leaf bieten V2H-Fähigkeiten. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat einen Leitfaden zu bidirektionalem Laden veröffentlicht, der zeigt, wohin die Reise geht.
Ein letzter praktischer Hinweis: Bevor Sie in Energiemonitoring oder Lastmanagement investieren, machen Sie eine Bestandsaufnahme. Welche Geräte haben Sie? Was sind die größten Verbraucher? Oft reicht eine einzige smarte Steckdose mit Energiemessung, um die wichtigste Erkenntnis zu gewinnen: „Das alte Gerät in der Ecke verbraucht mehr als alles andere.“ Diese Erkenntnis kann die Kaufentscheidung für ein neues Gerät rechtfertigen – und die Amortisierung ist dann nicht das Smart-Home-System, sondern das Gerät, das es ersetzt. So zahlt sich Energiemonitoring aus: nicht durch die Hardware selbst, sondern durch die Erkenntnisse, die zu besseren Entscheidungen führen. Der erste Schritt zum energieeffizienten Smart Home ist oft auch der günstigste. Zum Schluss noch ein konkreter Tipp für alle, die sofort anfangen wollen: Kaufen Sie einen einzigen Shelly Plug S oder Eve Energy, stecken Sie ihn an den Gerät, bei dem Sie den höchsten Verbrauch vermuten – oft die alte Gefriertruhe, der Trockner oder das Heimnetzwerk-Equipment – und messen Sie eine Woche lang. Die Überraschung ist fast garantiert. Und mit dieser einen Erkenntnis hat sich die Investition von 20-40 Euro bereits gelohnt.
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