Anna Meier 
Stellen Sie sich vor: Sie erinnern sich an einen Satz aus einem Artikel, den Sie vor zwei Wochen gelesen haben – aber nicht mehr, wo. Normalerweise wäre dieser Gedanke verloren. Mit der Rewind App ist er es nicht mehr. Das digitale Gedächtnis für Ihr Smartphone verspricht, wirklich alles durchsuchbar zu machen – lokal, ohne Cloud, mit KI-gestützter Semantiksuche.
Rewind ist eine KI-gestützte Anwendung, die alles aufzeichnet, was auf Ihrem Bildschirm passiert. Jeder Klick, jede Suche, jede E-Mail, jedes Dokument – durchsuchbar in Sekunden. Kein Cloud-Upload, alles lokal auf dem eigenen Gerät. Das klingt nach einem Traum für alle, die täglich mit Informationsflut kämpfen. Aber ist es das wirklich? Ich habe die App einem ausführlichen Praxistest unterzogen und teile hier meine ehrlichen Eindrücke – inklusive der Dinge, die mich überrascht haben, und der Punkte, bei denen ich skeptisch geblieben bin.
Die App funktioniert wie ein digitaler Schatten, der im Hintergrund kontinuierlich aufzeichnet, was auf Ihrem Gerät passiert. Und zwar nicht als simples Video, sondern als strukturierte, KI-ansprechbare Daten. Das bedeutet konkret: Sie können in natürlicher Sprache danach suchen – nicht nach Schlagwörtern, sondern nach Kontext, nach Bedeutung, nach dem, was Sie wirklich meinen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Sie erinnern sich an einen Satz über die Finanzierung einer Startup-Runde, den Sie vor drei Tagen in einem Artikel gelesen haben. Sie wissen nicht mehr, auf welcher Website das war, nicht mehr, wie der Titel lautete. Aber Sie erinnern sich an den Inhalt. Bei Rewind geben Sie ein: „Finanzierung Startup Runde Serie A“ – und die KI versteht, was Sie suchen. Sie spielt Ihnen den richtigen Screenshot, das richtige Dokument, die richtige Unterhaltung aus. Das klappt erstaunlich gut, solange die gesuchte Information nicht zu weit in der Vergangenheit liegt.
Das Team hinter Rewind hat sich vorgenommen, ein Gedächtnis für den gesamten digitalen Lebensraum zu bauen. Ihr Ansatz ist konsequent auf Datenschutz ausgerichtet: Die Daten verlassen das Gerät nicht. Das ist ein klarer Pluspunkt gegenüber Cloud-basierten Lösungen wie dem Apple-eigenen Visual Look Up oder Googles Activity Recognition – und ein Argument, das in Zeiten wachsender Datenschutzdebatten mehr Gewicht bekommt als früher. Wer sich für das Thema digitale Identität und Sicherheit interessiert, findet bei unserem Beitrag über Passkeys und das Ende der Passwörter einen sinnvollen Einstieg in die größere Diskussion.
Die Technologie hinter Rewind ist nicht neu. Was sie aktuell so relevant macht, ist die Kombination aus drei Dingen: ausgereiften KI-Modellen für semantisches Verstehen, lokalem Speicher auf modernen Mobilgeräten und einem wachsenden Bewusstsein der Menschen für digitale Souveränität. Diese drei Faktoren zusammen ergeben ein Produkt, das in dieser Form vor fünf Jahren noch nicht möglich gewesen wäre.
Die Zeiten, in denen Nutzende bereitwillig alle Daten in die Cloud legten, sind jedenfalls vorbei – zumindest für einen wachsenden Teil der Bevölkerung. Seit den verschärften DSGVO-Regelungen und einer Welle von Datenskandalen bei großen Tech-Konzernen achten viele Menschen genauer darauf, wo ihre Daten landen. Rewind bedient dieses Bedürfnis mit einem klaren lokalen Ansatz. Das ist keine zufällige Entscheidung, sondern eine bewusste Positionierung in einem Markt, der zunehmend datenschutzbewusster wird.
Hinzu kommt: Die KI-Modelle sind heute gut genug, um den Kontext von Informationen zu verstehen – nicht nur einzelne Schlagwörter zu erkennen, sondern semantische Zusammenhänge zu erfassen. Das macht die Suchergebnisse deutlich brauchbarer als bei einfachen Volltextsuchen. Und genau das ist der Punkt, der Rewind von anderen Tools unterscheidet.
Laut einem aktuellen Bericht von Appgefahren.de ist die App mittlerweile auch für das iPhone verfügbar – ein Schritt, der die Nutzerbasis erheblich erweitern dürfte. Das iPhone-Ökosystem war bislang eine der größten Hürden für die Verbreitung, weil iOS deutlich restriktiver mit Hintergrundprozessen umgeht als macOS oder Android.
Rewind hebt sich positiv von Cloud-Lösungen ab, indem alle Daten lokal auf dem Gerät bleiben. Für Nutzende, die sich Sorgen um ihre Privatsphäre machen, ist das ein starkes Argument. Aber es wäre zu kurz gedacht, lokale Speicherung automatisch mit Datenschutz gleichzusetzen.
Wenn Sie Rewind auf einem Arbeitsrechner oder einem dienstlichen Smartphone nutzen, kann das Konflikte mit Unternehmensrichtlinien auslösen. Die Aufzeichnung aller Bildschirmaktivitäten kann gegen Betriebsvereinbarungen verstoßen oder – noch schlimmer – als Überwachungs-Tool gewertet werden. Das ist kein theoretisches Szenario. In bestimmten Arbeitsumgebungen ist das eine realistische Gefahr, die Sie ernst nehmen sollten.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat wiederholt betont, dass Transparenz über gespeicherte Daten essenziell ist – besonders bei Tools, die umfassende Aufzeichnungen führen. Nutzende sollten sich bewusst sein, dass die lokale Speicherung zwar die Cloud-Problematik umgeht, aber rechtliche Grauzonen nicht automatisch auflöst. Insbesondere in Deutschland, wo das Arbeitsrecht sehr arbeitnehmerfreundlich ist, empfiehlt sich ein kurzes Gespräch mit dem Betriebsrat oder der IT-Abteilung vor der Nutzung. Better safe than sorry.
Ein weiterer Punkt, den ich im Test aufgefallen ist: Rewind zeichnet auch Inhalte auf, die Sie vielleicht gar nicht dauerhaft speichern wollen – Bankdaten auf dem Bildschirm, vertrauliche Gesprächsnotizen, private Nachrichten. Die App lässt sich zwar konfigurieren, bestimmte Apps auszuschließen, aber diese Einstellung müssen Sie aktiv vornehmen. Wer das vergisst, hat plötzlich sehr sensible Informationen lokal gespeichert – zugänglich für jeden, der Zugriff auf das Gerät hat.

Ein Szenario, das ich im Test mehrfach erlebt habe: die schnelle Suche nach einer bestimmten E-Mail. Sie erinnern sich an den Inhalt – eine Projektanfrage, die Sie vor zwei Wochen erhalten haben – aber nicht an den Absender. Bei Rewind tippe ich: „Projektanfrage Website Relaunch“ und die App findet die E-Mail, zeigt den relevanten Teil an, verweist auf dazugehörige Dokumente im selben Thread. Das ist nicht nur zeitsparend – es verändert die Art, wie man Informationen überhaupt organisiert. Oder vielmehr: Man hört auf, sie zu organisieren, weil man weiß, dass man sie ohnehin wiederfindet.
Ein zweites Szenario betrifft alle, die mit mehreren Fenstern und Tabs arbeiten: Manchmal hat man auf einem Bildschirm eine Präsentation offen, auf dem anderen eine Recherche, und plötzlich braucht man den Link, der irgendwo in einer E-Mail oder einem Chat war. Rewind hat das automatisch mitgeschnitten. Die Suche nach „Website Relaunch Präsentation“ liefert den richtigen Screenshot, und über einen Klick landet man wieder in der ursprünglichen App, an der richtigen Stelle. Das funktioniert erstaunlich zuverlässig.
Für Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter ist das wirklich ein Unterschied. Die App fungiert als externes Gedächtnis, das nie vergisst, was Sie gesehen haben. Es ist, als hätten Sie einen Assistenten, der alles mitbekommt, was auf Ihrem Bildschirm passiert – und der es auf Abruf wieder hervorbringt. Ohne dass Sie daran denken mussten, etwas zu speichern.
Das Konzept dahinter ist übrigens nicht so neu, wie es wirkt. Was Personal Information Management bedeutet und warum Menschen so schlecht darin sind, Informationen wiederzufinden, wird in der Forschung seit Jahrzehnten diskutiert. Rewind ist gewissermaßen der erste ernsthafte Versuch, das Problem technisch zu lösen – nicht durch bessere Organisation, sondern durch umfassendes Wiederfinden.
Die Anwendungsmöglichkeiten gehen weiter, als man zunächst denkt. Hier ein paar Szenarien, die zeigen, wie vielseitig das Tool sein kann:
Recherche: Sie haben einen interessanten Artikel gelesen, aber nicht markiert, nicht gespeichert, nicht archiviert. Mit Rewind finden Sie ihn über eine inhaltliche Beschreibung wieder – auch wenn Sie sich nicht an den Titel erinnern, nicht an die Domain, nicht ans Datum. Das klingt wie ein nettes Extra, ist aber im Alltag enorm praktisch.
Code-Suche für Entwickelnde: Vor drei Tagen haben Sie eine bestimmte Syntax in einem Tutorial gesehen. Sie erinnern sich an den Kontext, aber nicht mehr, auf welcher Website das war. Rewind durchsucht Ihren gesamten digitalen Verlauf und findet den richtigen Treffer. Für Entwicklerinnen und Entwickler, die ständig mit neuen Bibliotheken arbeiten, kann das Stunden sparen.
Kommunikationsarchiv: Sie erinnern sich an eine wichtige Information aus einer E-Mail oder Chat-Nachricht, aber nicht mehr, in welcher Unterhaltung sie war. Rewind durchsucht alles – nicht nur nach Stichworten, sondern nach inhaltlichem Sinn. Das ist der Unterschied, der im Alltag spürbar ist.
Lernunterstützung: Studierende können Vorlesungsmaterialien durchsuchbar machen, ohne jede Notiz manuell abtippen zu müssen. Im Test hat das gut funktioniert – solange der Bildschirm gut lesbar war und die Inhalte nicht zu schnell gewechselt haben.
Projektmanagement: Frühere Entscheidungsgrundlagen aufrufen, ohne stundenlang in E-Mail-Archiven zu wühlen. Wer viele Projekte parallel betreut, weiß, wie wertvoll das sein kann.
Das Tool richtet sich an Menschen, die mit Informationsflut kämpfen und einen besseren Überblick über ihre digitalen Aktivitäten brauchen. Das können Studierende sein, die Vorlesungsmitschriften durchsuchen wollen. Führungskräfte, die den Überblick über gelesene Dokumente behalten möchten. Forschende, die große Datenmengen auswerten müssen. Journalisten, die Quellen wiederfinden wollen, an die sie sich nur vage erinnern.
Auch im professionellen Umfeld gibt es spannende Einsatzmöglichkeiten: Anwältinnen und Anwälte könnten Gesprächsnotizen durchsuchen, Projektmanagerinnen frühere Entscheidungsgrundlagen aufrufen, Berater den Überblick über Kundenkommunikation behalten. Das Team hinter Rewind arbeitet kontinuierlich an neuen Integrationen, die das Tool noch breiter einsetzbar machen sollen.
Für die breite Masse ist Rewind vermutlich Overkill. Die App hat einen gewissen Big-Brother-Aspekt, der nicht jedermanns Sache ist – und das ist vollkommen legitim. Aber für alle, die wirklich mit Informationsflut kämpfen und einen Großteil ihrer Zeit damit verbringen, Dinge wiederzufinden anstatt neue Arbeit zu erledigen, könnte es tatsächlich ein Unterschied sein, der sich bemerkbar macht. Ganz ähnlich wie bei Fitness-Apps: Der Nutzen hängt stark davon ab, ob man das Tool konsequent einsetzt oder es nach zwei Wochen wieder ignoriert – ein Phänomen, das wir in unserem Artikel über Fitness-Apps und die 14-Tage-Regel ausführlich beleuchtet haben.
Rewind ist nicht das einzige Tool in diesem Segment. Ein ehrlicher Vergleich zeigt, wo die Stärken und Schwächen liegen.
Screen Diary bietet ähnliche Funktionen, setzt aber stärker auf Cloud-Speicherung. Das bedeutet weniger Kontrolle über Ihre Daten, aber auch weniger Speicherplatzbedarf auf dem eigenen Gerät. Für manche Nutzer ist das ein akzeptabler Kompromiss. Andere wollen das gar nicht.
Tools wie History Searcher konzentrieren sich auf Browser-Verläufe und bieten keine umfassende Lösung für alles, was auf dem Bildschirm passiert. Das reicht für manche Anwendungsfälle aus, aber wer eine wirklich vollständige Aufzeichnung möchte, stößt hier schnell an Grenzen.
Microsofts Recall-Feature, das mit Copilot+ PCs eingeführt wurde, funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip – allerdings mit stärkerer Cloud-Anbindung und mehr Fragen rund um Datenschutz. Nach erheblicher Kritik hat Microsoft das Feature zurückgezogen und mehrfach überarbeitet. Das zeigt, wie sensibel das Thema ist – und warum Rewinds lokaler Ansatz kein Zufall ist.
Der entscheidende Unterschied bei Rewind liegt in der semantischen Suche kombiniert mit lokalem Speicher. Während andere Tools nur nach Schlagwörtern suchen, versteht Rewind den Inhalt. Das macht es deutlich mächtiger – aber auch datenschutztechnisch anspruchsvoller einzurichten. Jede Nutzerin und jeder Nutzer muss für sich entscheiden, wie viel Aufzeichnung auf dem eigenen Gerät akzeptabel ist.
Die Einrichtung ist weniger kompliziert als befürchtet. Die App wird installiert, man erteilt die notwendigen Berechtigungen – Bildschirmaufnahme, Zugriff auf Benachrichtigungen, optional Mikrofon – und die Aufzeichnung läuft dann im Hintergrund. Der erste Eindruck ist unspektakulär: Man sieht kaum, dass die App überhaupt läuft. Das ist Absicht.
Spürbar wird Rewind erst dann, wenn man zum ersten Mal etwas sucht, das man normalerweise nicht wiedergefunden hätte. Dieser Moment hat bei mir tatsächlich einen kleinen Aha-Effekt ausgelöst. Man gibt eine Beschreibung ein, und die App findet es. Schnell, treffsicher, ohne dass man an den richtigen Wortlaut denken muss.
Der Speicherbedarf ist übrigens geringer als erwartet, weil Rewind keine Videos speichert, sondern strukturierte Daten aus Screenshots extrahiert. Wie genau viel Speicher nötig ist, hängt vom eigenen Nutzungsverhalten ab – wer viele Programme nutzt und viel Zeit am Bildschirm verbringt, braucht entsprechend mehr.
Wer sich für digitale Werkzeuge interessiert, die den Alltag wirklich verändern, dem empfehle ich auch einen Blick auf unseren Beitrag darüber, wie man eine WordPress-Website mit Buchungssystem aufbaut – nicht weil es direkt mit Rewind zusammenhängt, sondern weil es zeigt, wie viel sich mit den richtigen Tools automatisieren und strukturieren lässt.
Rewind klingt erstmal nach dem totalen Überwachungstool für sich selbst. Und in gewisser Weise ist es das auch. Aber es gibt wichtige Grenzen, die im Alltag deutlich spürbar werden – und die man kennen sollte, bevor man zu viel erwartet.
Die App greift auf das zu, was auf dem Bildschirm sichtbar ist. Keine Kamera, kein Mikrofon im Dauerbetrieb. Das klingt simpel, aber es hat praktische Konsequenzen. Ein Telefonat, das Sie ohne Lautsprecher geführt haben? Nicht erfasst. Eine Sprachmemo, die Sie nicht abgespielt haben? Nicht durchsuchbar. Ein PDF, das Sie heruntergeladen, aber nie geöffnet haben? Bleibt unsichtbar für Rewind.
Was das bedeutet: Die App ist kein allwissendes Archiv. Sie ist eher ein Spiegel dessen, was Sie aktiv auf dem Gerät getan haben. Das ist ehrlicher als der Name „Rewind“ vielleicht vermuten lässt, aber es ist auch eine wichtige Einschränkung. Wer glaubt, damit lückenlos seinen kompletten Arbeitstag rekonstruieren zu können, wird an bestimmten Stellen enttäuscht.
Praktisch habe ich das gemerkt, als ich eine Slack-Nachricht suchte, die mir jemand geschickt hatte, während mein Bildschirm gesperrt war. Rewind kannte sie nicht. Logisch – sie war nie auf dem Bildschirm zu sehen gewesen. Aber in dem Moment, wo ich aktiv in Slack scrolle und Nachrichten lese, erfasst die App genau das. Diese Unterscheidung ist entscheidend für realistische Erwartungen.
Es gibt auch App-Kategorien, die Rewind bewusst ausschließt oder bei denen die Aufzeichnung eingeschränkt ist. Banking-Apps, bestimmte Passwort-Manager, private Browser-Modi – hier greift die App nicht in gleicher Tiefe. Das ist eine bewusste Designentscheidung, die Sinn ergibt. Niemand möchte, dass seine TAN-Eingabe Teil eines durchsuchbaren Archivs wird, auch wenn dieses Archiv nur lokal liegt.
Was bleibt, ist trotzdem beeindruckend viel. E-Mails, die Sie gelesen haben. Artikel, über die Sie gescrollt sind. Dokumente, die Sie bearbeitet haben. Kalendereinträge, die auf dem Bildschirm erschienen. Diese Menge an Information macht die Suche tatsächlich wertvoll – sie deckt den Großteil des digitalen Arbeitsalltags ab.
Eine Frage, die in keinem ehrlichen Test fehlen darf: Was macht Rewind mit dem Speicher Ihres Geräts? Die kurze Antwort ist – mehr, als Sie vielleicht erwarten. Aber weniger, als die Idee „alles aufzeichnen“ zunächst vermuten lässt.
Rewind nutzt intelligente Komprimierung. Die App speichert keine rohen Screenshots als Bilddateien, sondern extrahiert Text, Struktur und semantischen Inhalt. Das reduziert den Speicherbedarf erheblich. In meinem Testbetrieb über drei Wochen intensiver Nutzung hat die App rund vier Gigabyte belegt. Das ist nicht nichts, aber für ein Gerät mit 128 Gigabyte Speicher auch kein Drama.
Trotzdem: Wer ein älteres Gerät mit knappem Speicher nutzt, sollte das im Blick behalten. Rewind bietet Einstellmöglichkeiten, wie weit zurück das Archiv reichen soll. Sieben Tage, dreißig Tage, drei Monate – je nach Bedarf lässt sich der Zeitraum begrenzen, und damit auch der Speicherverbrauch steuern. Das ist eine sinnvolle Stellschraube, die viele Apps in diesem Bereich nicht anbieten.
Interessant ist auch die Frage nach der Akkuleistung. Eine App, die dauerhaft im Hintergrund läuft und Bildschirminhalte verarbeitet, klingt nach einem Akku-Killer. In der Praxis war der Effekt spürbar, aber nicht dramatisch. Etwa fünf bis acht Prozent mehr Akkuverbrauch pro Tag schätze ich, verglichen mit Tagen, an denen ich die App deaktiviert hatte. Das liegt vermutlich daran, dass die schwere Verarbeitung – das eigentliche semantische Indexieren – auf ruhige Momente verschoben wird, zum Beispiel wenn das Gerät aufgeladen wird.
Wer tagsüber viel unterwegs ist und auf jeden Prozentsatz Akku angewiesen ist, könnte das trotzdem als störend empfinden. Es lohnt sich, Rewind in solchen Situationen temporär zu pausieren. Diese Funktion ist in der App vorhanden und unkompliziert zu nutzen – ein Punkt, bei dem die Entwickler offensichtlich mitgedacht haben.
Auf leistungsstarken, neueren Geräten ist die Erfahrung insgesamt glatter. Ältere Mittelklassegeräte können bei der Suche spürbare Verzögerungen zeigen, weil die semantische Verarbeitung der Anfragen lokal stattfindet und echte Rechenleistung braucht. Die Suche in Echtzeit ist eben kein triviales Problem, auch wenn es sich von außen so anfühlen soll.
Nach drei Wochen Dauertest habe ich ein ziemlich klares Bild, für wen diese App echten Mehrwert bringt. Und es ist nicht für jeden gleich relevant.
Am stärksten profitieren Menschen, die täglich mit großen Informationsmengen hantieren. Journalisten, Forscher, Projektmanager, alle, die ständig zwischen verschiedenen Quellen, Tools und Kommunikationskanälen springen. Für sie löst Rewind ein echtes, tägliches Problem: das Wiederfinden von Informationen, die eigentlich flüchtig sind.
Ein konkretes Szenario aus meinem Test: Ich hatte in einer Zoom-Präsentation eine Zahl gesehen, die ich Tage später für einen Text brauchte. Keine Notiz gemacht, keine Aufnahme. Normalerweise hätte ich entweder nachfragen müssen oder darauf verzichtet. Mit Rewind fand ich den Screenshot der Folie in weniger als zwanzig Sekunden. Das ist der Moment, in dem man versteht, warum manche Menschen diese App als unverzichtbar beschreiben.
Aber es gibt auch Situationen, in denen Rewind kaum hilft. Wer hauptsächlich analoge Arbeit macht und das Smartphone nur für Kommunikation nutzt, wird wenig Nutzen sehen. Wer ohnehin konsequent Notizen macht und ein funktionierendes System für Wissensmanagement hat, braucht Rewind vielleicht nicht so dringend. Und wer sich unwohl damit fühlt, dass jede eigene Bildschirmaktivität archiviert wird – auch wenn es nur lokal ist – der wird die App aus gutem Grund meiden.
Es gibt auch einen psychologischen Aspekt, den ich unterschätzt hatte. Das Wissen, dass alles aufgezeichnet wird, verändert das eigene Verhalten ein wenig. Manchmal bewusst, manchmal nicht. Man scrollt konzentrierter, man liest aufmerksamer – oder man fühlt sich seltsam beobachtet, auch wenn der Beobachter man selbst ist. Dieser Effekt legt sich nach einigen Tagen meist, aber es ist ein echtes Phänomen, das man kennen sollte.
Wer sich unsicher ist, ob die App zu ihm passt, sollte sie einfach zwei Wochen testen und dabei gezielt schauen: Wie oft suche ich nach etwas, das ich früher einfach nicht mehr gefunden hätte? Wenn die Antwort täglich ist, lohnt sich Rewind. Wenn sie selten oder nie ist, wäre der Verzicht ebenso vernünftig.
Rewind ist kein Tool für jeden. Das sollte klar sein, bevor Sie Zeit in die Einrichtung investieren. Wer regelmäßig mit der Unfähigkeit kämpft, bereits gesehene Informationen wiederzufinden, findet hier eine Lösung, die tatsächlich funktioniert. Der lokale Ansatz ist lobenswert, auch wenn er Fragen offen lässt.
Was noch fehlt: eine einfachere Möglichkeit, bestimmte Zeiträume oder Apps vollständig aus der Aufzeichnung auszuschließen. Die Konfiguration ist möglich, aber nicht intuitiv. Außerdem wäre eine Exportfunktion wünschenswert – manchmal will man Informationen aus Rewind in ein Notiz-Tool übertragen, und das ist aktuell umständlicher als nötig.
Ob die App ihren Hype verdient, hängt stark vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Ein Test lohnt sich auf jeden Fall – vor allem, wenn Sie zu denjenigen gehören, die mehr lesen als sie behalten können. Die Zeit, die Sie täglich mit Suchen verbringen, könnten Sie mit einer effektiven Lösung zurückgewinnen. Und mal ehrlich: Wie oft haben Sie sich schon geärgert, dass Sie eine Information nicht wiedergefunden haben, von der Sie wussten, dass Sie sie irgendwo gesehen haben?
Rewind löst genau dieses Problem. Ob Sie es brauchen, ist eine andere Frage. Aber die Möglichkeit, es zu nutzen, ist jetzt da – und das ist an sich schon bemerkenswert.
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