Parken: Wer Zahlungsprozesse nicht bis 2030 modernisiert, verliert Wettbewerbsfähigkeit

Zahlungssysteme beim Parken

Parkraumbetreibende stehen vor einem radikalen Umbruch: Fragmentierte Zahlungssysteme, neue EU-Regulierungen wie PSD3 und SEPA Instant Payments sowie die Integration von E-Ladeinfrastruktur erhöhen die Komplexität dramatisch. Jonas Suijkerbuijk, CEO des Zahlungsdienstleisters Billogram, warnt: Wer Zahlungsprozesse nicht bis 2030 modernisiert, verliert Wettbewerbsfähigkeit – und zwar deutlich früher als gedacht.

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Der Bezahlvorgang entscheidet über Erfolg oder Frust

Mal ehrlich: Wie oft haben Sie schon vor einem Parkautomaten gestanden, der weder Ihre Karte noch Apple Pay akzeptiert? Oder mussten Sie Kleingeld zusammenkratzen, während hinter Ihnen die Warteschlange länger wurde?

Jonas Suijkerbuijk trifft den Kern des Problems: „Der Bezahlvorgang ist der sensibelste Moment der gesamten Mobilitätsnutzung.“ Für den Gründer und CEO von Billogram, einem schwedischen Zahlungsdienstleister mit über 100 Beschäftigten, ist dieser Moment der einzige direkte Kontaktpunkt zwischen Betreibenden und Nutzenden. „Wenn dieser Moment nicht funktioniert, entsteht Frust bei Autofahrenden – unabhängig davon, wie modern Parkflächen, Apps oder Schranken sind.“

Seit über einem Jahrzehnt arbeitet Billogram mit Unternehmen zusammen, die große Transaktionsvolumina in regulierten Märkten verarbeiten: Energieversorger, Telekommunikationsanbieter, Versicherungen – und zunehmend auch Mobilitätsdienstleister. Die Erfahrung zeigt: Mehrere Zahlungsmethoden, eingeschränkte Echtzeitfunktionen und manuelle Abstimmungen führen zu Reibungsverlusten. Diese wirken sich direkt auf Umsatz, Skalierbarkeit und Akzeptanz aus.

Warum Parken 2030 nicht mehr ohne Instant Payments funktioniert

Stellen Sie sich vor: Sie fahren in ein Parkhaus, die Schranke öffnet sich automatisch per Kennzeichenerkennung, Sie parken, und beim Ausfahren bucht das System sekundengenau ab. Kein Ticket, kein Automat, kein Münzgefummel.

Genau diese Vision macht SEPA Instant Payments möglich. Die EU-Verordnung (2024/886) schreibt vor, dass Echtzeitüberweisungen innerhalb maximal zehn Sekunden beim Empfangenden gutgeschrieben werden müssen. Das klingt nach Detail, ist aber revolutionär für das Parkraummanagement: Erstmals werden Pay-as-you-leave-Modelle wirtschaftlich rentabel, bei denen Autofahrende erst bei der Ausfahrt bezahlen.

Die technischen Anforderungen sind allerdings erheblich. Seit dem 9. Oktober 2025 ist der IBAN-Name-Check EU-weit verpflichtend – Zahlungsdienstleister müssen prüfen, ob Name und IBAN übereinstimmen. Für Parkraumbetreibende bedeutet das: Ihre Backend-Systeme müssen diese Validierungen in Echtzeit durchführen können.

Gleichzeitig steigen die Sicherheitsrisiken. Die Schnelligkeit der Transaktionen reduziert die Zeit für Betrugsprävention dramatisch. „Instant Fraud“ ist das neue Risiko: Betrügerische Überweisungen werden binnen Sekunden abgewickelt, eine Rückgängigmachung ist praktisch ausgeschlossen. KI-basierte Echtzeit-Betrugserkennung wird damit zur Pflicht, nicht zur Kür.

PSD3 und PSR: Regulierung als Wettbewerbsvorteil wird unterschätzt

„Regulierung trennt Vorreiter von Nachzüglern“, bringt es Suijkerbuijk auf den Punkt. Die Payment Services Directive 3 (PSD3) und die Payment Services Regulation (PSR), die im ersten Halbjahr 2026 formell verabschiedet werden, verschärfen die Anforderungen massiv: Konsolidierte Lizenz- und Aufsichtsregeln, strengere Governance, verschärfte Auslagerungsvorschriften.

Nach der politischen Einigung im November 2025 tritt die PSR voraussichtlich 20 Tage nach Veröffentlichung in Kraft und gilt grundsätzlich 18 Monate danach unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Nationale Interpretationsunterschiede werden reduziert – gut für Betreibende, die grenzüberschreitend arbeiten.

Wer frühzeitig investiert, stabilisiert Zahlungsflüsse, reduziert operative Reibung und gewinnt Vertrauen bei Nutzenden und öffentlichen Akteuren. Wer wartet, riskiert Compliance-Probleme und Wettbewerbsnachteile.

Kennen Sie das? In einem deutschen Parkhaus zahlen Sie bar, in einem österreichischen mit Karte, und im schwedischen ausschließlich per App. Diese Fragmentierung ist nicht nur nervig – sie ist wirtschaftlich fatal. „Niemand akzeptiert 2030 fünf unterschiedliche Bezahlprozesse für eine einzige Mobilitätsreise“, warnt Suijkerbuijk.

Fragmentierte Systeme bremsen Betreibende aus

Viele Parkraumbetreibende arbeiten noch mit getrennten Lösungen für Abrechnung, Zahlungsabwicklung, Mahnwesen und Reporting. Die Kosten sind erheblich: Die Stadt Ludwigsburg wendete 2025 etwa 100.000 Euro für Servicegebühren eines Dienstleisters auf, der die Bargeldbestände in den Automaten leerte.

Bergisch Gladbach rüstete 53 Parkscheinautomaten auf kontaktlose Kartenzahlung und App-Lösungen um. Die Begründung: kein Dienstleister war mehr bereit, die aufwendige Bargeldleerung zu übernehmen. Die Stadt betont, dass die Digitalisierung einen weiteren Schritt vorangetrieben wird und gleichzeitig der ökologische Fußabdruck reduziert wird.

Schwetzingen bietet seit Anfang 2026 die Parkster-App an – zum gleichen Preis wie am Parkautomaten, ohne zusätzliche Servicegebühren. Ein Trend zu kostenlosen App-Lösungen zeichnet sich ab, bei denen Städte die Servicegebühren tragen, um Nutzende zum Wechsel zu motivieren.

Hand aufs Herz: Nutzende vergleichen Parken nicht mehr mit dem Parkhaus nebenan, sondern mit digitalen Plattformen, bei denen Bezahlen im Hintergrund verschwindet. Amazon, Uber, Apple Pay – das ist die Messlatte.

Von Bargeld zu kontaktlos: Die DACH-Region hinkt hinterher

In Deutschland und der DACH-Region zahlen noch immer rund 60 Prozent der Autofahrenden mit Bargeld für ihre Parkgebühren. Vertrauen in physisches Geld und Sorgen vor zusätzlichen Servicegebühren sind die Hauptgründe. Gleichzeitig nutzen 37 bis 38 Prozent bereits Mobile-Payment-Lösungen oder bevorzugen Kartenzahlungen.

Der Kontrast zu Skandinavien könnte größer nicht sein: In Schweden nutzen 61 Prozent Park-Apps, in Norwegen 45 Prozent. Diese Länder haben komplett auf physische Bargeldinfrastruktur verzichtet und setzen auf rein digitale Lösungen – möglich gemacht durch hohe eID-Durchdringung und klare Rechtsrahmen.

Eine YouGov-Studie mit 16.500 Autofahrenden zeigt: Zehn Prozent der deutschen Autofahrenden nutzen bereits eine Park-App, wobei die Nutzungsquoten in einzelnen Städten teilweise über 30 Prozent liegen. Die EasyPark-App verzeichnete zwischen 2019 und 2021 einen Anstieg der Transaktionen um 220 Prozent.

Mastercard-Forschung belegt den Generationenwandel: 36 Prozent der deutschen Bevölkerung haben bereits mobil gezahlt – gegenüber nur 26 Prozent im Vorjahr. Bei den 18- bis 29-Jährigen nutzen fast zwei Drittel (64 Prozent) Mobiltelefon oder Smartwatch zum Bezahlen, ein Anstieg von 48 Prozent im Vorjahr.

E-Mobilität macht alles komplexer – und dringender

Die Integration von Elektromobilitätslösungen ins Parkraummanagement ist kein Nice-to-have mehr, sondern Pflicht. Die Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR), seit April 2024 in Kraft, regelt die Payment-Vorgaben für neue öffentliche Ladepunkte: Ad-hoc-Laden ohne vorherigen Vertrag muss möglich sein.

Ab einer Leistung von 50 kW ist kontaktlose Kartenzahlung oder deren digitale Varianten wie Apple Pay und Google Pay Pflicht, unter 50 kW reichen webbasierte Lösungen mit QR-Codes. Ab dem 1. Januar 2027 müssen auch bestehende DC-Schnelllader mit mindestens 50 kW nachgerüstet sein und Kartenzahlung ermöglichen.

Die GLS Mobility-Gruppe macht es vor: Ihre Smart-Payment-Lösungen ermöglichen es Parkhausbetreibenden, Park- und Ladekosten in einem einzigen Schritt abzurechnen. Preise können dynamisch an Auslastung und Tageszeiten angepasst werden.

Das schafft neue Geschäftsmöglichkeiten: Monetarisierung von Werbeflächen an Ladestationen, Kooperationen mit E-Flottenbetreibenden, datengesteuerte Tarifmodelle. Wer diese Integration verschläft, verliert gleich doppelt: an konventionelle Parkhausbetreibende UND an E-Mobility-Plattformen.

Schrankenlose Parksysteme: Kennzeichenerkennung als Game Changer

Free-Flow-Parken eliminiert traditionelle Parkhausinfrastruktur wie Schranken und Tickets vollständig. Das System erfasst das Kfz-Kennzeichen beim Ein- und Ausfahren und ermöglicht damit eine komplett automatisierte Abrechnung – entweder über die Hinterlegung einer Zahlungsmethode in einer App oder per nachträglicher Benachrichtigung.

In Mainz betreibt die PMG (Parken in Mainz GmbH) 28 Parkhäuser mit digitalen Softwarelösungen, wobei bereits drei Parkhäuser auf Kennzeichenerkennung umgerüstet wurden. Das System funktioniert vollständig papierlos und kontaktlos: Endkundschaft registriert sich online, erhält Rabatte (in Mainz zehn Prozent), und die Schranke öffnet sich automatisch ohne Ticketziehen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: drastisch reduzierte Investitions-, Wartungs- und Reparaturkosten. Keine kaputten Schranken mehr, keine Papierstaus, keine Warteschlangen.

Allerdings bringt die Kennzeichenerkennung datenschutzrechtliche Herausforderungen mit sich. Das Autokennzeichen gilt als personenbezogenes Datum nach der DSGVO – Speicherung, Verarbeitung und Weitergabe sind streng reguliert. Parkraumbetreibende müssen dokumentieren, zu welchem Zweck die Daten erhoben werden, wie lange sie gespeichert bleiben und wann sie gelöscht oder anonymisiert werden.

Bei regulären Parkvorgängen erfolgt die Löschung sofort, bei Parkverstößen reduzierte Speicherung. Wer hier schlampig arbeitet, riskiert DSGVO-Bußgelder in Millionenhöhe.

KI prognostiziert freie Parkplätze – und optimiert Erlöse

Künstliche Intelligenz revolutioniert nicht nur die Suche nach Parkplätzen, sondern auch die Geschäftslogik von Parkraumbetreibenden. Ab 2026 analysiert KI anonymisierte Parkzeitinformationen systematisch und erstellt Prognosen zu Auslastung, Stoßzeiten und freien Zeitfenstern.

Einer Umfrage zufolge wünschen sich 86 Prozent der Nutzenden eine solche Unterstützung bei der Parkplatzsuche. Die EasyPark-App mit ihrer FIND-Feature zeigt Autofahrende gezielt zu Straßenabschnitten, in denen die Chancen besonders hoch sind, einen freien Parkplatz zu finden.

Für Parkraumbetreibende liefern solche Systeme gleichzeitig „Parking Data as a Service“: ein Dashboard, das wichtige Indikatoren wie Auslastung von Parkbereichen, Veränderungen des Parkverhaltens in bestimmten Zeiträumen oder Einnahmen pro Parkzone visualisiert.

Die Daten ermöglichen dynamische Preismodelle – wie bei Uber Surge Pricing. Hohe Nachfrage? Höherer Preis. Leere Parkflächen? Rabatte per Push-Notification. Das ist kein Science-Fiction, sondern bereits Realität in mehreren deutschen Städten.

Integration in Smart-City-Ökosysteme: Parken wird Teil von Mobilität

Die Parkgebührenzahlung wird 2026 zunehmend zu einem Baustein umfassenderer Smart-City und Smart-Mobility-Ökosysteme. Mobile Payment ist häufig der erste Schritt zu integrierten Smart-Parking-Lösungen, bei denen Belegungssensorik, Verkehrssteuerung und multimodale Mobilität (ÖPNV, Carsharing, E-Ladesäulen) miteinander verbunden werden.

Das Mobilitäts-as-a-Service-Konzept (MaaS) zeigt, wie Parkgebührenzahlung in ein größeres Mobilitätssystem integriert werden kann. Die Berliner Plattform Jelbi verbindet verschiedene Mobilitätsdienste: Autofahrende können Parkplätze über die App finden, reservieren und direkt bezahlen, während sie gleichzeitig Zugang zu ÖPNV, Carsharing und anderen Mobilitätsoptionen haben.

Diese Integration reduziert nicht nur Suchverkehr und damit verbundene Emissionen, sondern schafft auch neue Revenue-Streams für Betreibende durch Werbeflächen, Kooperationen und datengesteuerte Tarifmodelle.

„Payments prägen, wie Mobilität wahrgenommen wird“, erklärt Suijkerbuijk den Prozess. „Wer Zahlungsprozesse strategisch aufsetzt, schafft die Grundlage für neue Services, flexible Preismodele und stabile Erlösströme.“

Marktdynamik: Der digitale Parking-Markt explodiert

Die Zahlen sprechen für sich: Der Park-Software-Markt wuchs 2024 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 8,44 Prozent, von 337,58 Millionen USD im Jahr 2024 auf prognostizierte 645,46 Millionen USD bis 2032. Das Mobile-Payment-Segment für Parken allein wird sich von 2024 (0,678 Milliarden USD) bis 2032 auf 1,405 Milliarden USD mehr als verdoppeln.

Parallel dazu entwickelt Billogram derzeit eine Lösung zur Betrugsbekämpfung, da Zahlungsbetrug für Mobilitätsanbietende zu einer immer größeren Herausforderung geworden ist. Die schnelle Abwicklung von Instant Payments lässt kaum Zeit für umfangreiche Betrugsbekämpfung – Echtzeit-Betrugserkennung und KI-basierte Anomalieerkennung werden zur Pflicht.

In diesem Kontext wird die Auswahl der richtigen Zahlungspartner entscheidend. Betreibende müssen Zahlungsdienstleister wählen, die nicht nur technisch die neuen SEPA-Instant- und PSD3-Anforderungen erfüllen, sondern auch eine stabile und sichere Infrastruktur bieten.

Hybrid bleiben, digital wachsen: Was Betreibende jetzt tun müssen

Trotz der positiven Dynamik gibt es erhebliche Herausforderungen. Circa 20 Prozent der europäischen Nutzenden verweigern sich weiterhin rein digitalen Lösungen und bestehen auf Bargeldoptionen. Das hat sowohl politische Dimensionen (das Recht, mit Bargeld zu zahlen) als auch praktische – nicht alle Nutzenden haben Zugang zu Bankkonten oder Smartphones.

Das Erfolgsmodell der kommenden Jahre lautet deshalb: Hybrid bleiben, digital wachsen. Hybridsysteme, die Bargeld, Kartenzahlung und Mobile-Payment-Apps gleichzeitig anbieten, berücksichtigen regulatorische Anforderungen und unterschiedliche Nutzererwartungen, während sie gleichzeitig innovative digitale Lösungen implementieren.

Ludwigsburg macht es vor: Die Stadt behielt bewusst traditionelle Parkscheinautomaten mit Kartenzahlung und Barzahlung bei, führte aber gleichzeitig PayByPhone ein. Ab 1. Januar 2026 übernehmen die Nutzenden die Servicegebühren (15 Prozent für Parkgebühren über 3 Euro, kostenlos darunter) – ein ökonomischer Anreiz für digitale Kanäle, ohne diese verpflichtend zu machen.

Betreibende, die diese Transition frühzeitig und strategisch gestalten, profitieren doppelt: Sie erreichen höhere Kundenzufriedenheit durch verbesserte Bequemlichkeit und Flexibilität, während sie gleichzeitig ihre Betriebskosten deutlich reduzieren.

Biometrische Zahlungen und die nächste Generation

Während Kartenzahlung und Mobile Wallets heute Standard werden, zeichnet sich bereits die nächste Evolutionsstufe ab: biometrische Zahlungen. Mastercard hat ein Biometric Checkout Programm entwickelt, das es Kundschaft ermöglicht, mit einem Lächeln oder Winken zu bezahlen.

Weltweit stehen 74 Prozent der Verbrauchenden dieser Technologie positiv gegenüber. Prognosen gehen davon aus, dass der Markt für kontaktlose biometrische Technologien bis 2026 auf 17,84 Milliarden Euro ansteigen wird. Für Parkraumbetreibende bedeutet das: Gesichtserkennung beim Einfahren, automatische Abrechnung beim Ausfahren – komplett ohne Smartphone, ohne Karte, ohne App.

Die Architektur solcher Systeme betont Datensicherheit: Biometrische Daten werden in separaten „sicheren Token-Tresoren“ gespeichert, getrennt von den Zahlungsinformationen. Dies adressiert berechtigte Datenschutzbedenken, da die Verknüpfung von eindeutigen biometrischen Merkmalen mit Bewegungsprofilen sensible Fragen zur Überwachung aufwirft.

In Vietnam sind biometrische Anforderungen bereits regulatorisch vorgeschrieben: Seit Januar 2026 müssen Banken biometrische Daten für die Kartenausgabe erfassen, und E-Wallet-Dienstleister müssen die Identität ihrer Kundschaft per Biometrie verifizieren, bevor Konten aktiviert werden.

Häufige Fragen zu modernen Zahlungssystemen beim Parken

Muss ich als Parkraumbetreiber Bargeld abschaffen?

Nein. Circa 20 Prozent der europäischen Nutzenden bestehen auf Bargeldoptionen. Der hybride Ansatz – Bargeld, Karte und App parallel – ist derzeit Best Practice, besonders in der DACH-Region. Allerdings sollten Sie digitale Zahlungsmethoden als Standard etablieren, nicht als Ergänzung.

Wie teuer ist die Umstellung auf moderne Zahlungssysteme?

Die Investitionskosten variieren je nach Umfang: Softwareintegration für bestehende Systeme beginnt ab 5.000 Euro, komplette Parkhaus-Umrüstungen mit Kennzeichenerkennung können 50.000+ Euro kosten. Allerdings amortisieren sich diese Investitionen schnell: Ludwigsburg spart allein 100.000 Euro jährlich an Bargeld-Servicegebühren.

Welche Zahlungsmethoden erwarten Nutzende 2026?

Apple Pay und Google Pay sind mittlerweile Standard-Erwartung, besonders bei der Generation unter 30 Jahren (64 Prozent Nutzung). Zusätzlich sollten Sie EasyPark, PayByPhone oder lokale Park-Apps integrieren. SEPA Instant Payments werden bis 2027 zum Standard.

Wie stelle ich DSGVO-Konformität bei Kennzeichenerkennung sicher?

Dokumentieren Sie präzise den Erhebungszweck, implementieren Sie automatische Löschungsregeln (sofort nach regulärem Parkvorgang, reduzierte Speicherung bei Verstößen), und stellen Sie sicher, dass Betroffenenrechte gewährleistet sind. Externe Datenschutz-Audits sind empfehlenswert, bevor Sie live gehen.

Was passiert, wenn mein Zahlungssystem ausfällt?

Genau deshalb ist die Auswahl stabiler Zahlungsdienstleister kritisch. Planen Sie Fallback-Mechanismen ein: manuelle Abrechnung, temporäre Öffnung der Schranken mit Nachforderung, oder Backup-Systeme. Ausfallzeiten führen direkt zu Umsatzverlusten und Kundenunzufriedenheit.

Und jetzt? Handeln oder abgehängt werden

„Die Zukunft des Parkens in Deutschland entscheidet sich womöglich nicht im Parkhaus, sondern im Zahlungsprozess“, fasst Suijkerbuijk zusammen. Moderne, integrierte Payment-Systeme sind die Voraussetzung für wirtschaftlichen Betrieb, skalierbare Mobilität und Akzeptanz neuer Services.

Wer jetzt handelt, positioniert sich als zukunftsfähiger Betreiber. Wer wartet, riskiert steigende Kosten, sinkende Wettbewerbsfähigkeit und den möglichen Verlust von Marktanteilen an innovativere Konkurrenz.

Die Handlungsempfehlungen sind klar:

  • Standortanalyse durchführen: Verstehen, wer in Ihren Parkflächen parkt und welche Zahlungsmethoden bevorzugt werden
  • Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellen: Investitionskosten gegen laufende Einsparungen abwägen
  • Vertrauenswürdigen Technologiepartner wählen: Erfahrung mit PSD3, Instant Payments und DSGVO-Compliance ist Pflicht
  • Pilotphase mit ausgewählten Nutzungsgruppen: KPIs wie Durchlaufzeiten, Payment-Adoption und Kundenzufriedenheit messen
  • Transparente Kommunikationsstrategie: Kundschaft muss verstehen, wie die neuen Systeme funktionieren und welche Vorteile sie bieten

Das Parkraummanagement der nächsten Dekade wird nicht mehr durch physische Schranken und Tickets definiert, sondern durch nahtlose digitale Transaktionen, intelligente Ressourcenallokation und ein ganzheitliches Mobilitätsökosystem.

Der Punkt ist: Wer Zahlungsprozesse ignoriert, verliert die Wettbewerbsfähigkeit – lange bevor 2030 erreicht ist. Die Zeit zu handeln ist nicht morgen. Sie ist jetzt.

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