Hat der gute alte Online-Shop ausgedient?

Viele Onlinehändler messen der Wahl des Shopsystems eine große Bedeutung bei. Zweifellos ist es eine wichtige Entscheidung, ob eine Open-Source-Lösung oder etwa ein Mietshop zum Einsatz kommt. Mindestens ebenso wichtig ist aber auch die richtige Vermarktungsstrategie.

Hier hielt in den letzten Jahren mit Mass Customization ein neuer Trend Einzug, der einen regelrechten Gründungsboom bei E-Commerce-Unternehmen auslöste. Dem Selbstverständnis dieses innovativen Vermarktungsansatzes lag die Überzeugung zugrunde, dass Standardprodukte schließlich jeder online verkaufen kann und ein echter Mehrwert für den Kunden nur durch Personalisierung und Individualisierung von Produkten entsteht.

Einige Fachleute gingen sogar so weit, von einer Revolutionierung des Onlinehandels zu sprechen.

Branchen- und produktbezogenes Vermarktungskonzept

Hat hier nun eine Zeitenwende im E-Commerce stattgefunden oder sich nur ein interessanter neuer Nischenmarkt aufgetan? Um diese Frage beantworten zu können, ist ein Blick auf diejenigen Branchen hilfreich, die bei diesem neuen Vermarktungskonzept eine Vorreiterrolle spielen. Allen voran ist es die Modebranche, wo sich alles um Fashion dreht. Massenware ist out – der Trend geht zum maßgeschneiderten Produkt.

12 beliebte Open-Source Shopsysteme

Shopsystem Offizielle Homepage
Magento www.magentocommerce.com/de/
opencart www.opencart.com
xt:Commerce www.xt-commerce.com
OsCommerce www.oscommerce.de
PrestaShop www.prestashop.com
OXID eShop www.oxid-esales.com
VirtueMart virtuemart.net
Shopware www.shopware.de
Gambio www.gambio.de
CubeCart www.cubecart.com
spree spreE-Commerce.com
ZenCart www.zen-cart.com

So tönt es allerorten und selbst Markenlabels scheinen diesen Megatrend allmählich zu fürchten. Nun muss man dazusagen, dass die Outfit-Branchen für Mass Customization Projekte geradezu prädestiniert sind.

Sich ein Kleidungsstück individuell konfektionieren zu lassen hat immerhin eine lange Tradition und das Internet scheint die fast vergessenen „Tugenden“ von einst wiederzubeleben. Und sei es nur, indem sich der Kunde ein individuelles Motiv aufs T-Shirt drucken lässt. Doch auch andere Branchen folgten dem Trend. Von Handtaschen über Geschenkartikel bis hin zu Handyhüllen scheint es, als ob es bald kein Produkt mehr gibt, dem ein Onlinekunde nicht irgendwie seinen persönlichen Stempel aufdrücken kann, bevor er es in den Warenkorb legt.

Auch die Food-Branche orientiert sich an den neuen Konzepten. Inzwischen gibt es unzählige Online-Shops, wo sich König Kunde individuelle Kaffee- und Teesorten selber mischt, Konfitüren und Müslis mit außergewöhnlichen Zutaten anreichert, Pizzas unendlich variantenreich belegt und sogar Parfums individuell komponiert.

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Grenzen bei der Personalisierung von Produkten

Werden jetzt Online-Shops für Massenware nach Maß, wo der Kunde mit dem Produkt einen Teil des Herstellungsprozesses gleich mitkauft, die klassischen Online-Shops verdrängen, welche „nur“ Sortimente mit nicht-konfigurierbaren Produkten anbieten? Diese Befürchtung ist unbegründet. Wer beispielsweise ein Buch oder einen Musiktitel kaufen will, hat wohl kaum ein Interesse daran, diese Artikel noch weiter aufzupimpen. Und wer sich in einen Online-Baumarkt begibt, hat in der Regel klare Vorstellungen von dem Produkt, das er sucht, ob es sich nun um Fliesen, Türdichtungen oder Innenfarbe handelt. Kaufanreize werden hier vor allem über eine attraktive Preisgestaltung realisiert. Das gilt ebenso für den gesamten Bereich technischer Produkte wie Elektrogeräte.

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Hier werden schon die steigenden Strompreise dafür sorgen, dass sich Kunden verstärkt in Online-Shops für Elektroartikel nach neuen Strom sparenden Elektrogeräten umsehen. Ein aktueller Hintergrund, der den Elektro-Fachhändlern mit Sicherheit satte Umsätze im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft bescheren wird.

Wohl kein Kaufinteressent wird sich für die Personalisierbarkeit von Toastern, Waschmaschinen oder Kühlschränken interessieren. Was bei technischen Artikeln zählt, sind die Leistungsmerkmale und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis beim gesuchten Produkt sowie ein gutes Serviceangebot des Onlinehändlers. Mass Customization wird in den erwähnten Branchen auch zukünftig keine Rolle spielen.

Kein Massensterben konventioneller Online-Shops

Ohne Frage wird der Anteil der Online-Shops, welche personalisierbare Produkte anbieten, weiter zunehmen und den E-Commerce nachhaltig verändern. Es ist jedoch genauso sicher, dass sich diese Vermarktungsstrategie nicht auf alle Bereiche des Onlinehandels ausdehnen lässt, weil sie – wie beispielhaft beschrieben – in einigen Branchen auch überhaupt keinen Sinn macht. Aber auch dort, wo dieser neue Zeitgeist auf dem Vormarsch ist wie im Bereich modischer Accessoires, werden auch die klassischen Online-Shops weiterhin ihr Auskommen haben. Ein Massensterben wird schon deshalb nicht stattfinden, weil die Absatzmärkte einfach zu vielschichtig sind. Genauso wie die Kunden, deren Kaufverhalten vom Wunsch nach Individualität bestimmt wird.

Bildnachweise:
Foto 1 © stokkete – Fotolia.com (Titelbild)
Foto 2 © Benjamin Thorn / pixelio.de
Foto 3 © Gerd Altmann / pixelio.de

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Mirko Peters
Mirko Peters
Mirko Peters ist Medienkaufmann und Senior Experte Analytics und Market Insights. Er berät und betreut Unternehmen und Marken in den Themenfeldern E-Commerce, Online-Marketing und Internet-Strategie und begleitet federführend komplexe Projekte. Schwerpunkt seiner Arbeit sind die Datenanalyse, das Projektmanagement sowie die Entwicklung und Umsetzung effizienter Online-Marketing-Strategien sowie die Umsetzung von komplexen Online-Shops und deren Backend-Prozesse.
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