Amazon hat zum Jahreswechsel 2025 still und leise eine Reihe von Änderungen für Marketplace-Seller eingeführt, die in ihrer Summe deutlich mehr Konsequenzen haben als die meisten Presseankündigungen vermuten lassen. Neue Gebührenstrukturen, das Ende des Commingling-Verfahrens bei FBA, KI-gestützte Listing-Tools und eine verschärfte Wettbewerbssituation durch internationale Anbieter — wer auf dem Amazon Marketplace verkauft, hat gerade einiges aufzuarbeiten.
Fangen wir mit der Änderung an, die operativ am meisten wehtut. Amazon beendet das sogenannte Commingling-Verfahren bei FBA — also die Praxis, bei der identische Produkte verschiedener Seller in denselben Lagerbestand gepoolt werden. Das E-Commerce-Magazin hat die neuen Anforderungen für FBA-Händler im Detail aufgedröselt — und die sind nicht ohne. Künftig müssen Seller ihre Ware eindeutig kennzeichnen, Barcodes und Produktidentifikatoren müssen eindeutig dem jeweiligen Händlerkonto zuordenbar sein. Das klingt nach Bürokratie, ist aber im Kern ein Qualitätssignal: Amazon versucht, Fälschungen und minderwertige Ware aus dem FBA-Pool herauszuhalten.
Der Punkt ist: Wer bisher von der Pooling-Effizienz profitiert hat, muss jetzt in Labeling-Prozesse investieren. Ich finde, das ist langfristig richtig — aber kurzfristig kostet es Zeit und Geld, die viele mittelständische Amazon-Seller gerade nicht locker haben. Konkret bedeutet das: Lieferketten anpassen, Verpackungsworkflows überprüfen, im Zweifel mit dem Lager neu verhandeln. Wer das verschleppt, riskiert Ware, die Amazon nicht mehr einlagert.
Amazon Marketplace-Gebühren waren noch nie ein Hobby der Transparenz. Aber 2025 gibt es konkrete Verschiebungen, die Seller auf dem Schirm haben müssen — besonders in Kombination mit dem FBA-Modell, das bei Quivo kompakt mit allen Kosten, Vor- und Nachteilen erklärt wird.
Erstens: Lagergebühren steigen bei langsam drehender Ware. Amazon hat die Aged-Inventory-Surcharge verschärft. Produkte, die länger als 180 Tage im Lager liegen, werden stärker bestraft als bisher. Für Seller mit saisonalen oder Nischenprodukten ist das ein echtes Problem — der Amazon Marketplace bestraft langsame Warenumschläge nun systematischer.
Zweitens: Referral Fees für bestimmte Kategorien wurden angepasst. Konkret trifft das Seller in Kategorien wie Haushaltsgeräte und Elektronik-Zubehör, wo die Provisionen leicht gestiegen sind. Ein Prozentpunkt klingt wenig, macht bei hohem Volumen aber spürbaren Unterschied in der Marge.
Drittens: Neue Inbound-Placement-Fees für FBA. Amazon verlangt 2025 explizit, dass Seller ihre Ware an mehrere Fulfillment-Center liefern — wer das nicht tut und auf ein einzelnes Lager besteht, zahlt Aufpreis. Hintergrund ist Amazons Bestreben, sein Logistiknetzwerk besser auszulasten. Für Seller heißt das: entweder flexible Inbound-Logistik oder höhere Kosten. Drücken lässt sich das kaum.
Amazon Marketplace hat 2025 seinen KI-gestützten Listing-Builder offiziell aus der Beta-Phase herausgenommen. Das Tool generiert auf Basis von Produktdaten automatisch Titel, Bullet Points und Beschreibungen — und optimiert dabei auf Suchalgorithmus-Relevanz. Interessant wird es, wenn man sich anschaut, was das unter der Haube tatsächlich macht: Im Kern ist es ein Prompt-to-Listing-System, das auf Amazons eigenem A9-Ranking-Verständnis trainiert wurde. Das ist weder Magie noch nutzlos — aber es ist auch kein Ersatz für echte Keyword-Recherche.
Ehrlich gesagt ist der Tool-Stack für Amazon-Seller 2025 ziemlich unübersichtlich geworden. Amazons eigene KI-Funktionen konkurrieren mit Drittanbietern wie Helium 10, Jungle Scout und Perpetua, die ebenfalls KI-Features in ihre Suites integriert haben. Der Unterschied: Drittanbieter-Tools haben oft bessere Wettbewerbsanalyse-Features, weil sie Daten über mehrere Marktplätze hinweg aggregieren. Amazons eigene Tools sehen nur den eigenen Datenberg — der ist riesig, aber eben auch partial.
Für Amazon Seller, die gerade erst starten, macht das Amazons eigenes Tooling als Einstieg Sinn — Kosten null, Integration nahtlos (dieses Wort ist hier tatsächlich technisch gemeint, nicht Marketing). Wer aber ernsthaft skalieren will, kommt um externe Keyword- und Wettbewerbsanalyse nicht herum. Das war vor drei Jahren so, das ist heute noch so.
Abseits von Listing-Optimierung gibt es zwei KI-Bereiche, die für Amazon-Seller 2025 wirklich relevant sind: automatisierte PPC-Gebotssteuerung und Review-Analyse. Bei der Gebotssteuerung haben Tools wie Perpetua oder Scale Insights inzwischen ML-Modelle, die Kampagnenbudgets in Echtzeit anpassen — das spart nicht nur Zeit, sondern verbessert bei gut konfigurierten Setups den ACoS messbar. Bei Review-Analyse erlauben KI-Tools, Kundenfeedback strukturiert nach Produktschwächen zu clustern. Das klingt banal, ist aber für Produktentwicklung und Listing-Optimierung auf dem Amazon Marketplace Gold wert.
Parallel zu den internen Amazon-Änderungen verschärft sich das externe Wettbewerbsumfeld. Temu und Shein sind inzwischen nicht nur im Direktvertrieb aktiv, sondern testen Marketplace-Modelle in Europa — was den Preisdruck auf standardisierte Produktkategorien weiter erhöht. Ad-hoc-News analysiert Amazons europäische Expansionsstrategie und die Gegenwindfaktoren, die dabei eine Rolle spielen — darunter regulatorischer Druck und veränderte Konsumentenerwartungen.
Für Amazon Seller in Deutschland und Europa konkret: Wer im Niedrigpreissegment kämpft, verliert diesen Kampf strukturell — nicht wegen mangelnder Anstrengung, sondern wegen fundamentaler Kostenstruktur-Unterschiede. Chinesische Direktanbieter, die über eigene Plattformen ohne Amazon-Gebühren verkaufen, haben schlicht andere Margenspielräume. Der Amazon Marketplace bleibt für sie ein interessanter Kanal, aber nicht der einzige. Für europäische Seller ist das eine klare Signal: Differenzierung über Marke, Qualität oder Service ist kein Nice-to-have, sondern der einzige realistische Pfad.
Dazu kommt die EU-Regulierung. Die Digital Markets Act-Verpflichtungen für Amazon als Gatekeeper bedeuten, dass Amazon Seller theoretisch bessere Konditionen bei Daten-Insights und Interoperabilität einfordern können. Praktisch ist das noch ein langer Weg — aber es ist interessant, dass die EU hier tatsächlich Hebel setzt, die Amazon Seller mittelfristig nützen könnten.

Die Buy Box ist das Herzstück des Amazon Marketplace — wer sie hat, verkauft, wer sie nicht hat, existiert auf der Produktseite faktisch nicht. Amazon hat den Algorithmus 2025 in zwei Punkten angepasst, die Seller kennen sollten.
Erstens gewichtet der Algorithmus Liefergeschwindigkeit nun stärker als bisher. FBA-Seller haben hier strukturellen Vorteil — aber auch FBM-Seller (Fulfillment by Merchant) können mithalten, wenn sie glaubwürdig Prime-ähnliche Lieferzeiten über Seller Fulfilled Prime anbieten. Das Programm hat Amazon in Deutschland 2025 weiter ausgebaut, mit strengeren Anforderungen an Lieferpünktlichkeit und Tracking-Qualität. Wer rein, muss liefern — buchstäblich.
Zweitens fließt das Seller-Feedback stärker ein. Negative Bewertungen über Versandprobleme, Rücksendungsabwicklung und Kundenservice beeinflussen die Buy-Box-Vergabe nun direkter. Das ist im Kern fair — aber es bedeutet, dass Amazon Seller ihren Customer-Service-Prozess nicht als Nachrangs-Thema behandeln dürfen. Ein schlechter Bewertungsmonat kann Buy-Box-Anteile kosten, die sich nur langsam zurückgewinnen lassen.
Amazons Werbe-Ökosystem wächst weiter — und damit auch die Komplexität für Amazon Seller. Sponsored Products, Sponsored Brands und Sponsored Display sind längst etabliert. Neu hinzugekommen sind erweiterte Video-Ads-Formate und stärkere Integration von Amazon DSP (Demand Side Platform) für Seller außerhalb der Enterprise-Klasse.
Der Punkt ist: Amazon Advertising ist 2025 kein optionales Add-on mehr, sondern de facto Pflicht, um auf dem Marketplace organisch wie bezahlt sichtbar zu bleiben. Der organische Anteil an Produktseitenimpressionen sinkt, weil immer mehr Fläche an Werbeeinheiten geht. Wer kein Budget in PPC investiert, verliert Sichtbarkeit — unabhängig davon, wie gut das Listing optimiert ist. Das ist strukturell unbefriedigend, aber es ist die Realität des Amazon Marketplace 2025. Ehrlich.
Was konkret hilft: Kampagnenstruktur nach Funnel-Phase, also Awareness (Sponsored Display, Video), Consideration (Sponsored Brands) und Conversion (Sponsored Products) konsequent trennen. Viele Seller machen den Fehler, ausschließlich auf Conversion-Kampagnen zu setzen und sich dann zu wundern, warum Neukundengewinnung nicht funktioniert.
Amazon ist in Deutschland unbestrittener Marktführer im E-Commerce — aber der Vorsprung wird nicht größer. Laut aktuellen Marktdaten stagniert Amazons Wachstum in Deutschland und Frankreich, während Plattformen wie Zalando in Mode oder Otto im Generalhandel stabile Nischen verteidigen. Für Amazon Seller bedeutet das: Die Plattform ist weiterhin unverzichtbar für Reichweite, aber eine Multi-Channel-Strategie wird wichtiger.
Konkret beobachtbar: Seller, die ausschließlich auf den Amazon Marketplace setzen, machen sich abhängig von Gebührenänderungen, Algorithmus-Shifts und Plattform-Policy — alles Faktoren, die Amazon einseitig kontrolliert. Wer daneben einen eigenen Shopify-Store aufbaut, OTTO Marketplace testet oder Kaufland.de ergänzend nutzt, hat mehr Puffer. Das ist kein Argument gegen Amazon — es ist ein Argument für nicht alles auf eine Karte setzen. Wie beim ETF-Sparplan gilt auch hier: Diversifikation schützt vor unangenehmsten Szenarien.
Der europäische Amazon Marketplace zeigt außerdem, dass lokale Regulierung zunehmend eine Rolle spielt. Produktsicherheitsanforderungen, GPSR (General Product Safety Regulation) ab Ende 2024 und Nachhaltigkeitspflichten treffen Seller unterschiedlich hart — wer Eigenmarken mit physischen Produkten führt, hat hier mehr Hausaufgaben als reine Reseller.
Die Summe der Änderungen auf dem Amazon Marketplace 2025 zeigt eine klare Richtung: Amazon erhöht die Anforderungen an Professionalisierung, Compliance und Investitionsbereitschaft. Das Gelegenheitsseller-Modell wird strukturell schwieriger. Wer aber die Mechanismen versteht — Buy Box, FBA-Anforderungen, Advertising-Funnel, KI-Tools — und bereit ist, sein Setup zu aktualisieren, kann den Amazon Marketplace weiterhin profitabel nutzen.
Die interessante Frage ist nicht, ob Amazon Seller diese Änderungen verdaut bekommen. Das werden sie. Die interessante Frage ist: Wann ist der Punkt erreicht, an dem die Gebühren- und Compliance-Last so hoch ist, dass der Aufbau eines eigenen E-Commerce-Kanals attraktiver wird als der Amazon Marketplace — und welche Seller ziehen diese Konsequenz zuerst?
Haben Sie bereits angepasst, oder wartet Ihr Seller-Account noch auf die Commingling-Umstellung?
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