Der Bücherwurm wird zum Mobile-E-Book-Wurm

Eine aktuelle Studie der Bitkom beweist, dass die Deutschen immer noch lesen und dies in allen Altersklassen, angefangen bei den Vierzehnjährigen. Allerdings tun sie dies nicht mehr, indem sie Papierschinken durch die Gegend tragen, sondern eben mobil Bücher auf ihren Geräten mit sich führen. E-Books sind auf dem Vormarsch und erobern den Markt.

Früher war alles besser, da haben die Menschen noch gelesen

Ich war neulich bei meinem Großvater zu Gast. Er sitzt abends gern in seinem Stuhl und liest, seine Pfeife rauchend, bei schummrigem Licht, blickt er nur selten nach oben. In Gedanken versunken brabbelt er dann etwas vor sich hin und markiert interessante Stellen in seinem Text. Ich setze mich zu ihm, weil Großmutter gerade in der Küche den Abwasch macht. Zwischendurch hört man ihre Stimme durch die Räume dringen und sie fragt, ob wir noch Kekse zu unserem geistigen Austausch haben wollen. Ich muss meistens einen Moment darauf warten bis er die Seite oder zumindest den Absatz zu ende gelesen hat, bevor er sich zu mir wendet und tief einatmet, um sich dann ein wenig über die Jugend zu beschweren. Seine letzte Kritik galt den jungen Menschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die mittlerweile alle quasi ausschließlich nur noch mit ihren mobilen Geräten unterwegs sind und nicht mit einem anständigen Buch. Ich möchte Großvater trösten.

Das Lesen von Büchern auf mobilen Endgeräten wird zum Trend

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E-Book Reader sieht man immer öfter auch in Bus und Bahn BruceEmmerling / Pixabay

Der Verbrauch von E-Books ist im letzten Jahr um ein Prozent gestiegen, sodass man behaupten kann, dass rund ein Viertel der Bürger der Bundesrepublik von den Angeboten im Netz Gebrauch macht. Unter ihnen mindestens ein Drittel, die normalerweise herkömmliche Bücher lesen. Der Übergang ist jedoch fließend und man kann davon ausgehen, dass die Zahlen in den kommenden Jahren ansteigen werden, dass 35% der Befragten sich vorstellen sich diesem Trend anzuschließen. Dies natürlich auch, weil man sich besondere Marketing-Strategien zu ihrer Nutzung ausgedacht hat. Hierzu gehören Abos, Pauschaltarife und natürlich die Tatsache, dass man besonders im Content-Marketing dem User einen Mehrwert schenken möchte, indem man Texte oder Buchanfänge zur freien Verfügung stellt. Das macht Appetit auf mehr, und wenn es gefällt und dann kauft man den ganzen Text. Es gibt jedoch auch viele Anbieter von Gratis-Texten, den Klassikern, bei denen das Urheberrecht nicht mehr greift.

Besonders die jungen Leute erfreuen sich an E-Books

Großvater ist hauptsächlich traurig, weil er zunehmend den Eindruck hat, dass besonders die Jugend nicht mehr liest. Dies kann man hinsichtlich der E-Books nicht behaupten. Über 30% der Bundesbürger zwischen 14 und 49 Jahren lesen E-Books und sogar von 50-64 Jahren sind es auch immerhin noch 28%. Die Altersgruppe, die sich dann in Richtung Opa bewegt liegt bei der Hälfte. Die Kritik der Menschen an E-Books ist maßgeblich, dass man sich nicht an die Geräte gewöhnen könne und diese auch zu teuer seien. Allerdings gibt es ein wichtiges Gegenargument: Platz und bessere Mobilität. Diese sind gerade für junge Leute sehr wichtig, und man kann gleichzeitig mehrere Bücher auf seinem Laptop oder Smartphone mit sich führen. Die genannten Geräte sind übrigens mit um die 40% die beliebtesten E-Book Speicher. Viele nutzen aber auch speziell dafür vorgesehene E-Reader, und um die 20% das Tablet. Die jungen Leute sind es mittlerweile gewöhnt, auf einen Bildschirm zu schauen, so dass es keine nostalgische Bindung zu Büchern gibt, wie Großvater sie haben kann, der selbst noch auf einer Schreibmaschine schrieb, da auch stetig die Lesequalität auf Bildschirmen und Touchscreens verbessert wird.

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Wo bekommt man den Stoff her und was weiß ich, was Opa nicht weiß?

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Anfangs waren es natürlich die E-Reader Vertreiber, die den dazu gehörigen Lesestoff mitgeliefert haben. Einige gab es kostenlos zum Herunterladen, andere konnte man sich auf den entsprechenden Homepages aussuchen und bestellen. Man kann elektronische Bücher von den Verlagen direkt kaufen, man kann sie auch in öffentlichen Einrichtungen ausleihen, wie früher in der Bücherei, das machen immerhin 50% der Leser. Es gibt auch verschiedene Einzelanbieter, aber ganz vorne im Kurs mit 70% an Käufen führen große Anbieter, die auch normale Bücher verkaufen, wie Amazon oder Thalia.

Zu Thalia geht Großvater auch, immerhin entspringt der Name der griechischen Muse der Unterhaltung und der Dichtung und das kennt er. Zudem könnte für ihn auch interessant sein, dass er sich in verschiedenen Communities im Netz über die gelesenen Bücher unterhalten könnte, da Großmutter nicht die gleichen Bücher liest, wie er. Leute schreiben dort Rezensionen, Kritiken oder Kommentare. Viele schreiben selber, da das Veröffentlichen mit E-Books günstiger ist. Es gibt sogar richtige E-Book Stars, die man neu entdecken könnte. Außerdem gibt es mittlerweile Apps, mit denen man Passagen unterstreichen kann. Letzteres kann Großvater aber wahrscheinlich nicht überzeugen. Manchmal steht er von seinem Stuhl auf und bewegt sich zum Regal, um mir etwas zu zeigen. Oft weiß er selbst nicht genau was eigentlich oder vergisst es auf dem Weg dorthin … und dann zieht er wahllos ein Buch heraus. Er schiebt dann immer seine Brille nach oben, raucht an seiner Pfeife, schüttelt mit dem Kopf und sagt nach einer kurzen Pause:

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„Tse, tse, tse, sieh mal an, hier habe ich mal wieder die falschen Passagen unterstrichen.“

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