IKEA Matter-Offensive: 21 neue Smart-Home-Geräte

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IKEA Matter-Offensive: 21 neue Smart-Home-Geräte

21 neue Geräte auf einmal – IKEA macht Ernst mit Matter und krempelt damit das Smart-Home-Segment kräftig um. Was steckt hinter der Offensive, welche Geräte sind dabei und lohnt sich der Umstieg?

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Ehrlich gesagt hätte ich das vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten: IKEA, bekannt für Flachpackmöbel und mäßig inspirierte Produktnamen, mischt sich ernsthaft in den Smart-Home-Markt ein – und zwar mit einer Konsequenz, die so manchem Spezialanbieter die Röte ins Gesicht treibt. 21 neue Matter-kompatible Geräte auf einen Schlag ist kein Test, das ist eine Kampfansage.

Matter, für alle, die den Standard noch nicht kennen: Es ist das Protokoll, das endlich dafür sorgen soll, dass Geräte verschiedener Hersteller problemlos miteinander kommunizieren. Apple HomeKit, Amazon Alexa, Google Home, Home Assistant – egal. Ein Matter-Gerät funktioniert mit allen. Klingt nach Utopie? Ist es nicht mehr ganz.

Was IKEA mit Matter vorhat – und warum das mehr ist als Marketing

Die schwedische Möbelkette hat ihre Heimautomatisierungssparte TRÅDFRI schon länger unter der Marke DIRIGERA konsolidiert. Der DIRIGERA Hub fungiert als Thread Border Router – das ist der technische Knotenpunkt, über den Thread-Geräte mit dem Internet kommunizieren. Und genau da setzt IKEA jetzt an.

Die 21 neuen Geräte umfassen Leuchtmittel, Steckdosen, Sensoren und Rollladensteuerungen. Alle Matter-zertifiziert, alle Thread-fähig. Das bedeutet: keine Cloud-Abhängigkeit mehr, kein Vendor-Lock-in, kein „Sorry, das Gerät spricht nur mit unserer App“.

Besonders interessant: Die neue VARMBLIXT-Leuchtenreihe, die IKEA gemeinsam mit dem Designer Sabine Marcelis entwickelt hat. Ästhetisch anspruchsvoll und technisch Matter-kompatibel – das war bisher eine seltene Kombination. Wir bei digital-magazin.de haben uns die ersten Modelle angeschaut und waren überrascht, wie gut das Preis-Leistungs-Verhältnis ist.

Die 21 neuen IKEA Matter-Geräte im Detail

Matter Smart Home Geräte IKEA
IKEA TRÅDFRI Geräte im Überblick

Was genau bringt IKEA auf den Markt? Hier ein Überblick über die wichtigsten Kategorien:

  • Smarte Glühbirnen (E27, GU10, E14): Die neue TRÅDFRI-Generation läuft über Thread, nicht mehr nur Zigbee. Farbtemperatur einstellbar von 2200 bis 6500 Kelvin, dimmbar per Matter-Controller.
  • Steckdosen mit Energiemessung: IKEA bringt erstmals Matter-fähige Steckdosen, die auch den Stromverbrauch tracken. Klingt banal – ist aber für viele Nutzende der erste Schritt zum echten Energiemonitoring.
  • Bewegungs- und Lichtsensoren: Kompakter als die Vorgänger, Thread-native, mit einem Batterieleben von angeblich zwei Jahren.
  • Rollladensteuerung PRAKTLYSING: Funktioniert jetzt auch mit Apple HomeKit ohne Umweg über Hubs.
  • Smarte Fernbedienungen: Mehrere neue Varianten, alle Matter-kompatibel und ohne Batteriewechsel-Stress dank Solarmodul.

Ob alle 21 Geräte gleichzeitig in Deutschland verfügbar sein werden, steht noch nicht final fest. IKEA kommuniziert das etwas unscharf – typisch für das Unternehmen, das bei Produktankündigungen gerne die Spannung hochhält.

Matter über Thread: Warum das technisch der richtige Weg ist

Thread ist ein Mesh-Netzwerkprotokoll, das auf IPv6 basiert. Anders als Zigbee oder Z-Wave baut es kein proprietäres Netz auf, sondern integriert sich direkt in die IP-Welt. Kein Hub notwendig – oder genauer: Der Hub-Bedarf sinkt auf einen Thread Border Router, der die Brücke zum normalen Netzwerk schlägt.

IKEA nutzt den DIRIGERA Hub als Border Router. Wer stattdessen einen HomePod mini, einen Apple TV 4K oder ein Google Nest Hub als Border Router verwendet, kann IKEA-Geräte theoretisch auch ohne DIRIGERA betreiben. Das ist ein Paradigmenwechsel.

Mal ehrlich: Die bisherige Smart-Home-Landschaft war ein Wildwuchs an inkompatiblen Systemen. Wer sich nicht von Anfang an für ein Ökosystem entschieden hat, saß schnell mit einer Sammlung von Geräten da, die sich gegenseitig ignorierten. Matter + Thread soll das beenden. Und IKEAs Offensive trägt dazu bei, dass diese Vision Masse bekommt.

IKEA Matter vs. Philips Hue, Eve und Nanoleaf – wer gewinnt?

Die Konkurrenz schläft nicht. Philips Hue hat Matter ebenfalls integriert, bleibt aber beim proprietären Zigbee-Backbone. Eve Systems setzt konsequent auf Thread-native Geräte und gilt unter Technikbegeisterten als die sauberste Matter-Implementierung auf dem Markt. Nanoleaf kombiniert Matter mit smarten Design-Elementen.

IKEA punktet mit einem entscheidenden Vorteil: dem Preis. Eine Matter-fähige Thread-Glühbirne von IKEA kostet unter 15 Euro. Eve Energy liegt bei 40 Euro. Das ist kein kleiner Unterschied – das ist der Unterschied zwischen Massentauglichkeit und Enthusiasten-Nische.

Allerdings: Bei der App-Qualität und dem Update-Support liegt IKEA noch hinter Eve und Philips zurück. IKEA-Software ist… naja. Funktional, aber nicht elegant. Wer eine komplexe Smart-Home-Automatisierung plant, wird früher oder später zu Home Assistant greifen wollen.

Für jene, die sich mit der technischen Seite von Home Assistant noch nicht beschäftigt haben: Matter macht den Einstieg in das eigene Smart Home deutlich einfacher als noch vor zwei Jahren – und IKEA ist dabei ein guter Startpunkt.

Was Mieter und Eigentümer jetzt wissen müssen

Eine Frage, die in den Kommentaren immer wieder auftaucht: Funktioniert das alles auch zur Miete? Kurze Antwort: größtenteils ja. Die meisten IKEA Matter-Geräte sind steckerbasiert oder in Leuchten integriert – keine baulichen Veränderungen nötig.

Anders sieht es bei der Rollladensteuerung aus. Einbau bedeutet in der Regel: Rücksprache mit der Vermieterschaft. Das gilt für alle Anbieter, nicht nur für IKEA.

Wer komplett auf Mietfreundlichkeit setzt, greift zu den Steckdosen, Glühbirnen und Sensoren. Damit lässt sich bereits ein überraschend vollständiges Smart Home aufbauen – Lichtszenen, Anwesenheitssteuerung, Energiemonitoring. Kein Elektriker, keine Genehmigung, keine Diskussion mit der Hausverwaltung.

DIRIGERA Hub: Braucht man ihn noch?

Gute Frage. Offiziell empfiehlt IKEA den DIRIGERA Hub (ca. 60 Euro). Technisch gesehen ist er für reine Matter-over-Thread-Geräte nicht zwingend notwendig – wenn bereits ein Apple TV 4K oder ein HomePod mini im Netzwerk ist, der als Thread Border Router agiert.

Praktisch sieht es aber oft anders aus. Wer noch ältere TRÅDFRI-Geräte im Einsatz hat (Zigbee-basiert), braucht den Hub als Bridge. Und die IKEA-App funktioniert ohne DIRIGERA eingeschränkt. Also: Wer komplett neu einsteigt, kann theoretisch ohne DIRIGERA auskommen. Wer aber eine gemischte Umgebung betreibt, wird ihn früher oder später brauchen.

Unser Rat bei digital-magazin.de: Den DIRIGERA-Hub als Starterpunkt akzeptieren, aber mittel- bis langfristig in Richtung Home Assistant denken. Der kombiniert alle Protokolle und Hersteller in einer Oberfläche – und IKEA Matter-Geräte lassen sich problemlos in Home Assistant integrieren.

Preise, Verfügbarkeit und was man realistisch erwarten darf

IKEA setzt traditionell auf aggressive Preispolitik. Die neuen Matter-Geräte folgen diesem Muster. Thread-fähige E27-Glühbirne: ca. 12-15 Euro. Steckdose mit Energiemessung: ca. 20-25 Euro. Bewegungssensor: ca. 18 Euro. Das sind Preise, die dem Smart-Home-Markt gut tun.

Der Matter-Standard ist seit Ende 2022 offiziell und hat seitdem erheblich an Reife gewonnen. Über 1.000 zertifizierte Produkte stehen inzwischen zur Verfügung – IKEA hat daran jetzt mit 21 neuen Geräten seinen Teil beigetragen.

Realistisch erwarten darf man: gute Grundfunktionalität, akzeptable App-Erfahrung, sehr gute Kompatibilität mit Matter-Controllern. Keine ausgefeilten Automationsmöglichkeiten direkt über die IKEA-App – dafür ist sie schlicht nicht gemacht.

IKEA TRÅDFRI alt vs. neu: Lohnt sich das Upgrade?

Viele Haushalte haben bereits ältere IKEA TRÅDFRI-Geräte im Einsatz – die erste Generation, die noch auf Zigbee basiert und über den alten TRÅDFRI-Gateway oder den neueren DIRIGERA Hub gesteuert wird. Die Frage, die viele umtreibt: Muss ich jetzt alles ersetzen?

Klare Antwort: nein. Die alten Zigbee-TRÅDFRI-Geräte funktionieren weiterhin über den DIRIGERA Hub. IKEA hat bewusst auf Abwärtskompatibilität geachtet – wer einen DIRIGERA Hub hat, kann darüber sowohl die alten Zigbee-Geräte als auch die neuen Thread/Matter-Geräte steuern. Das ist eine pragmatische Entscheidung, die langjährigen IKEA-Kundschaft zugutekommt.

Wo ein Upgrade sich lohnt: beim Kauf neuer Geräte. Wenn eine Glühbirne stirbt oder eine neue Steckdose benötigt wird, sollte man zur neuen Matter-fähigen Generation greifen – nicht aus Prinzip, sondern weil die Geräte schlicht besser sind: zuverlässiger, mit kürzerer Latenz und ohne die Zigbee-Interoperabilitätsprobleme der Vergangenheit.

Für die Übergangszeit gilt: DIRIGERA Hub kaufen (falls noch nicht vorhanden), altes Zigbee-Equipment daran betreiben, neue Matter-Geräte nach und nach dazukaufen. Smart-Home-Equipment ist heute auch über Online-Plattformen zu guten Preisen verfügbar – ein Vergleich lohnt sich, bevor man direkt bei IKEA kauft.

Passend zum Thema:

Integration in Apple HomeKit und Google Home ohne DIRIGERA

Hier ist etwas, das viele überrascht: Die neuen IKEA Matter-Geräte können – zumindest theoretisch – auch ohne DIRIGERA Hub direkt mit Apple HomeKit oder Google Home verbunden werden. Matter erlaubt das. Ein Apple TV 4K oder HomePod mini als Thread Border Router reicht technisch aus, um IKEA Thread-Geräte direkt einzubinden.

In der Praxis gibt es dabei eine Einschränkung: Manche IKEA-Geräte benötigen für das initiale Pairing noch den DIRIGERA Hub oder die IKEA-App. Das ist kein technisches Muss – Matter definiert einen standardisierten Pairing-Prozess – sondern eine Entscheidung von IKEA. Ob und wann IKEA das vollständig öffnet, bleibt abzuwarten.

Google-Home-Nutzende haben es etwas einfacher: Der Google Nest Hub der zweiten Generation ist ebenfalls ein Thread Border Router, und IKEA Matter-Geräte können darüber eingebunden werden. Das macht das IKEA-Ökosystem für Android-Nutzende deutlich attraktiver als bisher.

Was definitiv ohne Einschränkungen funktioniert: die Einbindung über Home Assistant. Die Aqara und IKEA Integrationen sind in Home Assistant erstklassig gepflegt und ermöglichen vollständige lokale Steuerung. Wer Matter-Geräte über Home Assistant steuert, profitiert von der besten Flexibilität.

Was bleibt?

IKEAs Matter-Offensive ist kein Hype. 21 neue Geräte, Thread-native, Matter-zertifiziert, zu Preisen, die das Thema in die Mitte der Gesellschaft bringen – das ist relevant. Nicht für die Technikelite, die schon längst Home Assistant betreibt. Sondern für die breite Masse, die bisher noch keinen Grund hatte, sich ernsthaft mit Smart Home zu beschäftigen.

Wenn IKEA das mit der gleichen Konsequenz weitertreibt wie im Möbelbereich, wird es 2026 noch interessanter. Und für alle, die gerade erst anfangen: IKEAs neue Matter-Geräte sind ein sehr solider Einstiegspunkt. Preiswert, weit verbreitet, und – das ist das Entscheidende – nicht in ein geschlossenes Ökosystem eingesperrt.

Hand aufs Herz: Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet IKEA einer der wichtigsten Treiber für offene Smart-Home-Standards werden würde?

Für alle, die jetzt neugierig sind und wissen wollen, was die neuesten Matter-Entwicklungen bei anderen Herstellern bedeuten: Der Standard entwickelt sich monatlich weiter. IKEA ist dabei nicht der einzige Spieler, aber aktuell einer der lautstärksten – und das mit gutem Grund. Die Kombination aus Preis, Verfügbarkeit und Marken-Reichweite macht IKEA zu dem Hersteller, der Matter in die breite Öffentlichkeit trägt. Das ist ein Dienst an der gesamten Smart-Home-Community – auch wenn IKEA das sicher nicht so formulieren würde.

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