Über 1.000 zertifizierte Geräte, drei konkurrierende Ökosysteme – und ein Standard, der sie alle vereinen soll. Matter ist 2026 endlich dort angekommen, wo es hingehört: im Alltag. Aber funktioniert das wirklich so reibungslos, wie uns die Hersteller versprechen? Wir bei digital-magazin.de haben uns das genauer angeschaut.
Erinnern Sie sich noch an das Jahr 2022? Apple HomeKit, Google Home, Amazon Alexa – drei Welten, die sich gegenseitig ungefähr so gut verstanden wie drei Geschwister beim Monopoly-Abend. Wer damals eine smarte Glühbirne kaufte, musste vorher einen Kompatibilitäts-Doktoranden konsultieren. Oder zumindest die Packungsrückseite mit einer Lupe studieren.
Dann kam Matter.
Der offene Smart-Home-Standard versprach nichts weniger als das Ende der Inselwelten. Jedes Gerät spricht mit jedem System. Klingt nach Utopie? Drei Jahre später – Anfang 2026 – zeigt sich: Es ist keine Utopie mehr. Aber auch kein Paradies. Eher so etwas wie ein gut funktionierender Kompromiss mit ein paar nervigen Macken. Wie ein WLAN-Router, der im Wohnzimmer perfekt läuft, aber im Bad plötzlich streikt. (Spoiler: Das WLAN reicht trotzdem nicht bis ins Bad.)
Die Connectivity Standards Alliance (CSA) – der Zusammenschluss hinter Matter – hat inzwischen über 1.000 zertifizierte Produkte im Portfolio. Das klingt erst mal beeindruckend. Ist es auch. Aber die spannendere Frage lautet: Was hat sich seit den holprigen Anfängen tatsächlich geändert?
Die kurze Antwort: eine ganze Menge.
Mit Matter 1.4 kam Ende 2024 ein Update, das vor allem batteriebetriebene Geräte effizienter machte. Sensoren und Funktaster, die im Standby-Modus hängen, müssen sich seltener beim Netzwerk melden – ohne ihren Status zu verlieren. Das klingt nach einem Detail, ist aber für den Alltag der entscheidende Punkt: Niemand wechselt gerne alle drei Monate die Batterie im Fenstersensor. Und die Verbesserungen im Energiemanagement durch Matter 1.4 zeigen echte Wirkung im Praxistest.
Noch frischer: Matter 1.5 bringt Anfang 2026 endlich Kameras und Video-Türklingeln in den Standard. Hand aufs Herz – darauf haben viele Leute seit Jahren gewartet. Bislang war Videoüberwachung ein Bereich, in dem jeder Hersteller sein eigenes Süppchen gekocht hat. Mit Matter 1.5 können Sie theoretisch eine Kamera von Hersteller X kaufen und sie in der App von Hersteller Y anzeigen lassen.
Theoretisch.
Wenn ich ehrlich bin, hätte ich vor zwei Jahren nicht auf IKEA als den größten Matter-Treiber gewettet. Aber genau so ist es gekommen. Der schwedische Möbelriese hat über 20 neue Thread-kompatible Matter-Produkte auf den Markt gebracht – vom Bewegungssensor für unter zehn Euro bis zur smarten Steckdose. Das ist der Preispunkt, an dem Smart Home vom Nerd-Hobby zum Massenphänomen wird.
Denn mal ehrlich: Ein Philips-Hue-Setup für 300 Euro kaufen sich Tech-Enthusiasten. Eine IKEA-Lampe für 8,99 Euro probiert jeder aus. Und genau diese Schwelle senkt IKEA gerade massiv.
Apple geht einen anderen Weg. Cupertino hat 2025 die komplette Home-Architektur auf Matter umgestellt. Wer den Wechsel bisher hinausgezögert hat, konnte neue Features wie Gastzugang, Aktivitätsverlauf oder die Integration von Saugrobotern schlicht nicht nutzen. Der sanfte Zwang funktioniert – die meisten Apple-Nutzenden sind inzwischen umgestiegen. Für 2026 stehen außerdem ein neuer HomePod mini, ein Home-Hub-Display und eigene Sicherheitskameras auf der Roadmap.
Samsung baut derweil still und leise Thread Border Router in immer mehr Geräte ein – vom Smart TV bis zum Kühlschrank. Das Team von digital-magazin.de beobachtet diesen Trend schon seit Monaten, und die Richtung ist klar: Die großen Plattformen setzen auf Matter. Nicht weil sie es wollen, sondern weil ihnen die Kundschaft keine Wahl lässt.
Jetzt wird es kurz technisch. Aber keine Sorge – ich versuche, das so zu erklären, dass Sie danach nicht das Gefühl haben, in einer Vorlesung für Nachrichtentechnik gelandet zu sein.
Matter selbst ist kein Funkprotokoll. Es ist eine Sprache. Stellen Sie sich Matter als Esperanto für smarte Geräte vor. Und wie jede Sprache braucht es einen Übertragungsweg – sozusagen die Luft, durch die gesprochen wird. Dafür nutzt Matter drei Technologien:
Thread ist dabei der interessanteste Teil. Das Protokoll existiert seit etwa 2014, wurde aber erst durch Matter richtig relevant. Es bildet ein Mesh-Netzwerk: Jedes Gerät mit Stromanschluss fungiert als Knotenpunkt und leitet Signale weiter. Je mehr Geräte, desto stabiler das Netz. Das kennen Sie vielleicht von Zigbee – und tatsächlich liegt hier auch das Problem.
Zigbee gibt es seit über 20 Jahren. Das Protokoll ist ausgereift, effizient, erprobt. Thread ist der jüngere Bruder, der zwar mehr kann (IPv6-Unterstützung, bessere Sicherheit), aber in Sachen Energieeffizienz noch aufholen muss. Neue Chips wie Nordics nRF54-Serie versprechen Besserung – aber der Vorsprung von Zigbee ist real.
Was bedeutet das für Sie? Wenn Sie ein bestehendes Zigbee-System haben (Philips Hue, IKEA Tradfri der älteren Generation), funktioniert das weiterhin. Matter ersetzt Zigbee nicht über Nacht. Aber für Neuanschaffungen ist Matter-Kompatibilität 2026 der logische Standard.

Hier kommt der Haken. Und der ist größer, als die meisten Werbetexte zugeben.
Matter garantiert, dass ein Gerät mit verschiedenen Plattformen kommunizieren kann. Es garantiert nicht, dass alle Funktionen überall gleich verfügbar sind. Ein konkretes Beispiel: Sie kaufen einen Matter-kompatiblen Saugroboter. In der Apple-Home-App können Sie ihn starten und stoppen. In der Google-Home-App sehen Sie zusätzlich den Reinigungsverlauf. Und in der Hersteller-App gibt es noch kartierungsbasierte Raumreinigung.
Das liegt daran, dass die Plattformen Matter unterschiedlich schnell und unterschiedlich tief implementieren. Apple war lange Zeit der Musterschüler bei der Umsetzung, ist aber bei neuen Gerätetypen wie Saugrobotern manchmal langsamer. Google Home hat zuletzt aufgeholt. Amazon Alexa unterstützt Matter ebenfalls – setzt aber bei seinen eigenen Echo-Geräten weiterhin stark auf hauseigene Protokolle.
Meine ehrliche Einschätzung: Matter löst das Versprechen der plattformübergreifenden Kompatibilität ein – aber auf einem Basisniveau. Wer alle Features nutzen will, bleibt oft doch bei der Hersteller-App hängen. Das ist okay, solange man es weiß. Ärgerlich wird es erst, wenn die Erwartungshaltung nicht stimmt.
Wenn Sie sich von den großen Plattformen lösen wollen, gibt es eine spannende Alternative: Home Assistant hat sich als Open-Source-Plattform für smartes Wohnen etabliert. Das System läuft lokal – Ihre Daten bleiben bei Ihnen, kein Cloud-Zwang, keine Abhängigkeit von Google, Apple oder Amazon.
Und ja, Home Assistant unterstützt Matter. Ziemlich gut sogar. Seit Ende 2025 läuft die Matter-Integration stabil, und die Community hat einen Haufen Automatisierungen entwickelt, die mit den offiziellen Apps nicht mal ansatzweise möglich sind.
Aber – und dieses Aber ist wichtig – Home Assistant richtet sich an Leute, die gerne basteln. Wer keinen Raspberry Pi von einer Kaffeemaschine unterscheiden kann, wird mit Home Assistant nicht glücklich. Für alle anderen ist es ein Traum. Stellen Sie sich vor: eine einzige Oberfläche für Licht, Heizung, Kameras, Saugroboter, Waschmaschine – alles lokal, alles schnell, alles unter Ihrer Kontrolle.
Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, sollte auch einen Blick auf die Möglichkeit werfen, sich einen eigenen lokalen Sprachassistenten zu bauen. Denn smarte Steuerung ohne Cloud – das ist 2026 kein Nischenthema mehr.
Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie abends im Bett liegen und sich fragen, ob die smarte Kamera im Flur gerade Daten nach China schickt? Ich schon. Und genau hier hat Matter einen echten Vorteil gegenüber dem Chaos, das vorher herrschte.
Jedes Matter-Gerät muss ein Sicherheitszertifikat durchlaufen. Die Kommunikation ist verschlüsselt. Das Pairing erfolgt über kryptografisch gesicherte Codes. Und – das ist der Punkt, den ich am wichtigsten finde – Matter schreibt vor, dass Geräte auch lokal funktionieren müssen. Kein Cloud-Zwang für Basisfunktionen.
Klar, das ist kein Allheilmittel. Wer seine Überwachungskamera per App von unterwegs steuern will, braucht trotzdem eine Cloud-Verbindung. Aber die Grundfunktionen – Licht an, Licht aus, Heizung regeln – laufen lokal. Das bedeutet: Wenn der Internetanbieter mal wieder eine „geplante Wartung“ um drei Uhr nachts einlegt, geht trotzdem das Licht an, wenn Sie den Schalter drücken.
Nach unserer Recherche bei digital-magazin.de hat sich dieser Aspekt als einer der stärksten Kaufgründe für Matter-Geräte herauskristallisiert. Gerade in Deutschland, wo Datenschutz nicht nur ein Buzzword ist, sondern echte Kaufentscheidungen beeinflusst, zählt das lokale Funktionsprinzip. Wer sich für grundlegende IT-Sicherheit im vernetzten Zuhause interessiert, findet bei uns weitere Tipps.
Gut, genug Theorie. Sie wollen wissen, was Sie sich kaufen sollten. Hier meine persönliche Auswahl – getestet, geflucht, für gut befunden:
Smarte Beleuchtung: Die neuen IKEA-DIRIGERA-Lampen mit Thread-Support sind der Sweet Spot aus Preis und Funktion. Wer mehr Farben und Szenen will, greift weiterhin zu Philips Hue – das System spricht inzwischen ebenfalls Matter.
Thermostate: tado° hat seine vierte Generation mit Matter-Support nachgerüstet. Die Einzelraumsteuerung funktioniert zuverlässig, und die Heizkosten-Ersparnis spüren Sie im Geldbeutel. Eve Thermo ist die Alternative für alle, die komplett auf Cloud verzichten wollen.
Türschlösser: Yale und Nuki bieten Matter-kompatible Schlösser an. Mein Tipp: Achten Sie darauf, dass Thread integriert ist – Schlösser, die nur über Bluetooth oder WLAN laufen, reagieren spürbar langsamer.
Saugroboter: roborock und Ecovacs liefern die ersten Matter-zertifizierten Modelle. Die Basissteuerung klappt plattformübergreifend, für die volle Kartierung brauchen Sie aber weiterhin die Hersteller-App. Ehrlich gesagt hat mich das etwas enttäuscht – aber so ist der Stand.
Sensoren: Aqara und Eve produzieren Tür-/Fenstersensoren, Bewegungsmelder und Luftqualitätssensoren mit Matter-Zertifizierung. Die Aqara-Sensoren brauchen einen Hub, die Eve-Geräte laufen direkt über Thread. Beide Varianten funktionieren solide.
Die CES im Januar 2026 hat gezeigt, wohin die Reise geht. Intelligente Beleuchtung mit KI-gesteuerter Szenenauswahl, smarte Duftspender (ja, wirklich), und – mein persönliches Highlight – Energiemanagementsysteme, die den hauseigenen Solarstrom automatisch auf Geräte verteilen.
Auf der Light + Building im März 2026 in Frankfurt erwarte ich den nächsten Schub an Matter-Produkten aus dem professionellen Segment. Firmen wie Busch-Jaeger (ABB), Warema und Maco haben bereits angekündigt, ihre Systeme für Rollläden, Markisen und Elektroinstallation Matter-kompatibel zu machen. Das ist der Moment, in dem Smart Home den Sprung vom Nachrüstprojekt zur Standard-Elektroinstallation schafft.
Was mich besonders neugierig macht: Die Berichterstattung von der CES 2026 zeigt, dass der Fokus nicht mehr auf neuen Produktkategorien liegt, sondern auf besseren Features und niedrigeren Preisen für bestehende Kategorien. Smart Locks, Kameras, Beleuchtung – alles wird günstiger und besser. Das ist genau das, was der Markt braucht.
Sie wollen loslegen? Dann beherzigen Sie diese fünf Punkte:
Matter ist 2026 kein Experiment mehr. Es ist Realität. Nicht perfekt, nicht fehlerfrei, aber funktional und – das ist der springende Punkt – alternativlos. Kein neuer Smart-Home-Hersteller wird es sich leisten können, Matter zu ignorieren. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell die verbleibenden Lücken geschlossen werden.
Die nächsten Schritte sind klar: Matter 1.5 bringt Kameras. Danach dürften Haushaltsgeräte folgen – Waschmaschinen, Trockner, Backöfen. Irgendwann vielleicht sogar das komplette Internet der Dinge im Haushalt, von dem wir seit Jahren reden.
Meine persönliche Prognose? In zwei Jahren werden wir beim Gerätekauf nicht mehr auf das Matter-Logo achten – weil es selbstverständlich sein wird. So wie heute niemand mehr prüft, ob ein Laptop WLAN hat.
Bis dahin bleibt Smart Home ein Hobby, das gelegentlich Nerven kostet. Aber eines, das sich lohnt. Und wenn mal wieder ein Gerät nicht reagiert: Stecker raus, Stecker rein. Funktioniert in 90 Prozent der Fälle. Den Rest lösen wir nächstes Jahr.
Um Ihnen ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn Sie diesen Technologien zustimmen, können wir Daten wie Ihr Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn Sie Ihre Zustimmung nicht erteilen oder widerrufen, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.