Schatten-IT: Der blinde Fleck in der Sicherheitsstrategie

Schatten-IT in der Unternehmenssicherheit
Unentdeckte Cloud-Dienste und Tools können zum Sicherheitsrisiko werden

Unkontrollierte Cloud-Dienste, selbst beschaffte Tools und nicht dokumentierte Endgeräte entstehen oft aus gutem Willen, werden aber schnell zum Sicherheitsrisiko. Schatten-IT entzieht sich der Governance und öffnet Angreifern unbemerkt neue Türen. Wie können Sie Transparenz schaffen, ohne Innovation auszubremsen? Eine Situation, wie sie im Unternehmensalltag immer häufiger wird:

Inhalt

Ein Fachbereich nutzt „vorübergehend“ einen Cloud-Speicherdienst, weil ein Projekt schnell starten muss. Die Lösung funktioniert, der Austausch mit externen Partnern läuft reibungslos – also bleibt das Tool im Einsatz. Drei Monate später hängen mehrere Prozesse daran. Kundendaten werden gespeichert, Zugriffsrechte wachsen organisch, persönliche Accounts kommen hinzu. In der zentralen IT-Dokumentation taucht die Anwendung nicht auf. Erst im Rahmen einer internen Bestandsaufnahme wird der Dienst entdeckt. Es gab keinen Sicherheits-Check, keine vertragliche Prüfung und keine offizielle Freigabe. Und genau hier beginnt der blinde Fleck in Ihrer Sicherheitsstrategie.

Warum Schatten-IT entsteht – und warum sie schwer zu kontrollieren ist

Schatten-IT entsteht selten aus Nachlässigkeit. In den meisten Fällen sind es engagierte Mitarbeitende und Fachbereiche, die Projekte vorantreiben, einfacher zusammenarbeiten oder langwierige interne Feedbackschleifen umgehen wollen.

Fachbereiche unter Innovationsdruck

Fachabteilungen stehen zunehmend unter dem Druck, digitale Projekte eigenständig und schnell umzusetzen. Das Marketing benötigt Analyse-Tools, HR führt neue Bewerberplattformen ein, der Vertrieb testet CRM-Erweiterungen. Was aus Sicht der Teams endlich Effizienz bringt, führt aus Unternehmenssicht zu einer fragmentierten IT-Landschaft.

Cloud-Services und SaaS als Brandbeschleuniger

Cloud- und SaaS-Angebote haben die Einstiegshürden drastisch gesenkt. Neue Anwendungen lassen sich innerhalb weniger Minuten buchen und produktiv einsetzen, ohne große technische Voraussetzungen. Diese Einfachheit ist einer der größten Treiber von Schatten-IT. Die Beschaffung erfolgt dezentral, Vertragsbedingungen bleiben unklar und Datenflüsse entziehen sich der zentralen Kontrolle. Besonders kritisch wird es, wenn sensible Unternehmensdaten ohne Sicherheitsprüfung in externe Plattformen übertragen werden.

Remote Work und dezentrale Entscheidungsstrukturen

Auch hybride Arbeitsmodelle und internationale Teams fördern eigenmächtige Entscheidungen. Mitarbeitende greifen auf Collaboration-Tools und Filesharing zurück, um Arbeitsprozesse effizient zu gestalten. Je stärker Teams verteilt arbeiten, desto schwieriger wird es für die IT, einen vollständigen Überblick über Anwendungen und Geräte zu behalten.

Wenn Prozesse zu langsam sind, entstehen Umgehungslösungen

Langwierige Genehmigungsprozesse oder unklare Zuständigkeiten verstärken das Problem. Wenn zentrale IT-Strukturen als zu langsam, komplex oder restriktiv wahrgenommen werden, wird der direkte Weg attraktiver. Kurz: Es entstehen Alternativen außerhalb der etablierten Kontrollmechanismen. Schatten-IT entsteht also häufig einfach aus Pragmatismus.

Welche Geräte oder Tools fallen typischerweise unter Schatten-IT?

Schatten-IT besteht meist aus alltäglichen, leicht verfügbaren Diensten. Typische Beispiele sind: Cloud-Speicher- und File-Transfer-Dienste Collaboration- und Projektmanagement-Tools fachbereichsspezifische SaaS-Anwendungen Shadow AI (nicht freigegebene KI-Tools) Aber auch private Endgeräte oder nicht verwaltete BYOD-Geräte, die auf Unternehmensdaten zugreifen, fallen unter diesen Begriff.

Die Risiken gehen über ein reines Compliance-Problem hinaus

Das eigentliche Risiko liegt nun nicht im einzelnen Tool, sondern in der fehlenden Transparenz über dessen Existenz, Nutzung und Datenverarbeitung. Was nicht sichtbar ist, kann weder bewertet noch abgesichert werden. Die Risiken betreffen dabei mehrere Ebenen:

Angriffsfläche für Cyberkriminalität

Jedes nicht erfasste System erweitert Ihre potenzielle Angriffsfläche für Cyberattacken. Unsichere (oder falsch genutzte) Cloud-Dienste, eigenständig installierte Software oder nicht dokumentierte Endgeräte unterliegen häufig nicht den üblichen Sicherheitsstandards – etwa: Multi-Faktor-Authentifizierung Patch- und Update-Management Protokollierung und Monitoring Rollen- und Rechtekonzepte Für Angreifer sind solche Sicherheitslücken besonders attraktiv. Sie suchen gezielt nach schlecht abgesicherten Einstiegspunkten außerhalb regulärer Schutzmechanismen.

Datenabfluss und Datenschutzverstöße

Schatten-IT betrifft häufig auch sensible Daten. Werden personenbezogene Informationen, vertrauliche Dokumente oder geschäftskritische Inhalte in nicht geprüften Anwendungen oder auf privaten Endgeräten verarbeitet, ist oft unklar: wo Daten gespeichert werden wer darauf Zugriff hat welche Sicherheitsstandards gelten ob Lösch- und Archivierungsfristen eingehalten werden Die Folge: Datenschutzanforderungen und Dokumentationspflichten lassen sich quasi nicht mehr erfüllen.

Lizenz-, Vertrags- und Haftungsrisiken als Kostenfrage

Neben Sicherheits- und Datenschutzaspekten hat Schatten-IT auch wirtschaftliche Auswirkungen. Dezentral beschaffte SaaS-Lösungen bedeuten häufig doppelte Lizenzmodelle – und damit doppelte Kosten –, Vertragsfallen wie automatische Verlängerungen, unklare Service-Level-Vereinbarungen und intransparente Haftungsklauseln. Eine wichtige Frage dabei lautet: Wer trägt die Verantwortung, wenn ein Sicherheitsvorfall über eine nicht genehmigte Anwendung ausgelöst wird?

Einfallstor für Supply-Chain-Angriffe

Moderne IT-Landschaften sind eng vernetzt. Anwendungen greifen über Schnittstellen aufeinander zu, externe Partner erhalten Zugänge, Daten werden automatisiert synchronisiert. Jede zusätzliche, nicht geprüfte Verbindung erhöht das Risiko. Wenn ein externer Dienst kompromittiert wird, kann sich ein Vorfall entlang dieser Verbindungen ausbreiten. In Zeiten zunehmender Supply-Chain-Angriffe zeigt das: Es reicht nicht aus, nur die eigene Infrastruktur zu schützen und im Ernstfall zu reagieren. Stattdessen braucht es von Beginn an strukturelle Transparenz.

IT-Asset-Management als Fundament für Kontrolle und Sicherheit

IT-Asset-Management
Strukturiertes Asset-Management schafft Überblick über die IT-Landschaft

Genau an diesem Punkt setzt IT-Asset-Management an. Damit ist jedoch nicht nur eine Liste von Geräten gemeint. Es beschreibt die strukturierte Erfassung, Verwaltung und Bewertung aller IT-Assets – über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Dazu gehören heute nicht nur Server und Notebooks, sondern ebenso Cloud-Dienste, SaaS-Anwendungen, mobile Endgeräte und digitale Identitäten. Für ein sauberes Asset-Management sind drei Ebenen notwendig:

Ein strukturiertes Inventar

Ein umfassendes Inventar enthält Folgendes: Hardware und Endgeräte installierte Software Cloud- und SaaS-Dienste Schnittstellen und Zugriffsrechte Wichtig dabei ist die regelmäßige Aktualisierung: Neue Anwendungen werden gebucht, Systeme werden verändert, Tools bekommen neue Funktionen etc.

Eine umfassende Risikobewertung

Eine vollständige Liste allein schafft jedoch noch keine IT-Sicherheit. Entscheidend ist die Bewertung. Welche Anwendungen verarbeiten sensible Daten? Welche Systeme sind extern erreichbar? Wo bestehen regulatorische Anforderungen? Erst dann ist wirklich klar, welche Tools welche Strategie benötigen.

Wirksame Prozesse

Sichtbarkeit und Schutzmaßnahmen gehören zusammen. Sind alle Systeme und Geräte erfasst und ist klar, welche Risiken damit einhergehen, müssen entsprechende Prozesse entwickelt werden. Unter anderem für: die Einführung neuer Tools ein strukturiertes Update-Management das laufende Monitoring und gezielte Vulnerability-Scanning ein kontrolliertes Offboarding

Wie gelingt die Umsetzung in der Praxis?

Eine digitale Grafik mit dem BeyondTrust-Logo, der Überschrift "Top Cybersecurity Trend Predictions for 2026" und einer Unterüberschrift, die die Experten Morey Haber, Chris Hills und James Maude auflistet, zeigt die Prognosen 2026 für IT-Security auf einem orangefarbenen KI-Gesicht und einem Leiterplatten-Hintergrund.
Passend zum Thema:

Transparenz entsteht nicht über Nacht. Entscheidend ist ein strukturiertes Vorgehen, das Technik, Prozesse und Menschen gleichermaßen berücksichtigt. Folgende Schritte helfen Ihnen dabei:

  1. Transparenz gezielt aufbauen Beginnen Sie nicht mit einer unternehmensweiten Großinitiative. Starten Sie mit einem klar definierten Bereich – etwa einer Abteilung oder einem bestimmten Aufgabenbereich. Führen Sie vorhandene Informationsquellen zusammen, zum Beispiel: bestehende Inventarlisten Endpoint-Management-Daten Cloud- und Identitätsverzeichnisse Lizenz- und Vertragsübersichten.
  2. IT-Asset-Management organisatorisch verankern Legen Sie als Nächstes klare Zuständigkeiten fest: Wer ist Asset Owner? Wer bewertet Risiken? Wer genehmigt neue Tools? In welchem Zeitraum müssen Anfragen bearbeitet werden? Wie werden Anwendungen außer Betrieb genommen?
  3. Governance statt Verbotskultur etablieren Wie schon erwähnt, entsteht Schatten-IT häufig dort, wo offizielle Wege als zu kompliziert oder langsam wahrgenommen werden. Wenn Sie ausschließlich auf strenge Verbote setzen, verlagern sich Lösungen lediglich in informelle Kanäle. Besser ist ein Modell mit klaren Leitplanken: transparente Freigabeprozesse, klare Prüfkriterien und kurze Bearbeitungszeiten.
  4. Sichere Alternativen aktiv anbieten Mitarbeitende greifen häufig auf externe Tools zurück, weil sie ein konkretes Problem lösen möchten, das mit den freigegebenen Werkzeugen nicht bewältigbar ist. Stellen Sie daher aktiv ein Set an Standardlösungen für verschiedene Zwecke bereit – und erklären Sie, warum diese sicherer sind.
  5. Monitoring und kontinuierliche Anpassung etablieren IT-Landschaften verändern sich ständig. Neue Services kommen hinzu, andere werden eingestellt. Ein einzelnes Mal aufzuräumen, beseitigt das Problem nur sehr kurzfristig. Deshalb gilt es, die IT-Landschaft immer wieder zu betrachten, neue Tools zu bewerten und regelmäßige Reviews zu etablieren.

Fazit: Sichtbarkeit ist Sicherheit

In Zeiten von leicht verfügbaren Cloud-Diensten, Innovationsdruck und dezentral arbeitenden Teams ist die Entstehung von Schatten-IT nur logisch. Die Frage ist nicht, ob sie existiert, sondern ob sie schnell erkannt, geprüft und offiziell in die firmeninternen IT-Strukturen mit aufgenommen wird. Kurz zusammengefasst gilt: Was Sie nicht kennen, können Sie nicht schützen. Ein starkes IT-Asset-Management schafft die Grundlage, diesen blinden Fleck aufzulösen.

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