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Technologie & IT

CMA zwingt Apple und Google zu mehr Offenheit bei App-Store-Gebühren

Die CMA drängt Apple und Google zu mehr Transparenz bei App-Zahlungen. Was das für deutsche Entwickler tatsächlich bedeutet, lesen Sie hier.

CMA, App-Store-Gebühren, Entwicklerrechte – Smartphone zeigt Zahlungsoptionen nach CMA App-Store-Gebühren Regeln
Alternative Zahlungswege statt reiner Plattform-Checkout: Die CMA will App-Store-Gebühren transparenter machen. (Symbolbild)

Vor ein paar Wochen hat eine Freundin von mir versucht, ihre kleine Fitness-App im britischen Markt zu pushen. Ergebnis: 30 Prozent Gebühr weg, bevor sie überhaupt Miete zahlen konnte. Krass, dachte ich. Genau deshalb ist die neue CMA-Entscheidung diese Woche kein trockenes Regulierungsthema, sondern echte Existenzfrage für viele App-Anbieter. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hat neue Vorgaben für Apple und Google beschlossen, die App-Store-Gebühren transparenter machen sollen. Und tatsächlich betrifft das auch deutsche Entwickler, die ihre Apps über die internationalen Stores verkaufen.

Moment mal, werden Sie jetzt vielleicht denken: Britische Behörde, was hat das mit mir in Deutschland zu tun? Ganz easy erklärt: Apple und Google bauen ihre Regeln selten nur für ein Land. Was in London passiert, schwappt oft nach Berlin, München oder Hamburg. Schauen wir uns an, was wirklich beschlossen wurde, was das für Entwicklerrechte bedeutet und wo die Grenzen dieser Reform liegen.

Was die CMA konkret vorhat

Die Competition and Markets Authority, kurz CMA, hat Ende Juni 2026 eine Konsultation gestartet, die Apple und Google zu mehr Offenheit bei App-Zahlungen zwingen soll. Der Kern: Entwickler sollen Nutzerinnen und Nutzer künftig auf alternative, oft günstigere Zahlungswege außerhalb der Plattform-Checkouts hinweisen dürfen. Bisher war genau das in vielen Fällen eingeschränkt oder komplett verboten.

Zusätzlich verlangt die CMA, dass Apple und Google ihre Gebührenstruktur besser begründen. Klingt bürokratisch, ist aber ziemlich brisant. Denn bislang konnten beide Konzerne Gebühren weitgehend nach eigenem Ermessen festlegen, ohne detaillierte Rechenschaft gegenüber Entwicklern abzulegen. Die CMA hatte Apple und Google zuvor bereits einen sogenannten strategischen Marktstatus im Smartphone-Bereich zugeschrieben. Dieser Status gibt der Behörde besondere Eingriffsrechte, die weit über normale Kartellaufsicht hinausgehen.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich aktuell um Vorschläge und Verpflichtungen im Rahmen einer Konsultation, nicht um ein bereits vollständig durchgesetztes Regelwerk. Das bedeutet, konkrete Details und Umsetzungstermine können sich noch verschieben. Wer jetzt schon von einer fertigen Reform spricht, greift etwas vor.

App-Store-Gebühren: Von 30 Prozent zu komplizierteren Modellen

Lange Zeit war die Rechnung einfach: 30 Prozent Provision, fertig. Diese Zahl taucht auch in der aktuellen CMA-Debatte weiterhin als Referenzgröße auf. Aber die Realität sieht längst anders aus. Google etwa rollt in mehreren Regionen ein gestuftes Gebührenmodell aus, das je nach Zahlungsweg zwischen 10 und 25 Prozent liegt, plus einer zusätzlichen Abrechnungsgebühr bei Play-Zahlungen. Zunächst betrifft das Vereinigtes Königreich, den Europäischen Wirtschaftsraum und die USA, mit weiteren Regionen bis Ende 2026 beziehungsweise September 2027.

Okay, was heißt das konkret? Die App-Store-Gebühren werden nicht automatisch niedriger, sie werden differenzierter. Statt einer Pauschale gibt es jetzt Stufen, Ausnahmen und Zusatzposten. Für Entwickler bedeutet das mehr Rechenarbeit, aber potenziell auch mehr Spielraum, wenn sie ihre Zahlungsstrategie klug aufbauen. Tatsächlich ist das aus meiner Sicht ein zweischneidiges Schwert: Transparenz ist gut, aber Komplexität kann für kleine Entwicklerteams ohne eigene Finanzabteilung schnell zur Last werden.

Ein Praxis-Szenario: Die Rechnung mit dem neuen Modell

Nehmen wir ein konkretes, vorsichtiges Praxis-Szenario: Ein kleines Studio aus Berlin betreibt eine erfolgreiche Meditations-App mit einem Jahresabo für 60 Euro. Nach dem alten 30-Prozent-Modell blieben dem Studio exakt 42 Euro. Künftig könnte das Studio im britischen Markt auf einen externen Web-Checkout verlinken. Nutzt es dort einen gängigen Payment-Provider, fallen vielleicht nur noch drei bis fünf Prozent Transaktionsgebühren an. Das Studio hätte also rund 57 Euro in der Tasche – ein massiver Unterschied, der über die Finanzierung des nächsten großen Feature-Updates entscheiden kann.

Doch die Plattformbetreiber lassen sich diesen Kontrollverlust oft anderweitig vergüten. In der EU hat Apple beispielsweise eine Core Technology Fee eingeführt, die pro Installation über einer bestimmten Schwelle fällig wird. Ein tieferer Blick auf die langfristige Strategie des Konzerns zeigt, dass Apple solche Öffnungen stets durch neue Gebührenkomponenten auszugleichen versucht. Statt einer reinen Umsatzprovision treten nun Grundgebühren oder Installations-Abgaben auf den Plan. Wer hier nicht penibel nachrechnet, tappt in die Falle und zahlt am Ende sogar mehr als im alten System.

Die Rolle alternativer Payment-Provider

Wenn Apple und Google gezwungen werden, ihre geschlossenen Abrechnungssysteme zu öffnen, entstehen völlig neue Marktchancen für alternative Zahlungsdienstleister. Unternehmen wie Stripe, Paddle oder Mollie positionieren sich bereits als direkte Profiteure dieser regulatorischen Öffnung. Sie bieten Entwicklern fertige Checkout-Lösungen an, die sich nahtlos in eigene Websites oder Landingpages integrieren lassen, oft mit deutlich besseren Konditionen und transparenteren Reporting-Tools als die nativen In-App-Purchase-Systeme.

Allerdings gibt es ein gravierendes Gegenargument, das in der hitzigen Debatte oft untergeht: Die Nutzererfahrung. Der One-Click-Kauf per Face-ID im Apple-Ökosystem ist extrem reibungslos. Wenn Nutzerinnen und Nutzer stattdessen auf eine externe Website geleitet werden, sich dort einloggen und Kreditkartendaten manuell eingeben müssen, steigt die Abbruchrate drastisch. Entwickler stehen also vor einem klassischen Dilemma: Höhere Marge durch externe Zahlungen bei gleichzeitig möglicher Conversion-Einbuße, oder Bequemlichkeit im App-Store bei niedrigerer Marge. Eine pauschale Empfehlung gibt es hier nicht; A/B-Tests werden für App-Betreiber zum absoluten Pflichtprogramm.

Was sich für deutsche Entwickler tatsächlich ändert

Kurzfristig und direkt ändert sich für deutsche Entwickler durch die britische CMA-Entscheidung erstmal nichts automatisch. Die Regeln gelten zunächst für den britischen Markt. Aber wer seine App auch in Großbritannien anbietet, kann und sollte die neuen Möglichkeiten nutzen. Wenn Plattformen alternative Zahlungswege und externe Links stärker zulassen, eröffnet das neue Conversion-Strategien: eigene Web-Checkouts, Verweise auf günstigere Abo-Modelle, oder einfach ein Hinweis im App-Menü auf die eigene Website.

Das betrifft besonders Entwickler mit wiederkehrenden Umsätzen, also Abo-Apps, digitale Inhalte oder Coaching-Angebote. Wer Nutzerinnen und Nutzer künftig besser aus dem teuren Plattform-Checkout herauslenken darf, kann seine Marge deutlich verbessern. Für kleinere deutsche Studios, die ohnehin knapp kalkulieren, ist das keine Kleinigkeit. Gerade im Bereich App-Entwicklung, wo Kosten für Testing, Wartung und Support ohnehin hoch sind, macht jeder eingesparte Prozentpunkt bei den App-Store-Gebühren einen Unterschied.

Gleichzeitig gilt: Entwicklerrechte wachsen nicht über Nacht. Wer seine App international vertreibt, muss die jeweiligen Regionalregeln im Blick behalten. Was in Großbritannien erlaubt ist, kann in Deutschland oder anderen EU-Ländern anders geregelt sein. Diese Fragmentierung ist tatsächlich einer der größten Stolpersteine bei der ganzen Reform.

Der Unterschied zwischen CMA und EU-Regeln

Hier wird es für deutsche Leserinnen und Leser besonders wichtig: Die CMA-Vorgaben sind britisches Recht, nicht EU-Recht. Für Deutschland und die restliche EU sind primär die Regeln des Digital Markets Act relevant, über die die EU bereits eigene Vorgaben für Apple durchgesetzt hat. Apple hat in der EU als Reaktion darauf sein App-Store-Modell umgebaut, unter anderem mit neuen Werbe- und Link-Regeln sowie einer veränderten Gebührenstruktur, die frühere Core-Technology-Fee-Elemente ersetzt.

Das zeigt: Zwei unterschiedliche Regulierungswege laufen parallel. Die EU zwingt Apple über den Digital Markets Act zu Öffnung, die CMA tut das in Großbritannien über eigenes Wettbewerbsrecht. Beide Ansätze ähneln sich im Ziel, unterscheiden sich aber im Detail und im Tempo. Für deutsche Entwickler heißt das: Die EU-Regeln sind rechtlich bindend und direkt relevant, die britischen CMA-Vorgaben sind eher ein Signal, das zusätzlichen Druck auf Apple und Google aufbaut.

Und genau dieser Druck ist der eigentliche Clou. Wenn zwei große Regulierungsräume gleichzeitig an denselben Konzernen ziehen, wird ein globaler Alleingang für Apple und Google immer teurer. Die Umstellung des App Stores in der EU zeigt bereits, wie stark ein einzelner Regulierungsraum das Geschäftsmodell verändern kann. Was in Großbritannien passiert, könnte dieses Muster verstärken und die generellen Strategien von Apple und Google weltweit beeinflussen.

Entwickler kalkulieren App-Store-Gebühren und Entwicklerrechte am Laptop
Gestufte Gebührenmodelle bedeuten für Entwickler mehr Rechenarbeit statt einfacher Pauschalen. (Symbolbild)

Was sich für Nutzerinnen und Nutzer ändert

Für die Nutzerseite klingt das erstmal easy: mehr Transparenz, mehr Auswahl bei Zahlungswegen. Wenn Entwickler künftig offener auf günstigere Alternativen hinweisen dürfen, könnten Nutzerinnen und Nutzer Preisunterschiede zwischen In-App-Kauf und externer Zahlung besser erkennen. Wer schon mal überrascht war, dass ein Jahresabo im App-Store teurer ist als auf der Website des Anbieters, weiß, wovon ich spreche.

Aber Moment mal, hier lohnt sich ein kritischer Blick. Ob Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich sparen, hängt komplett davon ab, ob Entwickler die eingesparten Plattformgebühren an ihre Kundschaft weitergeben. Oder ob sie die Ersparnis einfach als zusätzliche Marge einstreichen. Diese Entscheidung liegt nicht bei der CMA, sondern bei jedem einzelnen Anbieter. Meine persönliche Einschätzung: Ein Teil der Entwickler wird die Preise senken, um Kundschaft anzulocken, ein anderer Teil wird die Differenz behalten. Das ist ganz normales Marktverhalten, hat aber nichts mit einer garantierten Preissenkung zu tun.

Für Fragen rund um App-Store-Rückerstattung oder Abo-Kündigung ändert sich durch die CMA-Regeln vorerst nichts Grundsätzliches. Wer eine Rückerstattung bei Apple oder Google beantragen möchte, nutzt weiterhin die bekannten Kanäle der jeweiligen Plattform. Die neuen Zahlungsoptionen betreffen primär den Kaufprozess, nicht die Rückabwicklung.

Kritik, offene Fragen und Risiken

Nicht alles an der Reform ist eindeutig positiv. Erstens: Komplexität statt Einfachheit. Gestufte Gebührenmodelle mit mehreren Prozentsätzen und Zusatzgebühren sind für kleine Entwicklerteams schwerer zu kalkulieren als eine simple 30-Prozent-Regel. Zweitens: Die Umsetzung ist noch nicht final. Die CMA-Konsultation kann sich in Details noch verändern, bevor verbindliche Regeln stehen. Wer jetzt seine gesamte Zahlungsstrategie auf noch nicht endgültige Vorgaben aufbaut, geht ein gewisses Risiko ein.

Drittens: Fragmentierung zwischen Märkten. Unterschiedliche Regeln in Großbritannien, der EU und den USA bedeuten für international agierende deutsche Entwickler zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Was in einem Land erlaubt ist, kann in einem anderen anders funktionieren. Gerade für kleinere Studios ohne eigene Rechtsabteilung ist das eine echte Hürde.

Viertens, und das finde ich persönlich den wichtigsten Punkt: Transparenz bei Gebühren ist kein Selbstzweck. Sie muss dazu führen, dass Entwickler tatsächlich bessere Konditionen bekommen, nicht nur mehr Papierkram. Die Berichterstattung zur CMA-Konsultation macht deutlich, dass die Behörde genau diesen Punkt im Blick hat, aber die praktische Umsetzung entscheidet am Ende, ob aus guten Absichten echte Entlastung wird. Wer wissen will, wie sich die App-Landschaft gerade wirklich verändert, muss diese regulatorischen Feinheiten verstehen.

Google und Apple: Wer bewegt sich schneller?

Interessant ist der Vergleich zwischen den beiden Konzernen. Google hat mit seinem gestuften Gebührenmodell bereits konkrete Zahlen vorgelegt und startet die Umsetzung regional gestaffelt. Das wirkt proaktiver als Apples bisherige Reaktionsmuster, die meist erst nach direktem regulatorischem Druck aus der EU folgten. Die Änderungen bei den Play-Store-Gebühren zeigen, dass Google versucht, der Regulierung einen Schritt voraus zu sein, statt nur zu reagieren.

Apple dagegen hat in der EU zwar bereits ein neues Gebührenmodell mit veränderter Struktur eingeführt, wirkt in der öffentlichen Wahrnehmung aber weiterhin zögerlicher. Für deutsche Entwickler, die auf beiden Plattformen vertreten sind, bedeutet das: Zwei unterschiedliche Tempi, zwei unterschiedliche Gebührenlogiken, zwei unterschiedliche Strategien nötig. Wer als App-Anbieter beide Ökosysteme bedient, sollte diese Unterschiede in der eigenen Preiskalkulation berücksichtigen.

Praktische Schritte für deutsche Entwickler

Was können deutsche Entwickler jetzt konkret tun? Erstens: die eigene Zielgruppe prüfen. Wer nennenswerten Umsatz in Großbritannien macht, sollte die CMA-Entwicklung aktiv verfolgen und frühzeitig alternative Zahlungswege vorbereiten. Zweitens: die EU-Regeln des Digital Markets Act genau kennen, denn die sind für den deutschen Markt tatsächlich bindend und bereits in Kraft. Drittens: die eigene Preisstruktur so aufbauen, dass sie flexibel auf unterschiedliche Gebührenmodelle reagieren kann, statt starr an einer einzigen Kalkulation festzuhalten.

Viertens, und das klingt banal, ist aber oft vernachlässigt: die Kommunikation mit der eigenen Community. Wenn Nutzerinnen und Nutzer künftig Hinweise auf alternative Zahlungswege sehen, sollte das transparent und nicht wie ein Trick wirken. Vertrauen ist in der App-Wirtschaft eine harte Währung, gerade wenn es um Geld und Abos geht.

Fünftens lohnt sich ein Blick auf Marktbeobachtungen und Analysen, etwa im Technologie-Bereich von Horizont, um Entwicklungen bei Apple und Google frühzeitig einzuordnen, statt erst zu reagieren, wenn Änderungen schon live sind.

Um diese neuen Realitäten zu meistern, sollten Entwickler folgende konkrete Handlungsschritte in ihre Roadmap aufnehmen:

  • Audit der bestehenden Abos: Prüfen Sie, welche Umsatzanteile aus welchen Regionen stammen und ob sich ein externes Web-Checkout-System für UK oder die EU finanziell und technisch rentiert.
  • Conversion-Tracking anpassen: Wenn Nutzer auf externe Webseiten geleitet werden, reißt oft das klassische App-Attributions-Tracking ab. Serverseitige Tracking-Lösungen werden unverzichtbar.
  • Rechtliche Prüfung der AGB: Externe Zahlungswege bedeuten, dass Sie sich selbst um Datenschutz, Widerrufsrecht und korrekte Rechnungsstellung kümmern müssen – Aufgaben, die bislang die Plattformen übernommen haben.
  • Kommunikationsstrategie: Bereiten Sie Ihre Nutzer durch sanfte In-App-Hinweise oder Newsletter darauf vor, dass es künftig verschiedene Wege gibt, ein Abo abzuschließen.

Was bleibt?

Die CMA-Entscheidung ist kein fertiges Regelwerk, sondern ein weiterer Baustein in einem langen regulatorischen Tauziehen um App-Store-Gebühren und Entwicklerrechte. Für deutsche Entwickler heißt das: aufmerksam bleiben, aber nicht überstürzt handeln. Der eigentliche Wandel passiert nicht an einem einzigen Tag, sondern durch die Summe vieler kleiner Regulierungsschritte in UK, EU und den USA. Wird das am Ende wirklich günstigere Preise für Nutzerinnen und Nutzer bedeuten, oder verschiebt sich die Marge nur von den Plattformen zu den Entwicklern? Diese Frage bleibt offen, und genau deshalb lohnt es sich, die nächsten Monate genau zu beobachten.

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