Abgesang auf das Performance Marketing – das deutsche Internet muss sich neu ausrichten

Auf der K5 in Berlin stellte Philipp Westermeyer seine Vision vom deutschen Internet der Zukunft vor. Deutlich wurde, dass der Gründer und CEO der Online Marketing Rockstars das Ende des Performance Marketings für gekommen sieht. Ihm zufolge müssen sich deutsche Unternehmen vom US-Markt emanzipieren und eine stärkere Kundenbindung suchen. Vorbilder hierbei können Alexa, Tesla und der Thermomix sein.

Das deutsche Internet ist sehr amerikanisch

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Ein Thema der K5 in Berlin war „State of the German Internet“, das sich mit der Entwicklung und dem aktuellen Stand des Internets in der Bundesrepublik beschäftigte. Philipp Westermeyer malt hier ein recht düsteres Bild des deutschen Internets. So werde der deutsche Markt stark von US-amerikanischen Unternehmen dominiert und die „Hidden Champions“, die es hierzulande gibt, führten ein Schattendasein. Als Beleg führte Westermeyer die Apps an, die auf deutschen Homescreens zu finden sind. Während in den USA 100% amerikanische und in China 100% chinesische Apps zu finden sind, nutzen deutsche Anwender zu 88% amerikanische Apps. Der deutsche Onlinemarkt entwickelt sich somit in Abhängigkeit vom US-Markt und büßt folglich sehr viel Autonomie ein. Außerdem hat Westermeyer einen „German Internet Index (GIX)“ entwickelt und vergleicht diesen mit dem DAX. Hierbei zeigt sich deutlich, dass sich die klassischen deutschen Unternehmen im letzten Jahr deutlich besser entwickelt haben (+25%) als vergleichbare Onlineunternehmen (+1,5%).

Performance Marketing führt nicht mehr zum Ziel

Ein Problem des deutschen Internets besteht Westermeyer zufolge darin, dass sich die Unternehmen hierzulande nach wie vor zu stark auf das Performance Marketing konzentrierten, statt die Plattform-Ökonomie stärker ins Blickfeld zu rücken. So hat beispielsweise Wimdu den Konkurrenten Airbnb in Sachen Sichtbarkeit und seo längst überflügelt. Dennoch ist Airbnb eine bekannte Marke, wohingegen nur wenige etwas mit dem Namen Wimdu anfangen können. Hieraus schlussfolgert Westermeyer, dass die Bekanntheit eines Produkts oder eines Unternehmens nicht über das Performance Marketing, sondern ausschließlich durch eine bestmögliche Kundenbindung zu steigern sei. Westermeyer betont, dass Kunden die Produkte nicht mehr nur vorgestellt bekommen, sondern sie hautnah erfahren und erleben wollen. Deswegen müssten Produkt und Marketing immer mehr miteinander verschmelzen.

Vorbilder für ein mögliches deutsches Internet

Westermeyer veranschaulicht seinen Standpunkt anhand einiger Beispiele. So sei Alexa von Amazon die gelebte Verschmelzung von Produkt und Marketing. Durch Alexa käme Amazon so nah an den Kunden, wie überhaupt nur möglich, und würde deutlich mehr Bekanntheit genießen als vergleichbare Anbieter, die lediglich auf Performance Marketing setzten. Ebenfalls ein gutes Beispiel für die Vereinigung von Produkt und Marketing sei Tesla. Das Unternehmen mache den Vertrieb zum Teil des Marketings und bringe Produkte in die Innenstädte, die sonst nur im Industrieviertel zu finden wären. Ferner setze auch das Matratzen-Startup Casper auf Kundennähe und biete Interessierten beispielsweise 100 Tage Probeliegen an.

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Der Thermomix ist demgegenüber ein deutsches, mittelständisches Beispiel für Erfolg jenseits des Performance-Marketings. Der Thermomix verkauft sich dank Tupper Partys und weil vom Hersteller Vorwerk unabhängige Anbieter das Marketing übernehmen. Neben zufriedenen Kunden sind das zum Beispiel die sieben deutschen Thermomix-Magazine. Unternehmen müssen lernen, sich vom reinen Performance Marketing zu lösen. Der Weg zum Erfolg führt nicht mehr allein über die Köpfe der Menschen durch Sichtbarkeit und Produktinformationen. Vielmehr muss es darum gehen, Kundennähe zum Unternehmen und zum Produkt aufzubauen und somit einen Weg in die Herzen der Menschen zu finden.

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