Komm mir nicht zu nah – mehr Digitalisierung durch das Coronavirus

Das Coronavirus führt schon jetzt zu einer Zunahme digitaler Prozesse und Arbeitsweisen. Immer mehr Menschen meiden den Kontakt zu anderen und ziehen sich bei ihrer Arbeit ins Home Office zurück.  Zudem finden aktuell zahlreiche Großevents nicht statt, die sich stattdessen in den digitalen Raum zurückziehen. Es ist davon auszugehen, dass aus solchen Vorsichtsmaßnahmen mit der Zeit Gewohnheiten werden. Andersherum beschleunigt die Digitalisierung jedoch auch die Angst der Menschen vor dem Virus und seinen fatalen Auswirkungen.

Digitales Arbeiten und Einkaufen nimmt zu

Aktuell beherrscht das Coronavirus sämtliche Medien und Berichterstattungen. Das hat Auswirkungen auf die Menschen und ihre Art zu leben. So fürchten sich immer mehr Leute davor, mit anderen in Kontakt zu treten, weil sie Angst haben, sich anzustecken. Wer kann, zieht sich ins Home Office zurück, wer nicht kann, meidet im Büro – und vor allem auf dem Weg dorthin – jeden persönlichen Kontakt. War es früher schon bequemer, Dinge per Mail oder Telefon zu klären, so nimmt die Digitalisierung der Kommunikation aktuell erst recht zu. Die Unternehmen selbst ergreifen Maßnahmen, um sich auf die momentane und auf zukünftige Krisen einzustellen. So setzen viele Betriebe beispielsweise auf den Einsatz von KI, damit im Bedrohungsfall die Produktion und grundlegende Arbeitsprozesse weiterlaufen können.

Im Privatbereich meiden die Menschen ebenfalls persönliche Kontakte stark. So verzichten immer mehr Menschen auf Barzahlungen, weil sie sich vor den Erregern auf den Münzen und Geldscheinen fürchten. Kontaktloses und bargeldloses Zahlen gewinnt daher an Bedeutung. Andere meiden den Gang in den Supermarkt komplett und kaufen lieber ganz bequem im Onlinehandel ein. Hier setzen viele verstärkt auf regionale Produkte, da sich heutzutage kaum jemand noch Pakete aus China oder Norditalien zuschicken lässt. Zudem gewinnen, wie in der Geschäftswelt, auch im privaten Bereich Videokonferenzen und Chats an Bedeutung, da der persönliche Kontakt als zu riskant eingestuft wird.

Konferenzen finden immer häufiger digital statt

Im Rahmen der Corona-Epidemie wurden bereits verschiedene Großveranstaltungen abgesagt. Neben diversen Karnevalsfeiern zählt hierzu auch die ITB in Berlin. Wenn Menschen aus aller Welt zusammenkämen, um gemeinsam zu feiern oder sich die Entwicklungen ihrer Branche vorzustellen, sei das aktuell viel zu gefährlich. Eine akute Ansteckungsgefahr könne nicht verhindert werden, weswegen die Events im Namen der Sicherheit abgesagt würden. So die Begründung der Entscheidungsträger, die für die Absage der Veranstaltungen verantwortlich sind.

Für die Unternehmen bedeutet das, dass sie sich neue Kanäle suchen müssen, um ihre Entwicklungen zu präsentieren und vorzustellen. Schon jetzt weichen viele Firmen auf digitale Medienkanäle aus, um zumindest in Teilen in Kontakt mit der Zielgruppe zu treten. Die verschiedenen Neuheiten werden nun in einer digitalen, vom Coronavirus geschützten Umgebung vorgestellt und besprochen. Außerdem werden Krisenpläne entwickelt, wie zu reagieren ist, wenn sich eine vergleichbare Situation wieder einmal einstellen sollte.

Aus Vorsorge wird Gewohnheit

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn die Corona-Epidemie die Welt also noch eine Weile in Atem hält, kann es durchaus sein, dass die digitalen Kanäle zum Regelfall werden und keine Ausnahmeerscheinung mehr bleiben. Wenn die Firmen in der digitalen Welt ähnlich gute Erfolge erzielen wie bei der Präsenz auf Messen und Ausstellungen, warum sollten sie in die teuren Messehallen zurückkehren? Wenn die Beschäftigten im Home Office ähnlich produktiv arbeiten wie im Büro, hierbei aber entspannter und kreativer sind, warum sollte man sie zurückholen? Wenn sich das digitale Einkaufen bewährt und im Vergleich zum Shopping vor Ort keine nennenswerten Mehrkosten verursacht, warum sollte man noch nach draußen gehen? Es ist also durchaus möglich, dass die digitale Transformation unserer Gesellschaft durch die Ausnahmesituation Corona zum Normalfall wird.

Selbstverständlich hätten solche Entwicklungen auch stattgefunden, wenn die Epidemie nicht aufgetreten wäre. Schon in den letzten Jahren war in vielen Betrieben eine Tendenz zu mehr Digitalisierung zu erkennen. Die Entwicklungen werden durch die aktuelle Situation aber definitiv beschleunigt. Die Unternehmen erkennen, welche Risiken sie eingehen, wenn sie keine Digitalstrategie besitzen und im Ernstfall nicht auf alternative Arbeitsweisen und Vertriebskanäle ausweichen können. Vielen wird erst jetzt klar, welche Bedeutung die digitale Transformation für ihr wirtschaftliches Überleben hat. Entsprechend dürften in den kommenden Monaten zahlreiche Maßnahmen zur digitalen Transformation einzelner Bereiche eingeleitet werden.

Die Digitalisierung treibt die Corona-Panik voran

Es ist zu beobachten, dass sich die Corona-Panik durch die Digitalisierung ebenfalls beschleunigt. Noch nie fiel es Menschen so leicht wie heute, sich Informationen zu einem Thema zu besorgen und den Diskurs dazu zu verfolgen. Gleichzeitig kamen die Menschen aber auch noch nie so leicht in Kontakt mit Verschwörungstheorien und Falschmeldungen. In der digitalen Welt dominieren oft genug emotionsgeladene Diskussionen, bei denen Fakten keine oder nur eine unbedeutende Rolle spielen. Klicks werden vor allem durch Artikel generiert, die Emotionen ansprechen. Sachliche Berichterstattung ist in der digitalen Welt nur eines von vielen Angeboten.

Und so treibt die Digitalisierung die Angst vor Corona kontinuierlich voran. Über die sozialen Netzwerke tauschen sich die Menschen weltweit in Rekordzeit aus und jede noch so leise Stimme aus Hintertupfing bekommt auf einmal Gehör und tritt mit der ganzen Welt in Kontakt. Schnell passiert es so, dass sich eine unbegründete Panik in der digitalen Welt verbreitet und nach nicht allzu langer Zeit in die reale Welt überschwappt. Umso wichtiger ist es, Informationen in der digitalen Welt genau zu hinterfragen und klare Spielregeln aufzustellen, wie das digitale Miteinander ablaufen soll. Dies ist eine der größten Herausforderungen, die die digitale Transformation mit sich bringt.

 

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Patrick Tarkowski
Patrick Tarkowski
Patrick Tarkowski ist studierter Germanist und Anglist und arbeitet bereits seit 2008 als Autor für Onlineshops und Unternehmen. Er ist in ganz unterschiedlichen Themengebieten beheimatet, kennt sich aber speziell in den Bereichen E-Commerce, Online Marketing, Familie und Erziehung sowie SEO aus. Neben Fachtexten schreibt er eigene E-Books, Theaterstücke und Romane und entwickelt Unterrichtsmaterialien.
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