67 Prozent mehr Umsatz. Das ist keine Marketing-Fantasie, sondern das, was Kunden ausgeben, wenn sie Mitglied eines Treueprogramms sind. Trotzdem machen Online-Händler immer wieder die gleichen Fehler bei der Kundenbindung – und wundern sich, warum die Konkurrenz davonzieht. Wir bei digital-magazin.de haben uns die häufigsten Patzer genauer angeschaut und zeigen, wie Sie aus Einmalkäufern zahlende Stammkunden machen.
Mal ehrlich: Was ist wertvoller – ein neuer Kunde, der einmal 50 Euro ausgibt, oder ein Stammkunde, der über Jahre hinweg regelmäßig bestellt? Die Antwort liegt auf der Hand. Doch viele E-Commerce-Betreiber jagen lieber der nächsten Neukunden-Kampagne hinterher, statt ihre bestehenden Käufer zu pflegen. Ein fataler Fehler.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Gewinnung eines neuen Kunden kostet bis zu fünfmal mehr als die Bindung eines bestehenden. Und hier wird’s richtig interessant – eine Steigerung der Kundenbindung um läppische 5 Prozent kann langfristig die Gewinne um bis zu 95 Prozent erhöhen. Kein Tippfehler.
Lange Zeit hinkte Deutschland beim Thema Bonusprogramme anderen Märkten hinterher. Während in den USA der durchschnittliche Konsument zu sage und schreibe 19 Loyalty-Programmen gehört (aktiv genutzt werden davon freilich nur etwa 9), waren die Deutschen eher zurückhaltend. Aber die Zeiten ändern sich. Heute sind bereits 82 Prozent der deutschen Konsumenten bei mindestens einem Bonusprogramm registriert.
Die Platzhirsche? PAYBACK führt mit 35 Millionen aktiven Nutzern und über 700 Partnerunternehmen. Und das Programm schläft nicht. Nachdem Ende 2024 die Zusammenarbeit mit REWE und Penny endete, kamen Anfang 2025 EDEKA und Netto Marken-Discount als neue Partner hinzu. Auch die Sparkassen sind jetzt mit im Boot. Clever gemacht.
Die DeutschlandCard folgt mit über 20 Millionen Mitgliedern. Was uns bei digital-magazin.de besonders aufgefallen ist: Die meisten Deutschen sind zwar bei fast sechs verschiedenen Programmen angemeldet, nutzen aber nicht mal die Hälfte davon aktiv. Warum? Darauf kommen wir gleich zurück.
Der Grund, warum Deutsche sich an Loyalty-Programmen beteiligen, ist hochgradig rational: 97 Prozent der befragten Kunden nennen Vergünstigungen als wichtigste Funktion der Programme.
Klingt banal? Ist aber der häufigste Schnitzer überhaupt. Viele Online-Shops verzichten komplett auf Kundenbindungsprogramme – aus Kostengründen, wegen des vermeintlichen Aufwands oder weil sie glauben, ihre Produkte seien „Selbstläufer“.
Pustekuchen.
Ohne Anreiz zur Wiederkehr ist der Kunde beim nächsten Mal weg. Amazon bietet Prime. Zalando hat Zalando Plus. Selbst der Dönerladen um die Ecke hat mittlerweile eine Stempelkarte. Und Sie? Nichts?
Das Argument „Wir haben tolle Produkte, die verkaufen sich selbst“ zieht nicht mehr. Klar, Produktqualität ist das Fundament – 55 Prozent der Konsumenten nennen die Liebe zum Produkt als Hauptgrund für Markentreue. Aber reicht das allein? Nein. Die Konkurrenz im digitalen Vertrieb hat auch gute Produkte UND ein cleveres Bonussystem.
Schauen wir uns erfolgreiche Beispiele an:
Stellen Sie sich vor: Egal ob jemand 10 Euro oder 1.000 Euro ausgibt – alle bekommen den gleichen Rabattcoupon. Motivierend? Kaum.
Ein Punkt pro ausgegebenem Euro mag simpel klingen, schafft aber keine Anreize, mehr zu kaufen. Gestaffelte Prämien sind der Schlüssel. Bei 100 Punkten gibt’s 5 Euro Rabatt, bei 500 Punkten 30 Euro plus ein kleines Extra. Plötzlich rechnen Kunden hoch, wie nah sie am nächsten Level sind – und bestellen nochmal.
Und bitte, bitte: keine unsinnigen Prämien! Wenn Ihr deutsches Reiseportal als Hauptprämie 30 Prozent Rabatt in einem von drei Hotels in Bangkok anbietet, nutzt das vielleicht fünf Prozent Ihrer Kunden. Besser: Rabatte bei deutschen oder europäischen Hotelketten, die wirklich jeder nutzen kann.
Kennen Sie das frustrierende Gefühl, wenn Sie nicht wissen, wo Sie stehen? Kunden auch. Wer seinen Punktestand nicht einsehen kann, verliert schnell das Interesse am Programm.
Die Lösung ist denkbar einfach: Integration im Kundenkonto. Jederzeit einsehbar. Idealerweise mit einem kleinen Fortschrittsbalken, der zeigt: „Noch 47 Punkte bis zur nächsten Prämie!“ Das motiviert.
PAYBACK macht’s vor mit seiner App – 17 Millionen aktive Nutzer sprechen für sich. Die zeigt nicht nur den Punktestand, sondern auch personalisierte Angebote. Mit PAYBACK PAY können Kunden sogar in einem Rutsch bezahlen, Punkte sammeln und einlösen.
Wer erst ab 1.000 Euro Jahresumsatz die erste Prämie gewährt, schreckt ab. Hand aufs Herz: Die meisten Kunden erreichen solche Schwellenwerte nie. Und selbst wenn – bis dahin ist die Motivation längst im Keller.
45 Prozent der Konsumenten kritisieren, dass es zu lange dauert, Belohnungen zu verdienen. 31 Prozent finden es zu schwierig. Weitere 27 Prozent halten die Belohnungen für nicht wertvoll genug.
Die goldene Regel: Frühe Erfolge schaffen. Die erste kleine Belohnung sollte bereits nach dem zweiten oder dritten Einkauf kommen. Nichts Riesiges – vielleicht ein 5-Euro-Gutschein oder kostenloser Versand. Hauptsache, der Kunde spürt: „Hey, das lohnt sich!“
Vorhersehbarkeit ist der Tod der Begeisterung. Wenn Kunden genau wissen, dass sie nach 10 Einkäufen 10 Euro Rabatt bekommen – immer gleich, nie anders – fehlt der Wow-Faktor.
Überraschungen schaffen emotionale Bindung. Ein paar Ideen:
Master Foods Austria hat’s clever gemacht: Hundebesitzer konnten den Geburtstag ihres Vierbeiners hinterlegen und bekamen dann eine kleine Überraschung zugeschickt. Datensammlung und emotionale Bindung in einem. Nicht schlecht.
Sie kennen das bestimmt: Ein Gutschein, den Sie erst dreimal ausdrucken, dann an drei verschiedenen Stellen eingeben und schließlich noch per Mail bestätigen müssen. Nervig.
Bei Treueprogrammen gilt das Gleiche. Die Einlösung muss kinderleicht sein. Ein Klick. Fertig. Alles andere führt zu Frust und Absprüngen.
Online-Casino-Kunden wechseln sofort den Anbieter, wenn sie nicht sofort sehen, wann und wie sie ihre Prämie erhalten. Das gilt genauso für Mode-Shops, Elektronik-Händler oder Food-Delivery-Dienste.
Ein gutes Treueprogramm steht und fällt mit dem Support. Was bringt das tollste Punktesystem, wenn bei Problemen niemand erreichbar ist?
Typische Szenarien: Punkte wurden nicht gutgeschrieben, der Prämiencode funktioniert nicht, die Einlösung klappt nicht. Wenn der Kunde dann minutenlang in Warteschleifen hängt oder frustrierende Chatbot-Dialoge durchlaufen muss, ist er weg.
Die Lösung: Direkten Zugang zu kompetenten Ansprechpartnern bieten. Live-Chat, Hotline, klare FAQ-Sektion. Und bitte: Das Service-Team muss das Treueprogramm in- und auswendig kennen. Denn wie wir bereits in einem früheren Artikel festgestellt haben, entscheidet der Kundenservice maßgeblich über die Kundenzufriedenheit – auch bei Bonusprogrammen.
Viele Unternehmen behandeln ihr Treueprogramm als Randnotiz. Ein Banner auf der Website, fertig. Das ist verschenktes Potenzial.
Erfolgreiche Programme wie Lufthansas Miles & More zeigen, wie’s richtig geht: Aktive Bewerbung auf allen Kanälen, Integration in jede Kundenkommunikation, eigene Marketingkampagnen. Das Programm hat in Deutschland über 1,5 Millionen Mitglieder – kein Zufall.
Ihr Bonusprogramm sollte fester Bestandteil Ihrer Marketingstrategie sein. Newsletter? Erwähnen Sie die Punkte-Aktion. Social Media? Zeigen Sie, was Mitglieder bekommen. Website? Prominent platzieren, nicht im Footer verstecken.
66 Prozent der deutschen Einzelhändler planen 2025, ihre Ausgaben für Loyalitätsprogramme zu erhöhen. Die Konkurrenz schläft nicht.
Ein Treueprogramm ist eine Goldmine – wenn Sie die Daten nutzen. Kaufhistorie, Präferenzen, Frequenz – all das verrät Ihnen, wer Ihre wertvollsten Kunden sind und was sie wirklich wollen.
90 Prozent der europäischen Konsumenten sind bereit, persönliche Daten gegen Loyalty-Punkte oder Rabatte zu teilen. Natürlich DSGVO-konform und transparent. Aber die Bereitschaft ist da.
Mit KI-gestützter Analyse können Sie personalisierte Produktempfehlungen ausspielen, Abwanderungsrisiken frühzeitig erkennen, gezielte Rückgewinnungskampagnen starten und Prämienprogramme optimieren. Die Hyperpersonalisierung im E-Commerce ist längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern geschäftskritisch.
McKinsey-Studien zeigen: Richtig implementierte Personalisierung kann den Umsatz um bis zu 40 Prozent steigern. Das ist kein Nice-to-have mehr. Das ist Business-Critical.
Der vielleicht größte Fehler: Das Programm einmal aufsetzen und dann laufen lassen. Kundenbindungsprogramme sind keine Selbstläufer. Sie brauchen Pflege, Analyse und Anpassung.
Was funktioniert? Was nicht? Welche Prämien werden am häufigsten eingelöst? Bei welchen Kundensegmenten stockt das Engagement? Diese Fragen müssen Sie sich ständig stellen.
Experten empfehlen, sich auf mindestens fünf Jahre Laufzeit einzustellen, um Glaubwürdigkeit aufzubauen. Aber innerhalb dieser Zeit sollten Sie mehrfach nachjustieren. A/B-Tests für verschiedene Prämienmodelle. Analyse der Engagement-Raten. Feedback-Schleifen mit Kunden.
Die erfolgreichsten Loyalty-Programme haben durchschnittlich einen ROI von 4,8x. Das heißt: Für jeden investierten Euro fließen 4,80 Euro zurück. Aber nur, wenn Sie kontinuierlich optimieren.

Hier kommt etwas, das viele unterschätzen: Gamification. Marken, die spielerische Elemente in ihre Treuestrategien einbauen, verzeichnen 22 Prozent mehr Markenloyalität, 47 Prozent höheres Engagement und 15 Prozent mehr Markenbekanntheit.
Was heißt das konkret? Statt nur Punkte zu sammeln, können Kunden:
Klingt vielleicht albern. Funktioniert aber. Das menschliche Gehirn liebt Fortschrittsbalken und Achievements. Fragen Sie mal Millionen von Duolingo-Nutzern mit ihrer Daily-Streak-Obsession.
Spannend wird’s bei der jüngsten Käufergeneration. 57 Prozent der Gen-Z-Verbraucher sind heute weniger loyal zu Marken als vor der Pandemie. Die wechseln schneller den Anbieter, als Sie „Rabattcode“ sagen können.
Was will Gen Z?
Stichwort Green Loyalty: Programme, die umweltbewusste Kaufentscheidungen belohnen, liegen im Trend. Costa Coffee gibt Extra-Punkte für wiederverwendbare Becher. Tentree pflanzt pro Kauf zehn Bäume und lässt Kunden den Fortschritt per App verfolgen.
Lassen Sie mich klar werden: Traditionelle „Kaufe zehn Mal, krieg eins gratis“-Programme reichen nicht mehr. Die Messlatte liegt höher.
Emotionale Bindung schlägt Transaktionsmechanik. Kunden wollen sich als Teil einer Community fühlen, nicht als Datenpunkt in Ihrer CRM-Datenbank. Unternehmen, die ihre Programme als Plattformen für gemeinsame Werte gestalten – nicht nur als Rabattschleudern – gewinnen.
Künstliche Intelligenz wird zum Standard. 77 Prozent der von McKinsey befragten Unternehmen konnten ihren Marktanteil durch individuelle Kundenerlebnisse steigern, teilweise um mehr als 10 Prozent pro Jahr. Wer 2025 noch keine KI-gestützte Personalisierung nutzt, hinkt hinterher.
Die Omnichannel-Integration wird unverzichtbar. Kunden erwarten, nahtlos zwischen Online-Shop, App und – falls vorhanden – stationärem Handel zu wechseln, ohne dass ihre Punkte verloren gehen oder Prämien plötzlich nicht mehr gelten.
Kundenbindung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wer jetzt anfängt, wird nicht sofort Ergebnisse sehen. Aber die Zahlen lügen nicht: Mitglieder von Treueprogrammen geben 67 Prozent mehr aus. Eine Steigerung der Kundenbindung um nur 5 Prozent kann die Gewinne um 95 Prozent erhöhen. Und 90 Prozent der Programmbetreiber berichten von positivem ROI.
Die Frage ist nicht, OB Sie ein Kundenbindungsprogramm brauchen. Die Frage ist, wann Sie endlich eines aufsetzen, das wirklich funktioniert.
Fangen Sie klein an. Testen Sie. Optimieren Sie. Hören Sie Ihren Kunden zu. Und vermeiden Sie die zehn Fehler, die wir gerade durchgegangen sind.
Der Kunde von morgen kauft nicht nur bei Ihnen, weil Sie das beste Produkt haben. Er kauft, weil Sie ihn verstehen, belohnen und wertschätzen. Und das ist unbezahlbar.
Um Ihnen ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn Sie diesen Technologien zustimmen, können wir Daten wie Ihr Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn Sie Ihre Zustimmung nicht erteilen oder widerrufen, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.