Bezahldienst Wero – Europas Antwort auf PayPal, Apple Pay und Co.

Bezahldienst Wero - Europas Antwort auf PayPal, Apple Pay und Co.

46 Millionen Nutzende, über 100 Millionen Transaktionen und ein Volumen von mehr als 5 Milliarden Euro – und das nach gerade mal anderthalb Jahren. Wero, der europäische Bezahldienst, ist nicht länger ein Experiment. Der Dienst wird zur echten Alternative für alle, die ihre Finanzdaten lieber in Europa wissen wollen als in Silicon Valley.

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Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt darüber nachgedacht, was eigentlich mit Ihren Zahlungsdaten passiert? Bei jedem PayPal-Klick, jedem Apple-Pay-Wisch wandern sensible Informationen über den Atlantik. Für viele Menschen ist das kein Problem – bis es eines wird. Datenlecks, gehackte Zugangsdaten, intransparente Geschäftspraktiken. Die European Payments Initiative (EPI) hat genau diese Schwachstelle erkannt und mit Wero ein System geschaffen, das Payment anders denkt.

Was Wero von PayPal und Apple Pay unterscheidet

Der Unterschied liegt nicht nur im Logo. Wero basiert auf einem völlig anderen Prinzip als die etablierten US-Dienste. Während PayPal als Zwischenhändler fungiert – Ihr Geld liegt temporär bei PayPal, bevor es weitergeleitet wird – läuft bei Wero alles direkt von Bank zu Bank. Keine Zwischenstation, keine zusätzliche Datenkrake.

Das klingt technisch, hat aber handfeste Konsequenzen. Erstens: Ihre Transaktionsdaten bleiben im Ökosystem Ihrer Bank. Zweitens: Das Geld ist in Sekunden beim Empfänger, nicht erst nach Stunden oder Tagen. Drittens: Für Verbrauchende entstehen keine Gebühren. Null. Nada.

Wir bei digital-magazin.de haben uns das System genauer angeschaut. Die Konkurrenz zwischen den großen Zahlungsanbietern wird durch Wero um eine spannende Dimension erweitert – nämlich die Frage nach digitaler Souveränität.

Apple Pay und Google Pay funktionieren im Kern anders: Sie sind Schnittstellen, die Ihre hinterlegte Kredit- oder Debitkarte nutzen. Bequem, ja. Aber eben auch abhängig von Visa, Mastercard und deren Gebührenstruktur. Wero umgeht dieses Kartenmonopol komplett.

Wero in der Praxis: So funktioniert das Bezahlen

Stellen Sie sich vor: Ein Abendessen mit Freunden, die Rechnung wird geteilt. Früher hieß das: IBAN raussuchen, 22 Zeichen eintippen, hoffen, dass kein Zahlendreher dabei ist. Mit Wero? Handynummer oder E-Mail-Adresse eingeben, Betrag bestätigen, fertig. Das Geld ist innerhalb von Sekunden auf dem anderen Konto.

Die Authentifizierung läuft über PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung – je nachdem, was Ihre Banking-App unterstützt. Bei kleineren Beträgen erlauben einige Banken sogar die Zahlung ohne zusätzliche Bestätigung. Praktisch für den Kaffee zwischendurch.

Seit November 2025 hat sich der Einsatzbereich deutlich erweitert. Wero funktioniert jetzt auch beim Online-Shopping. Der Ticketverkäufer Eventim machte den Anfang, danach folgten Schwergewichte wie Lidl, Rossmann, Decathlon, Hornbach und Zooplus. Laut Angaben der EPI sollen bis Ende 2025 rund 150 Händler angebunden sein.

Ehrlich gesagt: Als ich zum ersten Mal bei Eventim mit Wero bezahlt habe, war ich überrascht. Kein Umweg über externe Seiten, keine Kontoregistrierung bei einem Drittanbieter. Einfach QR-Code scannen, in der Banking-App bestätigen, Ticket im Postfach. So sollte digitales Bezahlen immer funktionieren.

Welche Banken Wero unterstützen

Das ist der Knackpunkt bei jedem neuen Zahlungssystem: Ohne breite Bankenbasis bleibt es ein Nischenprodukt. Bei Wero sieht die Lage mittlerweile respektabel aus – zumindest in Deutschland.

Sparkassen und Volks- sowie Raiffeisenbanken waren von Anfang an dabei. Das allein deckt bereits einen erheblichen Teil des deutschen Marktes ab. Hinzu kommen Deutsche Bank und Postbank. In den kommenden Monaten folgen ING Deutschland und – das ist interessant – Revolut.

Ende 2025 verkündete auch N26 seinen Beitritt zur EPI. Die Neobank will Wero ab Mitte 2026 in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden anbieten. Damit erreicht der Dienst auch die jüngere, digital-affine Zielgruppe, die traditionelle Bankfilialen eher meidet.

International sieht die Landkarte so aus:

  • Frankreich: BPCE Groupe, Crédit Agricole, La Banque Postale, Société Générale
  • Belgien: Belfius, BNP Paribas Fortis, ING, KBC – plus fünf weitere ab 2026
  • Luxemburg: Banque Internationale à Luxembourg, Banque Raiffeisen, Post Luxembourg, BGL BNP Paribas, Spuerkeess (Start Juni 2026)
  • Niederlande: Integration mit iDEAL-System geplant

Die aktuellen Entwicklungen im Banking zeigen: Die europäischen Banken haben erkannt, dass sie beim Thema Payment nicht länger zuschauen dürfen, wie US-Konzerne den Markt dominieren.

Wero vs. PayPal: Der direkte Vergleich

Zahlen auf den Tisch. PayPal hat in Deutschland über 30 Millionen aktive Nutzende und einen Marktanteil von 28,5 Prozent im Online-Handel. Wero ist ein Neuling. Aber ein Neuling mit 46 Millionen europäischen Nutzenden nach gerade mal 18 Monaten – das ist beachtlich.

Kriterium Wero PayPal
Gebühren für Verbrauchende Keine Keine bei Inlandszahlungen
Gebühren für Händler Niedriger (direktes Clearing) 1,8-2,5% + Fixbetrag
Transaktionsgeschwindigkeit Sekunden (Echtzeit) Sofort sichtbar, aber Auszahlung verzögert
Käuferschutz Nicht vorhanden Umfassend
Datenspeicherung Europa (DSGVO) USA
Verfügbarkeit 5 EU-Länder (wachsend) Weltweit

Der fehlende Käuferschutz ist tatsächlich ein Manko. Bei PayPal können Sie im Streitfall Ihr Geld zurückfordern – ein Service, den viele Menschen zu schätzen wissen. Wero bietet das (noch) nicht. Allerdings: Wie die Verbraucherzentrale erklärt, arbeitet die EPI an Zusatzfunktionen – darunter auch Schutzmechanismen für Online-Käufe.

Für den Vergleich verschiedener Payment-Anbieter ist entscheidend: Was brauchen Sie wirklich? Wer ausschließlich in Europa shoppt und Wert auf Datenschutz legt, findet in Wero eine starke Alternative. Wer regelmäßig international einkauft oder den Käuferschutz braucht, kommt an PayPal vorerst nicht vorbei.

Der Kostenfaktor: Warum Händler Wero lieben werden

Für Verbrauchende mag der Unterschied zwischen Wero und PayPal marginal erscheinen. Für Händler definitiv nicht. Die tatsächlichen Kosten von Bezahlverfahren variieren erheblich – und Wero verspricht, am günstigeren Ende zu landen.

Warum? Weil keine Kreditkartennetzwerke zwischengeschaltet sind. Keine Interchange-Gebühren an Visa oder Mastercard. Kein Mittelsmann, der mitverdient. Das Geld fließt direkt vom Kundenkonto zum Händlerkonto.

Konkrete Zahlen nennt die EPI noch nicht öffentlich. Branchenkenner schätzen die Ersparnis für Händler auf 0,5 bis 1 Prozentpunkt pro Transaktion im Vergleich zu PayPal. Bei einem Online-Shop mit mehreren Millionen Euro Umsatz summiert sich das schnell auf fünfstellige Beträge – pro Jahr.

Hinzu kommt: Kein Kaufrisiko für Händler. Bei Wero ist eine Zahlung eine Zahlung. Keine Rückbuchungen, keine Chargebacks, keine Streitfälle mit PayPal als Schiedsrichter. Das Geld ist da und bleibt da.

Sicherheit: Europäische Standards statt US-Wildwest

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Ich will nicht polemisch werden, aber: Die Sicherheitsbilanz US-amerikanischer Zahlungsdienste in den letzten Jahren ist, sagen wir mal, durchwachsen. Datenlecks bei PayPal, Sicherheitslücken mit Milliardenfolgen – das Vertrauen hat Kratzer bekommen.

Wero unterliegt den strengen Bankenregulierungen der EU. Das bedeutet: Zweifaktor-Authentifizierung ist Pflicht. Die Stiftung Warentest bescheinigt dem System hohe Sicherheitsstandards – „aktuell das Sicherste, was es am Markt gibt“, so ein zitierter Experte.

Jede Transaktion muss aktiv freigegeben werden. Entweder per PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Anders als bei kontaktlosen Kartenzahlungen, wo kleine Beträge ohne jede Bestätigung abgebucht werden können, behalten Sie bei Wero die volle Kontrolle.

Die Daten selbst verlassen nie den europäischen Rechtsraum. Keine Übermittlung an US-Server, keine Unterordnung unter amerikanisches Recht, keine Unsicherheit darüber, wer Ihre Kaufhistorie einsehen könnte. Für Menschen, die Sicherheit beim Online-Einkauf ernst nehmen, ist das ein echtes Argument.

Was 2026 bringt: Zahlen an der Ladenkasse

Bisher war Wero primär ein Tool für Überweisungen zwischen Privatpersonen und – seit Ende 2025 – für ausgewählte Online-Shops. Der nächste große Schritt steht bevor: Ab Sommer 2026 soll Wero auch im stationären Handel funktionieren.

Die Technik dahinter: QR-Codes. Sie stehen an der Kasse, das Terminal zeigt einen Code, Sie scannen ihn mit Ihrer Banking-App, bestätigen die Zahlung – fertig. Keine NFC-Technik notwendig, keine spezielle Hardware auf Händlerseite.

Das klingt zunächst wie ein Rückschritt gegenüber dem kontaktlosen „Draufhalten“ bei Apple Pay. In der Praxis könnte es sich als Vorteil erweisen: QR-Codes funktionieren auf jedem Smartphone, unabhängig vom Betriebssystem, unabhängig vom Alter des Geräts. Die Einstiegshürde ist niedriger.

Geplant sind außerdem:

  • Abonnements: Wiederkehrende Zahlungen für Streaming-Dienste, Mitgliedschaften und Co.
  • Ratenzahlung: Buy Now, Pay Later – aber europäisch reguliert
  • Reservierungen: Hotels, Mietwagen, Veranstaltungen
  • Digitale Identität: Verifizierung über die Wero-App

Das Team von digital-magazin.de verfolgt diese Entwicklung mit Interesse. Die digitale Transformation im Finanzsektor bekommt mit Wero einen neuen Akteur, der das Potenzial hat, einiges umzukrempeln.

Die Schwächen: Wo Wero noch nachbessern muss

Kein System ist perfekt. Beim europäischen Bezahldienst gibt es einige Punkte, die ich kritisch sehe.

Erstens: Die Reichweite. Fünf Länder sind ein Anfang, aber weit entfernt von „europäisch“. Wer geschäftlich mit Partnerinnen und Partnern in Spanien, Italien oder Polen zusammenarbeitet, schaut in die Röhre. Die Partnerschaft mit der European Payments Alliance (EuroPA) soll das ändern und 15 Länder abdecken – aber bis das Realität wird, vergehen noch Monate.

Zweitens: Der fehlende Käuferschutz. Bei Problemen mit einer Bestellung können Sie nicht einfach bei Wero anrufen und Ihr Geld zurückfordern. Das Geld ist weg, sobald Sie bestätigt haben. Für den Kauf bei unbekannten Online-Shops ist das ein echtes Risiko.

Drittens: Beide Seiten müssen mitmachen. Sie können jemandem nur dann Geld per Wero senden, wenn diese Person ebenfalls bei einer teilnehmenden Bank ist und Wero aktiviert hat. Das begrenzt die Praktikabilität im Alltag – zumindest noch.

Viertens: Die Bekanntheit. Laut einer Verivox-Umfrage sind gerade mal zehn Prozent der Deutschen für Wero registriert, vier Prozent haben es tatsächlich genutzt. PayPal liegt bei über 30 Millionen aktiven Nutzenden. Der Weg zum Mainstream ist noch weit.

Wero einrichten: So geht’s in 3 Minuten

Falls Ihre Bank dabei ist, dauert die Aktivierung keine fünf Minuten. Hier die Kurzanleitung:

  1. Banking-App öffnen: Bei den meisten Sparkassen und Volksbanken ist Wero bereits integriert – kein separater Download nötig.
  2. Wero aktivieren: Suchen Sie in der App nach „Wero“ oder „Geld senden“. Beim ersten Aufruf werden Sie durch die Einrichtung geführt.
  3. Kontaktdaten hinterlegen: Verknüpfen Sie Ihre Handynummer oder E-Mail-Adresse mit Ihrem Konto. Darüber können andere Sie als Zahlungsempfänger finden.
  4. Fertig: Sie können sofort Geld senden und empfangen.

Für Online-Zahlungen bei Händlern brauchen Sie nichts weiter zu tun. Wählen Sie an der Kasse „Wero“ als Zahlungsmethode, scannen Sie den QR-Code mit Ihrer Banking-App und bestätigen Sie die Zahlung. Die Vor- und Nachteile von Mobile Payment verschieben sich mit Wero etwas zugunsten der Sicherheit.

Was die Konkurrenz macht: PayPal schläft nicht

PayPal hat Wero natürlich auf dem Radar. Der US-Konzern reagiert mit eigenen Innovationen – etwa der Möglichkeit, Geld über QR-Codes zu senden, oder dem Ausbau von „PayPal Friends & Family“ für gebührenfreie Überweisungen.

Auch Klarna positioniert sich aggressiv. Der schwedische BNPL-Spezialist expandiert ins klassische Zahlungsgeschäft und bietet mittlerweile auch sofortige Überweisungen an. Der Dreikampf zwischen PayPal, Wero und Klarna wird in den kommenden Jahren spannend.

Apple Pay und Google Pay bleiben ebenfalls relevant – allerdings eher als „Schnittstelle“ denn als eigenständiges Zahlungssystem. Beide sind darauf angewiesen, dass eine Karte hinterlegt ist. Theoretisch könnte der europäische Dienst künftig sogar als Zahlungsquelle in Apple Pay integriert werden – ähnlich wie bereits heute Girocards eingebunden werden können.

Die große Frage: Wird sich Wero durchsetzen?

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Aber einige Faktoren sprechen für den europäischen Bezahldienst:

Der Rückenwind durch Regulierung. Die EU arbeitet aktiv daran, europäische Zahlungslösungen zu stärken. Der EU AI Act, die PSD3-Richtlinie, diverse Datenschutz-Initiativen – all das macht es US-Konzernen schwerer und europäischen Alternativen leichter.

Das Bankennetzwerk. Mit Sparkassen, Volksbanken, Deutscher Bank und bald auch N26 ist eine kritische Masse erreicht. Wenn Ihre Hausbank den Dienst anbietet, werden Sie ihn früher oder später ausprobieren – selbst wenn nur aus Neugier.

Die Händlerakzeptanz. 150 Online-Shops bis Ende 2025, weitere 50 im Folgejahr. Ikea und Zalando prüfen angeblich eine Integration. Wenn die großen Namen dabei sind, folgen die kleineren.

Der Preis. Für Nutzende: kostenlos. Für Händler: günstiger als PayPal. Das ist ein Argument, das zieht.

Was dagegen spricht: Die Macht der Gewohnheit. PayPal ist seit über 20 Jahren etabliert. „Mit PayPal zahlen“ ist für viele Menschen so selbstverständlich wie „googeln“ für die Internetsuche. Dieses Verhalten zu ändern, braucht Zeit – und einen echten Mehrwert, den Nutzende spüren.

Und jetzt?

Wero ist kein PayPal-Killer. Noch nicht, vielleicht nie. Aber es ist eine echte Alternative für alle, denen digitale Souveränität wichtig ist. Die Frage „Wohin fließen meine Daten?“ bekommt mit Wero eine klare Antwort: Sie bleiben in Europa.

Ob Sie umsteigen sollten? Das hängt von Ihren Prioritäten ab. Wenn Sie international einkaufen und den Käuferschutz brauchen, bleibt PayPal die pragmatische Wahl. Wenn Sie primär in Deutschland und Europa unterwegs sind und Wert auf Datenschutz legen, lohnt sich ein Blick auf Wero.

Mein Tipp: Aktivieren Sie Wero in Ihrer Banking-App – sofern verfügbar – und probieren Sie es aus. Eine Überweisung an Freunde oder Familie, ein erster Einkauf bei einem unterstützten Händler. Die beste Meinung bilden Sie sich immer noch selbst.

Die europäische Payment-Landschaft ist in Bewegung. Zum ersten Mal seit Jahren haben die großen US-Konzerne ernstzunehmende Konkurrenz aus Europa. Ob Wero das Rennen macht, wird sich zeigen. Spannend ist es allemal.

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