Sie haben Ihre Lampen noch nie per Sprachbefehl gesteuert. Ihre Heizung kennt keinen Zeitplan. Und der Gedanke, dass Ihr Zuhause „mitdenkt“, klingt nach Science-Fiction. Dabei ist der Einstieg ins Smart Home 2026 so einfach wie nie – wenn Sie auf das richtige System setzen. Home Assistant ist dieses System.
Mal ehrlich: Die meisten Smart-Home-Lösungen nerven. Alexa versteht Sie falsch. Google Home braucht ständig Internet. Und bei jedem Hersteller eine eigene App? Das überfordert selbst technikaffine Menschen. Home Assistant geht einen anderen Weg. Die Open-Source-Plattform verbindet über 2.000 verschiedene Geräte – herstellerunabhängig, ohne Cloud-Zwang und mit einer Privatsphäre, die Sie selbst kontrollieren.
Wir bei digital-magazin.de haben uns Home Assistant in der Version 2026.1 genauer angeschaut. Was unterscheidet es von kommerziellen Lösungen? Was brauchen Sie wirklich für den Start? Und lohnt sich der Aufwand überhaupt? Dieser Guide beantwortet alle Fragen – von der Hardware-Auswahl bis zur ersten Automatisierung.
Home Assistant ist eine kostenlose Smart-Home-Zentrale, die auf Ihrer eigenen Hardware läuft. Keine monatlichen Gebühren. Keine Abhängigkeit von Cloud-Diensten. Alle Daten bleiben bei Ihnen. Das klingt technisch? Ist es auch – aber genau das macht den Reiz aus.
Stellen Sie sich vor: Ihre Philips-Hue-Lampen, der Shelly-Schalter, das Aqara-Thermometer und die Ikea-Rollos arbeiten plötzlich zusammen. Nicht weil die Hersteller sich geeinigt haben, sondern weil Home Assistant als Übersetzer fungiert. Das System spricht praktisch jede Smart-Home-Sprache – von Zigbee über Z-Wave bis zum brandneuen Matter-Standard.
Die aktuelle Version 2026.1 bringt ein komplett überarbeitetes Dashboard mit. Sogenannte Summary Cards zeigen auf einen Blick: Wie viele Lichter brennen? Welche Temperatur hat das Wohnzimmer? Ist die Alarmanlage scharf? Das neue Design wurde speziell für die mobile Nutzung optimiert – ein Kritikpunkt, den ältere Versionen definitiv verdienten.
Die gute Nachricht zuerst: Sie müssen kein Vermögen ausgeben. Ein solides Einsteiger-Setup gibt es bereits unter 100 Euro. Aber der Reihe nach.
Der Raspberry Pi 5 ist der Klassiker unter den Home-Assistant-Plattformen. Kostenpunkt: etwa 50 bis 80 Euro, je nach RAM-Ausstattung. Dazu eine SSD für rund 25 Euro – und schon haben Sie einen vollwertigen Smart-Home-Server. Der Haken: Sie müssen das Betriebssystem selbst installieren. Das dauert etwa eine Stunde und erfordert ein wenig Geduld.
Für wen ist das geeignet? Für alle, die gerne an Technik schrauben. Wer sich vor einer Kommandozeile fürchtet, sollte weiterlesen.
Seit Januar 2026 kostet der Home Assistant Green rund 139 Euro. Das kleine grüne Kästchen ist sofort einsatzbereit. Auspacken, Netzwerkkabel anschließen, fertig. Im Inneren arbeiten 4 GB RAM und 32 GB Speicher – ausreichend für die meisten Haushalte.
Hand aufs Herz: Wenn Sie wenig Zeit haben und einfach loslegen wollen, ist das die beste Wahl. Die Preiserhöhung im Vergleich zum Vorjahr schmerzt zwar etwas, aber die gesparte Zeit macht den Aufpreis wett.
Gebrauchte Mini-PCs mit Intel-Prozessor gibt es ab 80 Euro. Sie bieten deutlich mehr Rechenpower als ein Raspberry Pi und eignen sich für größere Installationen mit hunderten Geräten. Gerade Unternehmen, die IT-Resilienz ernst nehmen, setzen auf solche leistungsfähigen Systeme. Allerdings: Der Stromverbrauch liegt höher, und die Einrichtung ist komplexer.
Home Assistant allein steuert noch keine Lampen. Dafür brauchen Sie einen Funkadapter. Zigbee ist das verbreitetste Protokoll – günstig, stromsparend und mit tausenden kompatiblen Geräten.
Die Empfehlung für Einsteigende? Der Sonoff Zigbee 3.0 USB Dongle für etwa 15 bis 20 Euro. Günstig, zuverlässig und von der Community bestens dokumentiert. Wer gleich Matter und Thread nutzen will, greift zum SkyConnect für circa 30 Euro – er unterstützt alle aktuellen Standards.
Hier scheiden sich die Geister. Home Assistant lässt sich auf verschiedene Arten installieren. Für Einsteigende gibt es eigentlich nur eine vernünftige Antwort: HAOS.
HAOS steht für Home Assistant Operating System. Es ist ein komplettes Betriebssystem, das ausschließlich für Home Assistant entwickelt wurde. Updates? Ein Klick. Backups? Automatisch. Erweiterungen? Über den integrierten Add-on Store.
Der Nachteil: Sie können auf dem Gerät nichts anderes laufen lassen. Wer parallel einen Medienserver oder eine Nextcloud betreiben will, braucht zusätzliche Hardware.
Docker ist eine Container-Technologie, die Home Assistant isoliert auf einem bestehenden Linux-System ausführt. Das spart Hardware, weil Sie mehrere Dienste auf einem Rechner bündeln können. Der Preis: mehr Komplexität, mehr potenzielle Fehlerquellen und deutlich mehr Zeitaufwand bei Problemen.
Mein Rat? Fangen Sie mit HAOS an. Wirklich. Selbst erfahrene Nutzende schwören auf die Stabilität dieser Variante. Docker können Sie später immer noch ausprobieren.
Eine Frage, die in Foren heiß diskutiert wird. Beide Optionen verbinden Ihre Zigbee-Geräte mit Home Assistant. Die Unterschiede sind feiner, als viele denken.
ZHA (Zigbee Home Automation) ist direkt in Home Assistant integriert. Kein zusätzlicher Dienst, keine separate Konfiguration. Sie stecken den USB-Stick ein, wählen ZHA in den Einstellungen – und los geht’s. Für standardkonforme Geräte funktioniert das hervorragend.
Zigbee2MQTT läuft separat und kommuniziert über das MQTT-Protokoll mit Home Assistant. Das klingt umständlicher, hat aber Vorteile: breitere Geräteunterstützung, ein eigenes Dashboard mit Netzwerkvisualisierung und mehr Unabhängigkeit von Home-Assistant-Updates.
Kennen Sie das? Sie kaufen ein günstiges Zigbee-Gerät von Tuya oder Sonoff, und es wird nicht erkannt. Mit Zigbee2MQTT passiert das seltener, weil die Community dort schneller neue Geräte hinzufügt.
Für den Einstieg empfehle ich trotzdem ZHA. Es ist einfacher. Wenn Sie irgendwann an Grenzen stoßen, können Sie immer noch wechseln – die Geräte bleiben dieselben.
2024 war das Jahr der Ankündigungen. 2025 das Jahr der ersten Produkte. Und 2026? Jetzt wird Matter langsam erwachsen.
Matter ist ein herstellerübergreifender Standard, der von Apple, Google, Amazon und Samsung gemeinsam entwickelt wurde. Die Idee: Ein Gerät, das Matter unterstützt, funktioniert mit jedem Matter-Controller. Kein Inselsystem mehr.
Thread ist das Funkprotokoll, das Matter häufig als Transportschicht nutzt. Es bildet ein sogenanntes Mesh-Netzwerk – jedes Gerät kann Signale weiterleiten, was die Reichweite dramatisch verbessert.
Home Assistant 2026.1 unterstützt Matter vollständig. Sie können Matter-Geräte direkt einbinden, ohne zusätzliche Bridges oder Cloud-Dienste. Der SkyConnect-Stick funktioniert dabei als Thread-Border-Router – er verbindet Ihr Thread-Netzwerk mit dem Rest Ihres Heimnetzes.
Ist Matter schon reif für den Alltag? Ehrlich gesagt: Es hakt noch. Manche Geräte verlieren die Verbindung, Updates sind kompliziert, und die Einrichtung erfordert Geduld. Aber die Richtung stimmt. In ein bis zwei Jahren dürfte Matter der Standard sein.

Jetzt wird es spannend. Automatisierungen sind das Herzstück von Home Assistant. Sie definieren: Wenn X passiert, dann mache Y.
Der Klassiker. Ein Bewegungssensor im Flur. Wenn jemand vorbeigeht, geht das Licht an. Nach fünf Minuten ohne Bewegung: aus.
Dafür brauchen Sie: einen Zigbee-Bewegungssensor (ab 10 Euro) und eine smarte Lampe. In Home Assistant erstellen Sie eine Automatisierung mit dem Trigger „Bewegung erkannt“ und den Aktionen „Licht ein“ und „Licht aus nach 5 Minuten“.
Morgens um 6 Uhr aufheizen. Tagsüber auf 18 Grad halten. Abends auf 21 Grad erhöhen. Nachts runter auf 16 Grad. Das spart Energie und Sie frieren trotzdem nicht.
Hilfreich ist hier ein Temperatursensor im jeweiligen Raum. Kombiniert mit einem smarten Thermostat-Ventil (ab 25 Euro) entsteht ein System, das sich nach Ihren Bedürfnissen richtet – nicht nach einem starren Schema.
Ein Druck auf den Knopf neben dem Bett: Alle Lichter aus. Alle Rollläden runter. Alarmanlage scharf. Das geht mit einer sogenannten Szene, die mehrere Aktionen bündelt.
Home Assistant kann erkennen, ob jemand zu Hause ist – über das Smartphone, GPS oder Netzwerkgeräte. Wenn niemand da ist: Heizung runter, Lichter aus, Staubsauger-Roboter los.
Vorsicht: Datenschutz! Diese Funktion erfordert, dass Home Assistant Zugriff auf Standortdaten bekommt. Überlegen Sie sich gut, ob Sie das wollen. Gerade bei smarten Heimsystemen sollten Sie auf Sicherheit achten – denn jedes vernetzte Gerät ist ein potenzielles Einfallstor.
Der Weg zum funktionierenden Smart Home ist gepflastert mit Frustrationen. Einige lassen sich leicht umgehen.
Fehler 1: Zu viel auf einmal
Kaufen Sie nicht gleich 20 Geräte. Starten Sie mit zwei oder drei. Verstehen Sie, wie alles zusammenhängt. Erweitern Sie dann schrittweise.
Fehler 2: Kein Backup
Home Assistant bietet automatische Backups. Aktivieren Sie sie. Ein Stromausfall, ein Update-Fehler – und ohne Backup beginnen Sie bei null.
Fehler 3: Funk-Chaos
Zigbee und WLAN mögen sich nicht. Beide funken gerne auf 2,4 GHz. Halten Sie den Zigbee-Stick mindestens zwei Meter vom Router entfernt, am besten mit einem USB-Verlängerungskabel.
Fehler 4: Keine Router-Geräte
Zigbee-Netzwerke brauchen sogenannte Router – Geräte, die Signale weiterleiten. Batteriesensoren können das nicht. Smarte Steckdosen oder Lampen schon. Planen Sie ein paar davon zwischen Ihre Sensoren.
Einer der größten Vorteile von Home Assistant ist die lokale Kontrolle. Aber manchmal braucht man doch Zugriff von unterwegs. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten.
Nabu Casa: Der offizielle Cloud-Dienst der Home-Assistant-Entwickelnden. Für etwa 7,50 Euro im Monat bekommen Sie sicheren Fernzugriff, Sprachsteuerung über Google und Alexa sowie automatische SSL-Zertifikate. Der Vorteil: keine Netzwerkkonfiguration nötig. Der Nachteil: monatliche Kosten.
VPN: Wer technisch versiert ist, richtet einen VPN-Tunnel zum Heimnetzwerk ein. Kostenlos, aber mit Einrichtungsaufwand verbunden.
Reverse Proxy: Fortgeschrittene Nutzende setzen auf nginx oder Traefik, um Home Assistant direkt erreichbar zu machen. Funktioniert, erfordert aber fundierte Netzwerkkenntnisse und ein Sicherheitsbewusstsein.
Für Einsteigende? Nabu Casa ist den Preis wert. Sie unterstützen damit auch die Weiterentwicklung des Projekts.
Zeit für konkrete Zahlen. Hier drei Beispielkonfigurationen.
Dazu kommen natürlich die Smart-Home-Geräte selbst. Ein Zigbee-Bewegungssensor kostet 10 bis 15 Euro. Eine smarte Steckdose 12 bis 20 Euro. Thermostatventile gibt es ab 25 Euro. Für eine Grundausstattung sollten Sie nochmal 50 bis 100 Euro einplanen.

Jedes vernetzte Gerät ist ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Das klingt dramatisch, ist aber die Realität. Die gute Nachricht: Home Assistant minimiert viele Risiken von Haus aus, weil es lokal läuft und nicht auf Cloud-Server angewiesen ist.
Trotzdem gibt es Punkte, die Sie beachten sollten. Verwenden Sie starke Passwörter – für Ihr WLAN, für Home Assistant selbst und für jeden Dienst, den Sie anbinden. Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung, falls verfügbar. Und halten Sie Ihre Firmware aktuell – sowohl bei Home Assistant als auch bei allen angeschlossenen Geräten.
Ein oft unterschätztes Thema: das Gastnetzwerk. Viele Router bieten die Möglichkeit, ein separates Netzwerk für IoT-Geräte einzurichten. So bleibt Ihr Hauptnetzwerk geschützt, selbst wenn ein smartes Gerät kompromittiert wird. Das Internet der Dinge bringt eben nicht nur Komfort, sondern auch Verantwortung mit sich.
Bei Kameras und Mikrofonen wird es besonders heikel. Überlegen Sie genau, welche Geräte Sie wirklich brauchen. Eine Türklingel mit Kamera kann sinnvoll sein – aber muss es gleich eine Überwachungskamera in jedem Raum sein? Weniger ist oft mehr, gerade beim Thema Privatsphäre.
Eine berechtigte Frage. Die kurze Antwort: Ja – wenn Sie bereit sind, etwas Zeit zu investieren.
Home Assistant ist kein Fertigprodukt wie Philips Hue oder Apple HomeKit. Es ist ein Werkzeugkasten. Mächtig, flexibel, aber mit einer Lernkurve. Die ersten Stunden werden Sie fluchen. Ab Tag drei beginnt es Spaß zu machen. Nach einer Woche fragen Sie sich, wie Sie jemals ohne leben konnten.
Was Sie gewinnen: völlige Kontrolle. Keine Abhängigkeit von Cloud-Diensten. Keine Angst, dass ein Hersteller pleitegeht und Ihre Geräte zu Elektroschrott werden. Und ein System, das mit Ihren Ansprüchen wächst – vom ersten Bewegungssensor bis zur vollautomatisierten Villa.
Das Team von digital-magazin.de beobachtet die Entwicklung von Home Assistant seit Jahren. Die Version 2026.1 ist die bisher zugänglichste. Wer mit Smart Home anfangen will, findet hier einen soliden Einstiegspunkt. Nicht perfekt, aber verdammt nah dran.
Sie haben zwei Möglichkeiten. Weiterlesen, recherchieren, abwägen. Oder einfach anfangen. Bestellen Sie einen Home Assistant Green und einen Sonoff-Stick. Installieren Sie alles an einem Samstagvormittag. Und in drei Stunden steuern Sie Ihre erste Lampe per Smartphone.
Smart Home ist kein Hexenwerk. Es ist auch keine Spielerei für Nerds. Es ist ein Teil dessen, was das Internet der Dinge eigentlich sein sollte: Technologie, die Ihren Alltag einfacher macht. Home Assistant bringt diese Vision nach Hause – ohne Kompromisse bei Datenschutz oder Kontrolle.
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