Werbung auf rechten YouTube-Kanälen vermeiden: Blacklist und Anleitung

Werbung auf rechten YouTube-Kanälen vermeiden – Laptop mit YouTube und Werbe-Dashboard
Brand Safety beginnt bei den Einstellungen im Werbekonto

Haribo, Lidl, Amazon – sie alle haben ungewollt auf rechtsextremen YouTube-Kanälen geworben. So verhindern Sie, dass Ihre Marke zum Sponsor von Hetze wird. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit konkreter Blacklist zum Kopieren.

Inhalt

Stellen Sie sich vor: Sie investieren tausende Euro in eine saubere Werbekampagne. Ihr Team hat die Creatives abgestimmt, die Zielgruppe definiert, das Budget freigegeben. Und dann taucht Ihre Anzeige vor einem Video auf, in dem jemand den Holocaust relativiert. Klingt absurd? Ist es leider nicht.

Die taz hat im Sommer 2025 dokumentiert, was viele Werbetreibende ahnen, aber niemand laut ausspricht: Große Marken wie Haribo, die Investitionsbank Berlin und FreeNow warben auf YouTube-Kanälen, die rechtsextreme Inhalte verbreiten. Nicht absichtlich. Sondern weil der Algorithmus von Google Ads das so entschieden hat.

Die Kanäle heißen „Vermietertagebuch“ (über 400.000 Abonnements, betrieben von Alexander Raue), „Ketzer der Neuzeit“ (über 550.000 Abonnements, Leonard Jäger) oder „Clownswelt“. Und im November 2025 legte die taz nach: Auch Lidl, Aldi und Amazon finanzierten unfreiwillig rechte Influencer. Sogar Save the Children tauchte bei „Hoss & Hopf“ auf. Mal ehrlich: Da bleibt einem die Spucke weg.

Und das Schlimmste: Die betroffenen Unternehmen erfuhren davon erst durch die Medienberichterstattung. Nicht durch Google, nicht durch ihre Agenturen, nicht durch interne Kontrollen. Die Investitionsbank Berlin – eine landeseigene Bank, mit öffentlichem Auftrag – warb auf einem Kanal, auf dem der Moderator Alice Weidel wenige Tage vor der Bundestagswahl „Gottes Segen“ wünschte und Bilder von „Invasionen von Barbaren“ mit dunkelhäutigen Flüchtenden illustrierte. Stellen Sie sich die interne Panik vor, als dieser Screenshot die Runde machte.

Das Problem betrifft nicht nur Großkonzerne. Auch mittelständische Unternehmen mit fünfstelligen monatlichen Google-Ads-Budgets können betroffen sein. Die Mechanismen sind identisch – nur ist die Fallhöhe bei einem lokalen Handwerksbetrieb oder einem Familienunternehmen vielleicht sogar größer, weil dort keine professionelle Krisen-PR bereitsteht.

Wir bei digital-magazin.de haben uns das Problem genau angeschaut – und Ihnen eine Praxis-Anleitung zusammengestellt. Keine Theorie, keine vagen Tipps. Sondern konkrete Schritte, Menüpfade und eine fertige Blacklist, die Sie sofort in Ihr Google-Ads-Konto kopieren können.

Warum Ihre Werbung auf rechten Kanälen landet – das Grundproblem

Das Problem hat einen Namen: Programmatic Advertising. Oder einfacher gesagt – automatische Werbeplatzierung. Wenn Sie eine YouTube-Videokampagne über Google Ads schalten, entscheidet nicht ein Mensch, wo Ihre Anzeige erscheint. Ein Algorithmus tut das. In Millisekunden.

Google Ads arbeitet mit einem Auktionssystem. Ihre Anzeige wird auf Kanälen und Videos platziert, die zu Ihrer Zielgruppe passen – nach Alter, Interessen, Standort, Suchverhalten. Das Problem: Der Algorithmus bewertet den Inhalt nicht moralisch. Er sieht Reichweite, Engagement und Zielgruppen-Match. Und rechte Kanäle haben oft beides – hohe Reichweite und eine demografisch attraktive Zielgruppe (überwiegend Männer, 18-45 Jahre, kaufkräftig).

Google hat zwar Richtlinien für „Brand Safety“. Kanäle mit offenkundig illegalen Inhalten werden demonetarisiert. Aber hier liegt der Haken: Viele rechte Kanäle bewegen sich bewusst in einer Grauzone. Sie verbreiten keine Hakenkreuze, sondern „Meinungen“. Sie hetzen nicht offen, sondern „stellen Fragen“. Für den Algorithmus reicht das, um sie als werbefreundlich einzustufen.

Unter den Videos des „Vermietertagebuchs“ standen noch ein Jahr nach Veröffentlichung Kommentare wie „ein Wahnsinn mit diesen Grünen, ab nach Auschwitz mit ihnen!!!“. Die Videos selbst? Monetarisiert. Mit Werbung von Unternehmen, die davon nichts wussten.

Warum Google das nicht verhindert

Kennen Sie das? Sie beschweren sich bei Google, und die Antwort lautet sinngemäß: „Wir haben strenge Richtlinien.“ Stimmt sogar. Das YouTube-Partnerprogramm verbietet Hassrede, Gewaltverherrlichung und Diskriminierung. Kanäle, die dagegen verstoßen, werden demonetarisiert – also von Werbeeinnahmen abgeschnitten.

Aber die Praxis sieht anders aus. Google prüft Inhalte überwiegend automatisiert. Und die Algorithmen haben ein Problem mit Kontext. Wenn jemand in einem 45-minütigen Video über Immobilieninvestments spricht und nebenbei rassistische Verschwörungstheorien einstreut – fällt das durchs Raster. Die automatische Prüfung erkennt Schimpfwörter und explizite Gewalt. Subtile Hetze, codierte Sprache, Hundepfeifen-Politik? Fehlanzeige.

Dazu kommt: YouTube will monetarisierte Kanäle. Jeder monetarisierte Kanal bedeutet Einnahmen für Google. Es gibt also einen strukturellen Interessenkonflikt. Google verdient mit – an jedem Kanal, der Werbung ausspielt. Auch an den problematischen.

Die Recherchen von Correctiv haben 2024 zudem gezeigt, dass rechte Influencer auf YouTube nicht nur von klassischer Werbung profitieren. Ein ganzes Netzwerk von Kanälen ist entstanden, das sich gegenseitig pusht, Themen koordiniert und mit erstaunlich hoher Produktionsqualität arbeitet. Das ist kein Zufall – dahinter stecken Strukturen, die bewusst die Monetarisierung maximieren.

Die Blacklist: Rechte YouTube-Kanäle, die Sie ausschließen sollten

Bevor wir in die technische Anleitung einsteigen, liefern wir Ihnen das Wichtigste: Eine Liste deutschsprachiger YouTube-Kanäle, die nach Recherchen von taz, Correctiv und weiteren Medien als rechts bis rechtsextrem eingeordnet werden. Diese Liste können Sie direkt in Ihre Google-Ads-Ausschlusslisten übernehmen.

Wichtiger Hinweis: Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Neue Kanäle entstehen ständig, andere werden gelöscht oder umbenannt. Wir empfehlen, die Liste quartalsweise zu aktualisieren.

Kanäle aus den taz-Recherchen (direkt nachgewiesen)

Kanalname YouTube-URL Abonnements (ca.) Betreibende Person
Vermietertagebuch youtube.com/@vermietertagebuch 400.000+ Alexander Raue
Ketzer der Neuzeit youtube.com/@KetzerderNeuzeit 550.000+ Leonard Jäger
Hoss und Hopf youtube.com/@HossUndHopf 500.000+ Kiarash Hossainpour, Philip Hopf
Clownswelt youtube.com/@Clownswelt 300.000+ Anonym (von Böhmermann enttarnt)
KuchenTV youtube.com/@KuchenTV 800.000+ Tim Heldt
KetzerKirche youtube.com/@Ketzer-Kirche 100.000+ Netzwerk Ketzer der Neuzeit

Weitere Kanäle aus Medienrecherchen und Monitoring

Kanalname YouTube-URL Einordnung / Quelle
Homigwabe youtube.com/@Homigwabe Rechtes Netzwerk (Reddit-Recherche, Correctiv)
Vulgäre Analyse youtube.com/@VulgaereAnalyse Neurechter Kanal (Medienberichte)
Schattenmacher youtube.com/@Schattenmacher Rechter Content Creator
Achse Ost:West youtube.com/@AchseOstWest Rechtes Netzwerk
HossCrypto youtube.com/@HossCrypto Kiarash Hossainpour (Hoss & Hopf), 255.000+ Abos

So verwenden Sie diese Liste: Kopieren Sie die YouTube-URLs und fügen Sie sie als Placement-Ausschlüsse in Ihrem Google-Ads-Konto ein. Die genaue Anleitung folgt im nächsten Abschnitt.

Eine Anmerkung, die mir persönlich wichtig ist: Nicht jeder Kanal auf dieser Liste produziert ausschließlich rechtsextremen Content. Manche bewegen sich im Grenzbereich zwischen konservativ und rechtspopulistisch. Aber als Werbetreibende Person müssen Sie sich fragen: Möchte ich das Risiko eingehen? Meine Antwort wäre – nein. Lieber einen Kanal zu viel ausschließen als einen Shitstorm zu wenig.

Google Ads Placement-Ausschlüsse einrichten – Schritt für Schritt

Jetzt wird es konkret. So schließen Sie YouTube-Kanäle in Ihrem Google-Ads-Konto aus. Es gibt zwei Wege: auf Kampagnenebene und auf Kontoebene. Ich empfehle dringend die Kontoebene – dann gelten die Ausschlüsse für alle Ihre Kampagnen.

Methode 1: Ausschlüsse auf Kontoebene (empfohlen)

  1. Melden Sie sich bei ads.google.com an
  2. Klicken Sie im linken Menü auf „Verwaltung“ (früher: „Tools & Einstellungen“)
  3. Wählen Sie unter „Gemeinsam genutzte Bibliothek“ den Punkt „Placement-Ausschlusslisten“
  4. Klicken Sie auf das Plus-Symbol (+), um eine neue Liste anzulegen
  5. Geben Sie der Liste einen Namen – zum Beispiel „Brand Safety – Rechte Kanäle“
  6. Fügen Sie die YouTube-Kanal-URLs aus unserer Blacklist ein (eine URL pro Zeile)
  7. Klicken Sie auf „Speichern“
  8. Gehen Sie zurück zur Übersicht und wählen Sie die neue Liste aus
  9. Klicken Sie auf „Auf Kampagnen anwenden“ und wählen Sie alle relevanten Video-Kampagnen

Fertig. Ab sofort erscheint Ihre Werbung nicht mehr auf diesen Kanälen. Der ganze Vorgang dauert keine zehn Minuten.

Profi-Tipp: Exportieren Sie Ihre Ausschlussliste regelmäßig als CSV-Datei. So können Sie sie schnell mit anderen Konten teilen oder nach einem Konto-Reset wiederherstellen. Gehen Sie dazu in der Placement-Ausschlussliste auf die drei Punkte und wählen Sie „Herunterladen“.

Methode 2: Ausschlüsse auf Kampagnenebene

  1. Öffnen Sie die gewünschte Video-Kampagne
  2. Navigieren Sie zu „Inhalte“„Ausschlüsse“
  3. Klicken Sie auf „Ausschlüsse bearbeiten“
  4. Wählen Sie „YouTube-Kanäle“ als Ausschlusstyp
  5. Fügen Sie die Kanal-URLs ein
  6. Speichern Sie die Änderungen

Der Nachteil: Das müssen Sie für jede Kampagne einzeln machen. Bei zehn laufenden Kampagnen wird das schnell mühsam.

Content-Kategorien ausschließen – die Basis-Absicherung

Zusätzlich zu den Kanal-Ausschlüssen sollten Sie bestimmte Content-Kategorien blockieren. Google Ads bietet dafür unter „Verwaltung“ → „Eignung“ → „Content-Ausschlüsse“ folgende Optionen:

  • Sensible soziale Themen – schließt kontroverse politische Inhalte aus
  • Tragödie und Konflikt – vermeidet Platzierung neben Nachrichten über Gewalt
  • Noch nicht gekennzeichnete Inhalte – YouTube-Videos, die noch kein Label haben (oft neue, noch nicht geprüfte Videos)
  • Live-Streaming-Videos – hier ist die Vorabprüfung generell schwierig

Meine Empfehlung: Schalten Sie mindestens „Sensible soziale Themen“ und „Noch nicht gekennzeichnete Inhalte“ aus. Das kostet Sie etwas Reichweite, spart aber enormes Risiko.

Google Ads Placement-Ausschlüsse für Brand Safety einrichten
Die Placement-Ausschlüsse in Google Ads schützen Ihre Marke vor ungewollter Werbeplatzierung

Brand Safety Tools: Professionelle Lösungen für größere Budgets

Wenn Sie monatlich mehr als 10.000 Euro in YouTube-Werbung investieren, reichen manuelle Blacklists irgendwann nicht mehr. Dann brauchen Sie professionelle Brand-Safety-Tools. Drei Anbieter dominieren den Markt:

Integral Ad Science (IAS)

IAS analysiert YouTube-Videos vor der Anzeigenschaltung und kategorisiert sie nach dem GARM Brand Safety Framework der World Federation of Advertisers. Das System unterscheidet zwischen „Floor“ (absolut unsicher), „Low Risk“, „Medium Risk“ und „High Risk“. Sie definieren Ihren Toleranzbereich – IAS blockiert den Rest automatisch.

DoubleVerify

Ähnlich wie IAS, aber mit einem Fokus auf Echtzeit-Monitoring. DoubleVerify scannt den Content von YouTube-Videos mittels KI und Natural Language Processing. Das Tool erkennt auch subtilere Formen von Extremismus, die ein einfacher Keyword-Filter übersehen würde.

Das GARM Framework verstehen

GARM steht für „Global Alliance for Responsible Media“ und wurde von der World Federation of Advertisers ins Leben gerufen. Das Framework definiert 12 Inhaltskategorien, die für Werbetreibende problematisch sein können – darunter „Hate Speech & Acts of Aggression“, „Debated Sensitive Social Issues“ und „Terrorism“. Jede Kategorie wird in Risikostufen unterteilt.

Für den deutschen Markt ist das besonders relevant: Viele der oben genannten Kanäle fallen in die Kategorien „Debated Sensitive Social Issues“ (kontroverse gesellschaftliche Themen) und teilweise „Hate Speech“. Mit einem GARM-kompatiblen Tool können Sie diese Kategorien gezielt ausschließen.

Die Kosten? Rechnen Sie mit 2.000 bis 10.000 Euro monatlich, je nach Werbevolumen. Klingt viel – ist aber günstiger als ein Reputationsschaden. Fragen Sie mal Haribo, was deren Krisenmanagement gekostet hat.

Channel Factory und Zefr – Alternativen für den deutschen Markt

Neben den großen zwei gibt es spezialisierte Anbieter: Channel Factory konzentriert sich auf YouTube-Kampagnen und bietet maßgeschneiderte Inclusion- und Exclusion-Listen für verschiedene Branchen. Zefr (früher: ZEFR) arbeitet eng mit YouTube zusammen und bietet Video-Level-Targeting – das heißt, nicht nur ganze Kanäle, sondern einzelne Videos werden bewertet.

Für den deutschen Markt ist die Sprachunterstützung entscheidend. IAS und DoubleVerify arbeiten seit 2023 mit deutschsprachigen Modellen, die rechtsextreme Codes und Hundepfeifen-Politik erkennen sollen. Perfekt ist das nicht – aber deutlich besser als vor drei Jahren, als die Systeme fast ausschließlich auf englischsprachigen Content trainiert waren.

Der DIY-Ansatz: Eigene Monitoring-Routine aufbauen

Sie haben kein Budget für IAS oder DoubleVerify? Dann bauen Sie sich eine eigene Routine auf. Das kostet Zeit, aber kein Geld:

  1. Wöchentlich: Prüfen Sie den Placement-Bericht in Google Ads (Kampagne → Placements → „Wo Anzeigen ausgeliefert wurden“)
  2. Monatlich: Googeln Sie die Kanalnamen Ihrer Top-Placements und prüfen Sie, ob es aktuelle Medienberichte über problematische Inhalte gibt
  3. Quartalsweise: Suchen Sie nach aktuellen Listen rechter YouTube-Kanäle (die taz, Correctiv und der Volksverpetzer veröffentlichen regelmäßig Recherchen)
  4. Anlassbezogen: Nach politischen Ereignissen (Wahlen, Demos, Anschläge) steigt die Aktivität rechter Kanäle – prüfen Sie Ihre Placements in diesen Phasen besonders genau

Ehrlich gesagt: Dieser manuelle Ansatz ist nicht perfekt. Aber er ist besser als gar nichts. Und er kostet Sie vielleicht zwei Stunden pro Monat. Zwei Stunden, die Ihnen einen Shitstorm ersparen können.

Meta Ads, TikTok und Co. – Brand Safety jenseits von YouTube

YouTube ist nicht die einzige Plattform mit diesem Problem. Auch bei Meta (Facebook und Instagram), TikTok und X (ehemals Twitter) kann Ihre Werbung neben unerwünschten Inhalten landen.

Meta Ads (Facebook & Instagram)

Meta bietet unter „Brand Safety“ → „Blocklisten“ die Möglichkeit, bestimmte Seiten, Profile und Publisher auszuschließen. Zusätzlich können Sie im Ads Manager unter „Inventarfilter“ zwischen drei Stufen wählen:

  • Eingeschränktes Inventar: Maximaler Schutz, geringste Reichweite
  • Standard-Inventar: Guter Kompromiss (empfohlen)
  • Erweitertes Inventar: Maximale Reichweite, minimaler Schutz

Meta arbeitet ebenfalls mit dem GARM Framework und bietet Transparenzberichte, die zeigen, wo Ihre Anzeigen gelaufen sind. Nutzen Sie diese – regelmäßig.

TikTok

TikTok hat 2024 den Podcast „Hoss & Hopf“ von der Plattform entfernt. Das zeigt: TikTok reagiert – aber spät. Die Brand-Safety-Optionen sind weniger ausgereift als bei Google oder Meta. Sie können Content-Kategorien ausschließen und mit Drittanbietern wie IAS zusammenarbeiten, aber eine manuelle Kanal-Blacklist wie bei YouTube gibt es (noch) nicht.

X (ehemals Twitter)

Seit der Übernahme durch Elon Musk haben sich die Brand-Safety-Tools bei X drastisch verschlechtert. Viele große Werbetreibende haben die Plattform bereits verlassen. Mein persönlicher Rat: Überprüfen Sie genau, ob X für Ihre Marke noch das richtige Umfeld bietet. Die Risiken sind dort aktuell am höchsten.

LinkedIn und Pinterest – die unterschätzten Alternativen

Wer B2B-Zielgruppen erreichen will, findet auf LinkedIn ein vergleichsweise sicheres Werbeumfeld. Die Plattform ist stärker moderiert, und politischer Extremismus hat dort wenig Reichweite. Pinterest ist für Consumer-Marken eine interessante Option – die Plattform hat sehr strenge Content-Richtlinien und verbietet politische Werbung komplett.

Das soll nicht heißen, dass Sie YouTube oder Meta meiden sollten. Aber es lohnt sich, den Media-Mix zu überdenken. Jeder Euro, den Sie auf einer Plattform mit besserem Brand-Safety-Track-Record ausgeben, ist ein Euro weniger Risiko.

Checkliste: Brand Safety in 7 Schritten absichern

Zum Abschluss eine kompakte Checkliste, die Sie direkt an Ihr Marketing-Team oder Ihre Agentur weiterleiten können:

  1. Placement-Ausschlussliste erstellen: Unsere Blacklist als Basis nehmen und in Google Ads auf Kontoebene hinterlegen
  2. Content-Kategorien prüfen: „Sensible soziale Themen“ und „Noch nicht gekennzeichnete Inhalte“ ausschließen
  3. Placement-Berichte prüfen: Mindestens monatlich unter Google Ads → Berichte → „Wo Anzeigen erschienen sind“ kontrollieren
  4. Blacklist quartalsweise aktualisieren: Neue Kanäle recherchieren, gelöschte entfernen
  5. Brand Safety Tool evaluieren: Ab 10.000 Euro monatlichem YouTube-Budget IAS oder DoubleVerify prüfen
  6. Meta Ads absichern: Inventarfilter auf „Standard“ oder „Eingeschränkt“ setzen
  7. Agentur briefen: Wenn eine Agentur Ihre Kampagnen betreut, Brand Safety explizit als KPI definieren
  8. Dokumentieren: Halten Sie Ihre Brand-Safety-Maßnahmen schriftlich fest – das schützt Sie im Ernstfall auch gegenüber Geschäftsführung, Aufsichtsgremien oder der Öffentlichkeit

Ein letzter Gedanke, der mir wichtig ist: Brand Safety ist kein Projekt, das man einmal erledigt und dann abhakt. Es ist ein laufender Prozess. Rechte Influencer sind kreativ darin, neue Kanäle aufzubauen und unter dem Radar zu bleiben. Wer seine Marke schützen will, muss dranbleiben.

Die gute Nachricht: Mit den Werkzeugen, die Google Ads, Meta und die Brand-Safety-Anbieter heute bieten, ist das machbar. Sie müssen sie nur nutzen. Und nach diesem Artikel haben Sie keine Ausrede mehr, es nicht zu tun.

Und jetzt? Handeln Sie, bevor der Screenshot kommt

Das Team von digital-magazin.de verfolgt die Entwicklung rund um Brand Safety und Programmatic Advertising seit Jahren. Und was wir beobachten, macht uns nicht gerade optimistisch: Die Plattformen reagieren zu langsam. Die Verantwortung liegt bei Ihnen – den Werbetreibenden.

Denn eines ist klar: Der nächste Screenshot von einer Markenanzeige vor einem rechtsextremen Video ist nur eine Frage der Zeit. Und dann zählt nicht, ob Sie es wussten. Sondern ob Sie etwas dagegen getan haben.

Kopieren Sie die Blacklist. Richten Sie die Ausschlüsse ein. Briefen Sie Ihre Agentur. Heute noch. Zehn Minuten, die Ihre Marke schützen können.

Und wenn Sie Ihre Agentur darauf ansprechen und die Antwort lautet „Wir haben das im Griff“ – dann fragen Sie nach dem letzten Placement-Bericht. Fragen Sie nach der Ausschlussliste. Fragen Sie, welche Brand-Safety-Maßnahmen konkret implementiert sind. Eine gute Agentur kann das in fünf Minuten beantworten. Eine schlechte weicht aus.

Wir leben in einer Zeit, in der Werbung nicht mehr nur eine Frage von Reichweite und Conversion Rate ist. Wo Ihre Anzeige erscheint, sagt etwas über Ihre Marke aus. Ob Sie es wollen oder nicht. Die Kundschaft sieht den Screenshot, nicht die Google-Ads-Einstellungen dahinter. Und in den sozialen Medien kann ein einziger Screenshot eine Markenkrise auslösen, die Wochen beschäftigt.

Ehrlich gesagt finde ich es erschreckend, dass das überhaupt noch passiert. Die Tools sind da. Das Wissen ist da. Es fehlt oft nur der Wille – oder die Priorisierung. Brand Safety ist kein Nice-to-have. Es ist Pflicht. Für jede Marke, die auf YouTube wirbt. Ohne Ausnahme.

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