So geht betriebliche Gesundheitsförderung im 21. Jahrhundert

Ein Gastartikel von Thomas Kirchner, Gründer des Münchner Startups Senseble Health

So geht betriebliche Gesundheitsförderung im 21. Jahrhundert | digital-magazin.de
Thomas Kirchnerhttps://www.senseble.de/
Thomas Kirchner ist Gründer des Münchner Startups Senseble Health. Zuvor war er Mitgründer der digitalen Therapie App Kaia Health. Menschen für einen gesunden Lebensstil zu begeistern, ist nicht nur seine Arbeit, sondern vor allem seine Leidenschaft.

Viele Jahre galt ein Programm zur Förderung der Mitarbeitergesundheit in zahlreichen deutschen Unternehmen als „Nice-to-have“, aber keineswegs als unverzichtbares Element für eine zukunftsfähige Organisation. Diese Zeiten scheinen vorüber, denn aktuell rückt das Thema auf der innerbetrieblichen Prioritätenliste immer weiter nach oben.

Diese Zeiten scheinen vorüber, denn aktuell rückt das Thema auf der innerbetrieblichen Prioritätenliste immer weiter nach oben. Und das nicht, weil es keine anderen Themen gibt, die im täglichen Kampf um wertvolle Marktanteile gerade wichtig wären.

Vielmehr setzt sich in Unternehmen die Erkenntnis durch, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden jedes Mitarbeiters maßgeblich mit den Interessen des Unternehmens in Zusammenhang stehen. Und eben diese Gesundheit gerät durch die steigende Dynamik der Arbeitswelt und die damit verbundenen Anforderungen in Bedrängnis.

Die gute Nachricht ist, Unternehmen stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, um den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter zu fördern. Allein die Maßnahme an sich ist bereits eine Form der Wertschätzung und wirkt sich positiv auf den empfundenen Gesundheitszustand des Einzelnen aus, wie eine Studie der DGB zeigt.

Wer allerdings das meiste aus dem Thema Mitarbeitergesundheit herausholen will, der sollte es vom einfachen Employee Benefit zum integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie machen.

Digitale trifft auf analoge Gesundheitsförderung

In der betrieblichen Gesundheitsförderung wurde über viele Jahre fast ausschließlich mit analogen Werkzeugen gearbeitet. Dabei prägten Präsenzveranstaltungen wie Nicht-Raucher-Seminare oder der klassische Rückenkurs maßgeblich das Angebot.

Nur eher zögerlich haben digitale Elemente Einzug in das innerbetriebliche Gesundheitsangebot erhalten. Dabei gibt es durchaus gute Gründe dafür, sich die digitalen Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung etwas genauer anzusehen.

Denn während Präsenzveranstaltungen meist zu einer festen Zeit vor Ort im Unternehmen stattfinden, lassen sich digitale Angebote zeitlich und örtlich deutlich flexibler in den Alltag jedes Einzelnen integrieren. Zudem können die Maßnahmen einen größeren Kreis an Mitarbeitern gleichzeitig zur Verfügung gestellt werden – dank automatisierter Prozesse oft sogar kostengünstiger.

Unternehmen, welche die Vorteile digitaler Maßnahmen in den letzten Jahren noch unterschätzt haben, wurden spätestens zu Beginn der COVID-19 Pandemie überzeugt. Denn von heute auf morgen war die Durchführung von Offline-Veranstaltungen in Unternehmen über Wochen und Monate schlichtweg nicht mehr möglich. Als Folge dessen wirkt die Pandemie auch in der betrieblichen Gesundheitsförderung wie ein Brandbeschleuniger auf die Digitalisierung. Dienstleister die schon zuvor auf digitale Modelle setzten, konnten sich einer hohen Nachfrage erfreuen. Anbieter, die zuvor den Fokus auf Offline-Maßnahmen gelegt hatten, waren gezwungen möglichst schnell nachzuziehen, um zumindest Teile ihres Angebots auch über den digitalen Weg anbieten zu können.

Homeoffice in Zeiten der Pandemie

Wie eine aktuelle Studie des Verbandes Bitkom zeigt, werden auch nach der Pandemie sehr viel mehr Menschen im Homeoffice arbeiten als zuvor. So ergab die Studie, dass mehr als jeder Dritte (35 Prozent) den eigenen Arbeitsort auch in der Zukunft flexibel wählen wird. Eines scheint also sicher: Digitale Angebote werden auch in Zukunft fester Bestandteile der gesundheitsfördernden Maßnahmen bleiben, um so alle Mitarbeiter der Belegschaft erreichen zu können, egal von wo aus diese gerade arbeiten.

Der persönliche Austausch wird bleiben

Unabhängig davon, ob es sich um On- oder Offline Maßnahmen handelt, wird der persönliche Austausch von Mensch zu Mensch in der betrieblichen Gesundheitsförderungen weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. Es greift zu kurz, wenn man davon ausgeht, dass man allein mit Bots und Algorithmen alle Menschen gleichermaßen betreuen und ihnen damit zu einem gesünderen Leben verhelfen kann. Wenn die Förderung von Gesundheit so einfach wäre, dann würden wir uns bereits heute mit deutlich weniger gesundheitlichen Problemen konfrontiert sehen.

Gerade diejenigen, die von gesundheitlichen Hilfestellungen am meisten profitieren, erreicht man oftmals besser dann, wenn man sie über den persönlichen Kontakt anspricht.  Und das gelingt eben am besten, wenn „echte Menschen“ involviert sind. Denn der Kontakt von Mensch zu Mensch schafft Vertrauen, motiviert und ist damit für viele die ideale Grundlage, um für die eigene Gesundheit aktiv zu werden.

Die erfolgreichen Programme der Zukunft werden deshalb diejenigen sein, die es schaffen die Vorteile digitaler Inhalte mit den persönlichen, zwischenmenschlichen Beziehungen zu vereinen. So entsteht Gesundheitsförderung die Wertschätzung vermittelt und gleichzeitig immer dort zur Verfügung steht, wo sie gerade in den flexibel gestalteten Alltag passt.

Relevanz durch Individualisierung

Ein weiterer Aspekt, der in der betrieblichen Gesundheitsförderung der Zukunft ein zentraler Erfolgsfaktor sein wird, ist die Anpassbarkeit des Angebots an die individuellen Ziele und Bedürfnisse des Einzelnen.

Fragt man fünf unterschiedliche Personen, was Gesundheit für sie bedeutet, erhält man sehr wahrscheinlich fünf verschiedene Antworten. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Gesundheit ist ein sehr persönliches und individuelles Thema. Während die einen an ihrer körperlichen Fitness arbeiten und dabei ausdauernder, stärker oder beweglicher werden möchten, haben andere vielleicht Schmerzen – im Rücken oder den Gelenken – und sind auf der Suche nach Wegen, diese wieder zu lindern.

Wiederum andere interessieren sich mehr für die Fragen einer gesunden Ernährung und wie sie das ein oder andere Kilo gesund und nachhaltig loswerden können. Oder sie suchen nach Möglichkeiten zum richtigen Umgang mit Stress und fragen sich wie es gelingen kann die innere Balance zu wahren, auch wenn es im Alltag mit all den privaten und beruflichen Themen mal etwas zu hektisch wird.

Blickt man allein auf diesen kleinen Auszug an relevanten Themen und zieht dann noch in die Betrachtung mit ein, dass sich die Mitarbeiter demografisch immer stärker unterscheiden, sich in unterschiedlichen Lebenssituationen befinden und über einen unterschiedlichen Kenntnisstand verfügen, dann wird recht schnell klar: eine One-Size-Fits-All-Lösung kann hier nicht einwandfrei funktionieren.

Nur wenn der Einzelne die passende Unterstützung für seine individuellen Bedürfnisse und Ziele erhält, können die Maßnahmen der Gesundheitsförderung überhaupt greifen.

Genau hier liegt das Erfolgsrezept für die betriebliche Gesundheitsarbeit der Zukunft. Es kann nicht nur darum gehen ein möglichst großes Angebot zu schaffen und alles auf digitale Maßnahmen umzustellen. Vielmehr geht es darum zu analysieren, wie die individuellen Bedürfnisse der eigenen Belegschaft aussehen und wie man es schafft, jedem Einzelnen das Angebot verfügbar zu machen, das für ihn relevant ist.

Unternehmen denen diese Aufgabe gelingt, schaffen einen Rahmen für eine gesunde und leistungsfähige Organisation und damit die Grundlage, um im immer schnelleren, globalen Innovationsrennen Schritt halten zu können.

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